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Die Nordex-Aktie hat seit Jahresanfang eine beeindruckende Rally hingelegt. Der Kurs liegt nur knapp 1 Euro unter dem 52-Wochen-Hoch bei 33,10 Euro. Der Windkraftanlagenbauer hat zuletzt mehrere Großaufträge aus Spanien, Kanada und Frankreich mit insgesamt mehr als 1,1 Gigawatt gemeldet. Der Kurs hingegen wirkt zunehmend überhitzt. Mit einem Plus von rund 200 Prozent in zwölf Monaten und über 20 Prozent allein in den letzten Wochen scheint die Aktie ihre Bewertungsgrenzen erreicht zu haben. Analysten mögen zwar ihre Kursziele angehoben haben, doch die technischen Indikatoren senden Warnsignale. Die Volatilität liegt bei über 66 Prozent, was auf erhebliche Schwankungsrisiken hinweist. Zudem gab es operative Probleme wie eine Sperrung der Autobahn A44 wegen Sicherheitsbedenken bei einer Nordex-Anlage. Anleger sollten sich fragen, ob der aktuelle Kurs von 32,26 Euro noch gerechtfertigt ist oder ob ein herber Rückschlag in Richtung 25 Euro droht.
Auftragsflut verdeckt strukturelle Risiken
Nordex hat auch jetzt Anfang Januar kräftig zugelegt. Der Hamburger Konzern sicherte sich Aufträge über 245,8 Megawatt in Spanien. Dort werden 38 Windenergieanlagen in den Provinzen Teruel, Navarra, Burgos und León installiert. Ein wichtiger Neukunde ist Nadara, ein europäischer Onshore-Windstromerzeuger. Für das Projekt Castillo 1 in Leon orderte Nadara zwölf Turbinen mit einer Kapazität von 75 Megawatt. Die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2027 geplant. Dazu kommen 508 Megawatt aus Kanada und weitere 414 Megawatt aus Frankreich, Belgien und Portugal. In Summe hat Nordex binnen weniger Tage über 1,1 Gigawatt an Neuaufträgen eingefahren. Das Servicegeschäft soll durch langfristige Premium-Verträge gestärkt werden und die Margen stützen. Doch hinter der glänzenden Fassade lauern Probleme. Die operative Umsetzung dieser Projekte ist keineswegs garantiert. Ein Vorfall an der Autobahn A44 zeigt, dass technische Störungen im Turbinengeschäft jederzeit auftreten können. Solche Zwischenfälle belasten nicht nur das Image, sondern können auch zu kostspieligen Verzögerungen führen. Die hohe Volatilität der Aktie von 66 Prozent auf 30-Tage-Basis deutet darauf hin, dass der Markt erhebliche Unsicherheiten einpreist. Zudem bleibt fraglich, ob Nordex die gestiegenen Erwartungen erfüllen kann. Die Auftragsbücher sind zwar gut gefüllt, doch die Umwandlung in profitable Umsätze ist eine andere Geschichte. Die EBITDA-Margen müssen sich erst noch nachhaltig verbessern. Bis zur Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen Ende Februar oder Anfang März bleibt unklar, ob die operative Verbesserung tatsächlich in den Zahlen sichtbar wird.
Charttechnik
Der Kurs liegt bei 32,26 Euro. Das 52-Wochen-Hoch knapp darüber bei 33,10 Euro. Der 50-Tage-Durchschnitt wurde mit 27,59 Euro ist deutlich niedriger als der aktuelle Kurs. Ebenso der 200er SMA. Das spricht zunächst für Stärke. Doch der Relative-Stärke-Index notiert bei 81 Punkten. Das ist extrem hoch, zeigt aber auch, dass die Rally in kürze an Schwung verlieren könnte. Nach einem Anstieg von 200 Prozent in zwölf Monaten ist eine deutliche Korrektur überfällig. Die Zone um 30 Euro fungiert als erste Unterstützung, doch bei einem stärkeren Rücksetzer könnte die Aktie schnell in Richtung 25 Euro abrutschen. Die hohe Volatilität macht die Aktie anfällig für plötzliche Kurseinbrüche. Gewinnmitnahmen sind nach dem steilen Anstieg wahrscheinlich. Sollten die nächsten Unternehmenszahlen enttäuschen oder weitere operative Probleme auftauchen, droht ein herber Dämpfer. Die technische Überdehnung ist offensichtlich.

Was tun?
Anleger sollten bei Nordex vorsichtig agieren. Die Aktie hat seit Anfang 2025 wie wahnsinnig performt. Die Bewertung erscheint ambitioniert, zumal die operative Umsetzung der Großaufträge noch aussteht. Die hohe Volatilität und der hohe RSI deuten auf eine Überhitzung hin. Die fundamentale Situation ist zweischneidig. Zwar hat Nordex seine Auftragsbücher gefüllt, doch die Umwandlung in profitable Geschäfte bleibt abzuwarten. Die vorläufigen Geschäftszahlen für 2025 werden erst Ende Februar oder Anfang März erwartet. Bis dahin bleibt unklar, ob die EBITDA-Margen tatsächlich nachhaltig steigen. Der Vorfall an der Autobahn A44 zeigt zudem, dass technische Risiken jederzeit schlagend werden können. Aus charttechnischer Sicht ist die Aktie überreizt und eine Korrektur längst überfällig. Die Unterstützung bei 30 Euro könnte schnell durchbrochen werden. Ein Rücksetzer in Richtung 25 Euro ist durchaus möglich. Neueinsteiger sollten abwarten, bis sich die Lage beruhigt und die operative Umsetzung der Aufträge gesichert ist. Das aktuelle Kursniveau bietet zu wenig Sicherheitspuffer für die bestehenden Risiken.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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