05.07.2023
Makroökonomisches UmfeldRealwirtschaftliche Situation:
Nachdem Deutschland mit zwei aufeinanderfolgenden Quartalen negativen Realwachstums in eine technische Rezession eingetreten ist, konnte eine Rezession in den USA knapp abgewendet werden: Nach einem Rückgang im vierten Quartal 2022 liegt der Durchschnitt von Bruttoinlandseinkommen und BIP wieder über Null, wie die revidierten Zahlen für das erste Quartal 2023 zeigen. In Europa fielen einige der meistbeachteten Wirtschaftsindikatoren, die im Juni veröffentlicht wurden, schwächer aus als erwartet, was auf eine dämpfende Wirkung von Zinserhöhungen auf die Wirtschaftstätigkeit hindeutet: Die Industrieproduktion in Deutschland stieg um +0,3% MoM (gegenüber einer Erwartung von +0,6%), die Auftragseingänge in der Industrie gingen um -0,5% MoM zurück (gegenüber +2,8%). Die globalen S&P Einkaufsmanagerindizes deuten darauf hin, dass das Wachstum in der Eurozone in diesem Monat fast zum Stillstand gekommen ist: Frankreich Composite PMI 47,3 (vs. Erwartung von 51,0), Deutschland Services PMI 54,1 (vs. 56,3), Eurozone Composite PMI 50,3 (vs. 52,5). Gleichzeitig fiel das IFO-Geschäftsklima von 91,7 auf 88,5, während der ZEW-Index für Konjunkturerwartungen mit -56,5 einen stärkeren Rückgang als erwartet (-40,2) zeigte.
Präsident Bidens Einigung über die Schuldenobergrenze in den USA Anfang Juni beseitigte die kurzfristige Unsicherheit an den Märkten. Der Fokus liegt jetzt wieder auf der makroökonomischen Situation, die von hohen Inflationsraten und einem angespannten Arbeitsmarkt geprägt bleibt: Außerhalb der Landwirtschaft wurden 339.000 neue Arbeitsplätze geschaffen (gegenüber einem erwarteten Zuwachs von nur 195.000). Infolgedessen stiegen die Renditen, da die Marktteilnehmer jetzt von längerfristig höheren Zinsen ausgehen. Auf der anderen Seite gewann der US-Immobilienmarkt trotz höherer Finanzierungskosten erheblich an Stärke. Die Zahl der Baubeginne, Baugenehmigungen und Hausverkäufe nahm stark zu. Hauspreise fielen weniger stark als erwartet. Diese positive Entwicklung stützt weiterhin die Nachfrage.
Wie in unserem Mai-Newsletter hervorgehoben, hebt sich Japan derzeit von anderen Regionen dadurch ab, dass es sich in einer wirtschaftlichen Expansionsphase ("Sommer") befindet. Im vergangenen Monat war weithin zu beobachten, dass immer mehr Anleger beginnen, sich wieder näher mit japanischen Aktien zu befassen, die seit April in die Höhe geschossen sind, nachdem das Interesse viele Jahre lang sehr viel gedämpfter war. Wie nachhaltig das Interesse ist, hängt von der Fortsetzung der lockeren Geldpolitik und einer aktionärsfreundlichen Haltung der japanischen Unternehmen ab. Die Börse in Tokio wandte sich mit einer bemerkenswerten Aufforderung direkt an unterbewertete Unternehmen mit der Bitte die Aktienkurse durch ein besseres Bilanzmanagement zu erhöhen. Ein entscheidender Schritt angesichts der überschüssigen Barmittel in vielen japanischen Unternehmen. Darüber hinaus könnten die Steueranreize des Jahres 2024 japanische Anleger dazu veranlassen, Ersparnisse aus Barmitteln in diese unterbewerteten Anlagen zu übertragen.
