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Die Adidas-Aktie hat einen klassischen Fehlstart ins neue Jahr hingelegt. Nach einem ohnehin schon miserablen 2025 mit fast 30 Prozent Verlust knickten die Papiere des Sportartikelherstellers Anfang Januar erneut kräftig ein.
Auslöser war eine drastische Abstufung durch die Bank of America, die ihre Empfehlung gleich um zwei Stufen von "Buy" auf "Underperform" senkte. Da half auch wenig, dass die meisten anderen Analysten das völlig anders sehen. Dennoch stellt sich jetzt die Frage: Rutscht die Aktie noch einmal Richtung 140 Euro ab oder kann sie sich an der aktuellen Unterstützung fangen und wieder auf 180 bis 200 Euro steigen? Die Antwort liegt irgendwo zwischen Hoffnung und harter Realität.
Dramatischer Start ins neue Börsenjahr
Die ersten Handelstage im Januar 2026 verliefen für Adidas alles andere als erfreulich. Während der DAX neue Rekorde aufstellte, rutschte die Aktie des Herzogenauracher Konzerns ans untere Ende des Leitindex. Zeitweise verlor das Papier deutlich an Wert. Die Kurserholung der vergangenen Wochen hatte vor allem auf Hoffnungen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 basiert. Solche sportlichen Großereignisse gelten traditionell als wichtiges Schaufenster für die Branche. Die Anleger spekulierten darauf, dass Adidas davon profitieren würde. Doch genau diese Hoffnung wurde nun von der Bank of America zunichte gemacht. Analyst Thierry Cota stellte in seinem Sektorausblick die entscheidende Frage: Wo bleibt der erhoffte Aufschwung? Seine Antwort fiel ernüchternd aus. Er senkte das Kursziel drastisch von 213 auf nur noch 160 Euro. Laut Cota befindet sich die gesamte Sportartikelbranche in einer schwierigen Phase. Die Abwärtsbewegung, die bereits im zweiten Quartal 2023 begonnen habe, dürfte sich weiter fortsetzen. Der 20-jährige Boom im Freizeit- und Sportartikelsektor sei vorbei, so seine Einschätzung. Für das vierte Quartal rechnet Cota sogar mit einem Umsatzrückgang von zwei Prozent in der gesamten Branche. Bei Adidas speziell sieht er nur geringes Umsatzwachstum und eine wahrscheinliche Abschwächung nach der WM im Sommer. Die schwachen Branchentrends würden auch die Margenaussichten begrenzen. Diese Analyse traf die ohnehin schon angeschlagene Aktie hart.

Charttechnik
Aus charttechnischer Sicht befindet sich die Adidas-Aktie in einer heiklen Lage. Das November-Tief bei 150,40 Euro markiert eine wichtige Unterstützungszone. Sollte diese Marke nachhaltig unterschritten werden, droht ein weiterer Absturz. Einige Beobachter sehen dann sogar einen Rutsch Richtung 140 Euro als möglich an. Die Aktie nähert sich gefährlich ihrem Mehrjahres-Tief an. Der wechselhafte Negativtrend aus dem Vorjahr setzt sich damit fort. Die technische Situation spricht aktuell gegen einen schnellen Anstieg auf 180 oder gar 200 Euro. Allerdings gibt es auch positive Signale. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt weiterhin bei rund 200 Euro. Das würde ein Potenzial von über 30 Prozent bedeuten. Sollte die Unterstützung bei 150 Euro halten und positive Impulse hinzukommen, wäre eine Erholung durchaus denkbar. Die Bewertung mit einem KGV von etwa 15 für 2025 und knapp über 10 für 2027 ist historisch günstig. Für eine nachhaltige Trendwende bräuchte es allerdings starke Signale. Die operative Entwicklung müsste überzeugen und die Branchentrends sich aufhellen. Solange diese Faktoren fehlen, bleibt die charttechnische Lage fragil. Ein Ausbruch nach oben würde erst über der Marke von 180 Euro wahrscheinlicher werden.
Was tun?
Die Lage bei Adidas bleibt schwierig. Einerseits war das Geschäft im dritten Quartal stark. Mit 6,63 Milliarden Euro erzielte der Konzern den höchsten Quartalsumsatz seiner Geschichte. Das Betriebsergebnis für das Gesamtjahr wurde auf 2,0 Milliarden Euro angehoben. Diese Zahlen zeigen, dass das operative Geschäft funktioniert. Andererseits belasten strukturelle Probleme die Perspektiven. Das US-Geschäft schwächelt. Die gesamte Branche kämpft mit gesättigten Märkten und wechselnden Konsumgewohnheiten. Der Wettbewerb ist intensiv, die Kunden zunehmend preissensibel. Diese Faktoren werden sich nicht über Nacht ändern. Die Mehrheit der Analysten bleibt trotzdem optimistisch. Von 32 Experten raten 26 zum Kauf, nur drei zum Verkauf. Die Bank of America steht mit ihrer negativen Einschätzung relativ allein da. Bernstein Research und Warburg Research sehen Kursziele von 235 beziehungsweise 255 Euro. Diese Diskrepanz zeigt, wie unterschiedlich die Bewertung ausfällt. Die Aktie ist mit einem KGV von 15 günstig bewertet. Die Bilanz ist solide, der Konzern wächst weiter. Für antizyklische Anleger, die auf eine Turnaround-Story setzen, könnte sich ein Einstieg lohnen. Die charttechnische Situation bleibt aber angespannt. Ein Durchbruch der 150-Euro-Marke nach unten würde weiteres Abwärtspotenzial freisetzen. Schwierige Entscheidung derzeit! Investoren sollten gut abwägen und zwingend einen Stoppkurs setzen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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