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Die Puma-Aktie schoss zuletzt deutlich nach oben. Der Grund: Der chinesische Sportartikelriese Anta Sports hat der französischen Pinault-Familie wohl ein Kaufangebot für deren 29-Prozent-Anteil unterbreitet.
Doch die Freude könnte verfrüht sein. Die Preisvorstellungen liegen wohl meilenweit auseinander. Während die Aktie bei knapp unter 24 Euro notiert, sollen die Pinaults über ihre Holding Artemis mindestens 40 Euro pro Anteilsschein fordern. Das wäre ein Aufschlag von fast 70 Prozent. Die Familie braucht dringend Liquidität wegen hoher Schulden bei Artemis. Gleichzeitig will sie nicht "unter Wert" verkaufen. Anta bringt Erfahrung mit: Die Sanierung von Jack Wolfskin klappte, auch Amer Sports mit Marken wie Salomon läuft. Für Puma könnte das die Rettung bedeuten. Oder bleibt alles beim Alten?
Die Ausgangslage: Ein Deal mit Hindernissen
Anta Sports meint es offensichtlich ernst. Die Chinesen haben bereits vor einigen Wochen wohl ihr Angebot vorgelegt. Die Finanzierung könnte stehen. Das Geld wäre wohl da. Trotzdem hakt es gewaltig. Die Pinault-Familie steckt in einer schwierigen Lage. Ihre Holding Artemis leidet unter hoher Verschuldung. Frisches Kapital wird dringend gebraucht. Puma gilt längst nicht mehr als strategische Beteiligung. Der Verkaufsdruck ist real und wächst. Aber die Pinaults sind nicht verzweifelt genug, um jeden Preis zu akzeptieren. Sie könnten auf 40 Euro je Aktie pochen. Bei der aktuellen Notierung von 24 Euro liegt dazwischen eine Lücke von 16 Euro. Das ist keine Kleinigkeit. Das sind deutlich über 60 Prozent Differenz. Eine schnelle Einigung erscheint unwahrscheinlich. Beide Seiten müssten sich deutlich bewegen. Für Puma selbst kommt das Thema zu einem kritischen Zeitpunkt. Der Konzern aus Herzogenaurach steckt mitten in einer harten Umstrukturierung. Chef Arthur Hoeld hat 2025 zum Reset-Jahr erklärt. 900 Stellen sollen bis Ende 2026 wegfallen. Die Prognosen für das abgelaufene Jahr sind düster. Der Umsatz dürfte im niedrigen zweistelligen Prozentbereich gefallen sein. Operativ wird wohl ein Verlust stehen. Die Marke hat an Strahlkraft verloren. Zwischen den Giganten Nike und Adidas auf der einen und neuen Trendmarken wie Hoka oder On Running auf der anderen Seite wird die Luft dünner. Anta könnte hier tatsächlich helfen. Die Chinesen haben mit Jack Wolfskin bewiesen, dass sie angeschlagene westliche Marken wieder auf Kurs bringen können. Auch die Integration von Amer Sports funktioniert. Anta verfügt über starke Vertriebskanäle in Asien. Dort könnte Puma deutlich zulegen. Das Know-how ist da. Aber nur, wenn der Preis stimmt.
