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Das Jahr 2026 hätte für Adidas eigentlich ein Triumphzug werden sollen. Rekordumsatz, ein Gewinnsprung und eine steigende Dividende. Doch die Börse schaut nicht zurück, sie blickt nach vorn. Und was sie dort sieht, gefällt ihr nicht. Die Prognose für 2026 liegt unter den Erwartungen der Analysten, die US-Zölle fressen sich ins Ergebnis, und der Kurs hat ein neues Mehrjahrestief markiert. Jetzt steht die Aktie an einer entscheidenden Marke. Hält sie die Zone um 135 Euro? Oder rutscht sie weiter in die Tiefe? Was das für Anleger bedeutet und ob sich ein Einstieg lohnt, lesen Sie hier.
Glänzendes 2025, trüber Ausblick
Im abgelaufenen Geschäftsjahr lief es für Adidas richtig gut. Der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf fast 25 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg um 75 Prozent. Und auch die Dividende zieht kräftig an: 2,80 Euro je Aktie, ein Plus von 40 Prozent. CEO Björn Gulden, dessen Vertrag vorzeitig bis 2030 verlängert wurde, präsentierte Glanzzahlen. Retro-Modelle wie Samba und Spezial liefen toll, der Direktvertrieb wuchs, und selbst das schwierige China-Geschäft zeigte Zeichen der Erholung. Doch dann kam die Prognose für das laufende Jahr. Das Management rechnet mit einem Betriebsgewinn von rund 2,3 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt 2,72 Milliarden Euro erwartet. Die Differenz von rund 400 Millionen Euro ergibt sich fast vollständig aus zwei externen Belastungen: ungünstigen Wechselkursentwicklungen und US-Zöllen. Da Adidas den Großteil seiner Ware in Asien produziert, trifft die amerikanische Handelspolitik den Konzern besonders hart. CEO Gulden bestätigt, dass bereits dreistellige Millionenbeträge für Zölle ausgegeben wurden. Und ein Ende ist nicht in Sicht, denn nachdem ein US-Gericht bestimmte Abgaben für unzulässig erklärte, legte die US-Regierung prompt mit neuen Importtarifen nach. Das Herzogenauracher Management hält sich deshalb zurück und plant mögliche Rückerstattungen nicht ein. Vorsicht vor Optimismus. Erschwerend kommt hinzu, dass der globale Sneaker-Boom möglicherweise an Dynamik verliert.

Charttechnik
Die Zahlen haben den Kurs weiter auf Talfahrt geschickt. Nach der Ergebnisveröffentlichung sackte die Aktie auf ein neues Dreijahrestief. Zwar erholte sie sich im Tagesverlauf auf wieder über 140 Euro, doch das Chartbild bleibt angeschlagen. Der Kurs notiert mit einem relativ großen Abstand unterhalb der 200-Tage-Linie, die aktuell bei rund 175,61 Euro verläuft. Das ist ein klares Zeichen: Der übergeordnete Abwärtstrend ist intakt. Zuletzt lief ein Pullback an die zuvor unterschrittenen Unterstützungszonen, bevor wieder Druck auf die Aktie aufkam. Sollte die Aktie hier nicht zurückfinden und nachhaltig unter die Marke von 134, bzw. 135 Euro fallen, sieht es technisch deutlich ungemütlicher aus. Die nächste relevante Auffangzone liegt erst im Bereich von 120 Euro. Darunter wäre da noch die psychologisch bedeutende 100-Euro-Marke, in deren Nähe das Baisse-Tief von 2022 bei um die 94 Euro liegt. Auf der anderen Seite: Gelingt es der Aktie die Zone um 134 bis 135 Euro zu verteidigen, könnte eine technische Gegenbewegung in Richtung 160 bis 170 Euro folgen. Ein echter Trendwechsel wäre das aber erst, wenn der Kurs dauerhaft über dem 200er SMA wäre.
Was tun?
Adidas ist fundamental kein schlechtes Unternehmen. Die Marke ist stark, das Direktvertriebsgeschäft wächst, und die operative Basis nach dem Turnaround 2025 ist solide. Die Dividende steigt, und der CEO hat einen langfristigen Plan. Das alles spricht für Qualität. Aber die Aktie steht unter erheblichem Druck. Die Prognoseenttäuschung hat Vertrauen gekostet, die Charttechnik zeigt einen klaren Abwärtstrend, und die Unsicherheit rund um US-Zölle und einen möglichen Abschwung im Sneaker-Segment hängt wie ein Schatten über dem Titel. Solange der Kurs unter der 200-Tage-Linie notiert und die Zoll-Problematik ungelöst bleibt, wird es schwierig. Wer bereits investiert ist, sollte die Zone um 134 bzw. 135 Euro genau beobachten. Ein nachhaltiger Bruch dieser Marke wäre ein Warnsignal, das eine Anpassung der Position rechtfertigen kann. Adidas bleibt ein interessanter Wert mit Perspektive, aber der Zeitpunkt für einen Einstieg ist noch nicht zwingend jetzt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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