Monetäre Situation:
In den Vereinigten Staaten bleibt die Inflation aufgrund der anhaltend robusten jüngsten Beschäftigungszuwächse und der niedrigen Arbeitslosigkeit auf einem hohen Niveau. Die Federal Reserve beschloss, ihren Zinserhöhungszyklus vorübergehend zu unterbrechen und das derzeitige Zielband für den Leitzins unverändert bei 5% bis 5,25% zu belassen. Verbunden mit dem Ziel, die Auswertung zusätzlicher Informationen und deren Auswirkungen auf die Geldpolitik zu ermöglichen. Bei der Ausrichtung der künftigen Politik auf eine Rückkehr der Inflation auf 2% wird der Ausschuss auch weiterhin die kumulativen Auswirkungen der geldpolitischen Straffung berücksichtigen. Das Augenmerk liegt insbesondere auf der zeitlichen Verzögerung, mit der sich die Zinsanhebungen auf Wirtschaft, Preise und die Entwicklung im Finanzsektor auswirken.
Es wird weiterhin davon ausgegangen, dass sich die Fed auf die Inflation und nicht auf das Wirtschaftswachstum konzentriert. Allgemein wird erwartet, dass die Fed in der zweiten Jahreshälfte zwei weitere Zinserhöhungen à +0,25% vornehmen wird. Der PCE-Deflator, eine weithin anerkannte Messgröße für die US-Kerninflation, wies für Mai einen Anstieg von +4,6% gegenüber dem Vorjahr aus und lag damit leicht unter der Erwartung von +4,7%.
In der Eurozone ist Spanien der erste große Mitgliedstaat, in dem die Inflation nun wieder unter 2% liegt: Die Verbraucherpreise stiegen im vergangenen Monat nur um 1,6% (gegenüber +2,9% im Mai), was die schwächste Inflationsrate seit mehr als zwei Jahren darstellt. In der gesamten Eurozone ging die jährliche Inflationsrate ebenfalls zurück, und zwar von 6,1% im Mai auf 5,5% im Juni, da sich der Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise weiter abschwächte. Die Kerninflation für die Eurozone verlangsamte sich ebenfalls, bleibt aber mit 5,4% auf einem hohen Niveau. In den kommenden Monaten steht die Kerninflation im Fokus, da die Basiseffekte, die sich auf die Gesamtinflation auswirken, allmählich abklingen. Wie Lagarde bekräftigte ("Sofern sich die Aussichten nicht wesentlich ändern, werden wir die Zinssätze im Juli weiter anheben"), sind weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli und September nach wie vor das wahrscheinlichste Szenario. Im vierten Quartal könnten weitere Maßnahmen der Zentralbank erforderlich sein. ("Es ist unwahrscheinlich, dass die Zentralbank in naher Zukunft mit voller Zuversicht sagen kann, dass die Höchstsätze erreicht sind").
Die Bank of England hat den Leitzins stärker als erwartet angehoben (+0,5% statt +0,25%), so dass die Rendite für zweijährige Staatsanleihen auf ein 15-Jahres-Hoch gestiegen ist. Auch die Zentralbanken in Schweden, Norwegen, Australien und Kanada erhöhten die Zinsen.
MarktentwicklungenDie zuvor optimistische Marktstimmung in Bezug auf künftige Lockerungsmaßnahmen der Zentralbanken wurde zumindest teilweise korrigiert. Dies führte zu einer negativen Performance fast aller Anleihenfutures, wobei japanische Anleihen mit +0,5% am besten abschnitten. Kanadische Staatsanleihen (-0,8%), Gilts (-0,9%), Euro-Bund-Futures (-1,2%), US-Treasuries (-1,8%) und australische Anleihen (-3,2%) entwickelten sich negativ.
In der Performance auf der Aktienseite gab es analog zum Vormonat erhebliche regionale Unterschiede: Japanische Aktien beendeten einen weiteren sehr soliden Monat mit einem Zuwachs von +5,6%, während US-Aktien, angetrieben durch den Technologiesektor, um +6,6% zulegten. Europäische Aktien legten um +2,4% zu, angeführt vom Einzelhandel (+8,6%) und der Automobilindustrie (+8,1%), während der europäische Telekommunikationssektor um -3,6% fiel. Rohstoffe entwickelten sich im Juni uneinheitlich: Rohöl stieg um +3,8%, Kupfer um +3,2%, Gold um -2,2% und Aluminium um -7,7% (alle Angaben in USD). Der Euro legte im Juni gegenüber dem US-Dollar um +2% zu.