Zwei Szenarien: Mit und ohne Übernahme
Was passiert, wenn der Deal platzt? Dann steht Puma alleine da. Die Euphorie der letzten Tage würde schnell verfliegen. Die Aktie könnte zurück in Richtung 20 Euro oder darunter rutschen. Ohne frischen Wind von außen bleibt Puma auf die eigene Sanierung angewiesen. Die aber braucht Zeit. Hoeld hat das Jahr 2026 bereits als Übergangsjahr bezeichnet. Bis 2027 soll die Profitabilität zurückkehren. Das sind noch zwei Jahre ohne echte Perspektive. Anleger müssten viel Geduld mitbringen. Zudem würde das gescheiterte Übernahmeangebot zeigen, dass selbst interessierte Käufer nicht bereit sind, für Puma ordentlich zu zahlen. Das wäre ein schlechtes Signal für die Bewertung. Die operative Schwäche würde wieder in den Vordergrund rücken. Der Wettbewerbsdruck bleibt hoch. Nike und Adidas dominieren weiterhin. Anders sieht es aus, wenn Anta zugreift. Selbst wenn die Chinesen nicht die geforderten 40 Euro zahlen, wäre ein Angebot im Bereich von 30 bis 35 Euro denkbar. Das würde der Aktie noch einmal kräftigen Auftrieb geben. Für Anleger wäre das eine willkommene Gelegenheit, nach Jahren der Enttäuschung doch noch mit Gewinn auszusteigen. Viele haben bei Kursen über 40 Euro gekauft und lange durchgehalten. Eine Übernahmeprämie würde die Verluste zumindest eindämmen. Langfristig könnte Anta Puma tatsächlich helfen. Der chinesische Markt ist riesig. Die Vertriebskanäle sind da. Puma hätte Zugang zu neuen Kundengruppen. Die Produktentwicklung könnte profitieren. Anta bringt Erfahrung im Sport- und Lifestyle-Bereich mit. Die Marke Puma könnte wieder an Profil gewinnen. Das wäre für die Beschäftigten und die Marke selbst die bessere Lösung als ein jahrelanges Durchwursteln.

Charttechnik
Charttechnisch betrachtet hat die Aktie seit Ende November eine beeindruckende Erholung hingelegt. Damals fiel sie auf 15,30 Euro. Das war der tiefste Stand seit zehn Jahren. Seither ging es nach oben. Mittlerweile notiert der Titel deutlich über allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Der 50er SMA liegt bei 19,66 Euro und dient als Unterstützung. Allerdings zeigt der RSI mit 67 Punkten eine fast überkaufte Situation an. Das bedeutet, dass eine Korrektur jederzeit möglich ist. Der nächste wichtige Widerstand liegt bei 25 Euro. Hier hatte die Aktie in der Vergangenheit immer wieder Probleme. Ein Durchbruch würde weiteres Potenzial freisetzen. Scheitert der Ausbruch, droht der Rückfall auf 20 Euro oder dann auch darunter, falls die Unterstützungen nicht halten. Die hohe Volatilität zeigt aber auch, wie stark die Aktie von Nachrichten abhängig ist. Jede neue Meldung zur Übernahme kann den Kurs deutlich bewegen. Das macht die Lage schwer kalkulierbar. Für kurzfristige Trader ist das spannend. Für langfristige Anleger eher nervenaufreibend.
Was tun?
Die Puma-Aktie bleibt eine Wette auf die Übernahme. Ohne den Deal mit Anta droht der Rückfall. Mit dem Deal winkt ein Aufschlag. Die fundamentale Lage ist schwach. Die Zahlen für 2025 werden Ende Februar vorgelegt. Dann wird klar, wie tief der Einbruch wirklich ist. Die Prognosen sind düster. Umsatzrückgang im niedrigen zweistelligen Bereich und ein operativer Verlust stehen im Raum. Charttechnisch hat sich die Lage zuletzt verbessert. Die Aktie hat sich vom Tief erholt und notiert über wichtigen Durchschnitten. Aber die fast überkaufte Situation mahnt zur Vorsicht. Eine Konsolidierung wäre nicht überraschend. Fundamental spricht wenig für einen Einstieg. Die operative Schwäche bleibt. Der Turnaround braucht Zeit. Bis 2027 rechnet das Management nicht mit nachhaltiger Profitabilität. Die jüngsten Nachrichten sind gemischt. Die Übernahmefantasie ist da. Aber die Preislücke ist gewaltig. Ob Anta nachbessert oder die Pinaults ihre Forderungen senken, ist unklar. Beide Seiten müssten sich bewegen. Das kann dauern. Oder ganz scheitern. Wer auf die Übernahme setzt, kann spekulieren. Aber das Risiko ist hoch. Ein Stopp-Loss knapp unter 19,50 Euro macht Sinn. Dort liegt die wichtige letzte Unterstützung. Wird die unterschritten, ist die Übernahmefantasie wohl vom Tisch.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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