
© Foto: fn Symbolbild
Nach einem spektakulären Börsenstart im Oktober und einem Höhenflug auf 107 Euro ist die Aktie des Marineschiffbauers regelrecht abgestürzt. Jetzt kämpft der Titel um die psychologisch wichtige 60-Euro-Marke. Doch was zunächst nach einem Debakel aussieht, könnte sich als versteckte Einstiegschance erweisen. Analysten streiten über die Bewertung, die Meinungen schwanken zwischen 74 und 100 Euro. Während die einen vor weiteren Verlusten warnen, sehen andere genau jetzt den richtigen Moment zum Kauf. Die technische Lage deutet darauf hin, dass die Aktie noch eine offene Kurslücke bei rund 60 Euro schließen könnte. Erst dann würde sich zeigen, ob ein stabiler Boden entsteht. Sollte dieser halten, winken möglicherweise Kursgewinne bis 80 Euro oder darüber hinaus. Doch der Weg dorthin bleibt steinig und nichts für schwache Nerven.
Vom Börsenliebling zum Problemfall
ThyssenKrupp Marine Systems startete am 20. Oktober mit großen Erwartungen an der Börse. Der Referenzpreis lag bei 60 Euro, doch schon am ersten Handelstag explodierte der Kurs regelrecht. Innerhalb kurzer Zeit schoss die Aktie auf 107 Euro nach oben. Geopolitische Spannungen und Hoffnungen auf milliardenschwere Marineaufträge befeuerten die Rally. Anleger überschlugen sich förmlich. Dann kam der brutale Absturz. Die Aktie verlor teilweise fast 50 % seit ihrem Allzeithoch und notiert aktuell wieder nahe dem Ausgangsniveau. Wer in der Euphorie eingestiegen ist, sitzt auf massiven Verlusten. Die Gründe für den Absturz sind vielfältig. Eine Analyse von Bernstein Research dämpfte die Stimmung erheblich. Die US-Experten sehen die Aktie mit "Underperform".
Charttechnik
Aus charttechnischer Sicht befindet sich die TKMS-Aktie in einer heiklen Phase. Der RSI-Indikator liegt bei 74 und signalisiert damit eine deutliche Überkauftheit. Das könnte auf eine baldige Gegenbewegung Richtung Süden hindeuten, wenn wichtige Unterstützungslinien nicht halten. Der Bruch dieser Marken könnte eine Lawine von Verkaufsorders auslösen. Jetzt richtet sich der Blick auf die Kurslücke bei etwa 60 Euro. Sollte die Aktie diese Lücke noch schließen wäre dies für den weitern Chartverlauf "gesund". Würde die Aktie bis auf 57 Euro fallen, wäre das zunächst ein weiterer Dämpfer. Doch genau hier könnte die Chance liegen. Bildet sich im Bereich zwischen 57 und 60 Euro ein stabiler Boden, würde das Szenario kippen. Ein solcher Boden würde Vertrauen zurückbringen und könnte den Startschuss für eine Erholung geben. Analysten von mwb research trauen der Aktie sogar 100 Euro zu. Die Deutsche Bank hob ihr Kursziel von 75 auf 80 Euro an und stufte die Aktie auf "Buy" hoch. Die fundamentale Lage habe sich verbessert, so die Begründung. Profitabilität und Cashflow würden positiver eingeschätzt.

Was tun?
Kurzfristig überwiegen zwar die Risiken. Die technische Lage ist angeschlagen, der Markt nervös und weitere Verluste bis 57 Euro möglich. Fällt die Aktie darunter sind deutlich tiefere Kurse möglich. Wer bereits investiert ist und auf hohem Niveau eingestiegen ist, sollte, sofern noch nicht geschehen, zumindest Stopps setzen. Die fundamentale Entwicklung des Unternehmens bleibt zwar interessant, doch die Bewertung ist anspruchsvoll. Langfristige Marineaufträge sind da, aber diese rechtfertigen aktuell nicht jeden Kurs. Die jüngsten Nachrichten zeigen zudem, dass die Börse auf geopolitische Entwicklungen extrem empfindlich reagiert. Das macht die Aktie schwer kalkulierbar. Für antizyklische Anleger könnte sich allerdings im Bereich zwischen 57 und 60 Euro eine Chance bieten. Wer jetzt einsteigt, spekuliert auf einen stabilen Boden und die mögliche MDAX-Aufnahme im Dezember. Diese könnte frisches Kapital von Indexfonds bringen. Doch ohne tragfähige Unterstützung bleibt das reine Spekulation. Die nächsten Unternehmenszahlen am 8. Dezember könnten Klarheit bringen. Die Aktie ist nur etwas für Anleger mit starken Nerven und langem Atem. Hochspannend!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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