DJ MÄRKTE EUROPA/Risk-Off nach Trumps Zolldrohung - Bayer sehr fest
DOW JONES--An den europäischen Aktienmärkten geht es zum Start in die Woche deutlich nach unten. Vor allem die Aktien der exportorientierten Unternehmen kommen deutlicher unter Druck. "Und wieder sind es US-Zolldrohungen, die die Märkte erschüttern", sagt Vermögensverwalter Thomas Altmann von QC Partners. Hintergrund ist die Drohung von US-Präsident Trump, im Zuge der eskalierenden Spannungen um das zu Dänemark gehörende Grönland neue Handelszölle gegen acht europäische Länder zu verhängen. Der DAX fällt um 1,2 Prozent auf 24.981 Punkte, der Euro-Stoxx-50 büßt 1,5 Prozent auf 5.936 Punkte ein. Der Euro legt leicht zu und notiert bei 1,1630 Dollar, der Greenback kann damit nicht von der Risikoaversion der Anleger profitieren. Auch Anleihen können kaum als sicherer Hafen vom aktuellen Umfeld profitieren, Bundesanleihen treten mehrheitlich auf der Stelle. Gewinner ist einmal mehr der Goldpreis, der erstmals über der Marke von 4.000 Euro je Feinunze notiert. Auch in Dollar gerechnet glänzt das Edelmetall wie nie zuvor, die Unze kostet 4.665 Dollar.
Was ist neu? US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die USA würden ab Februar zusätzliche Importzölle von zehn Prozent auf Waren aus acht europäischen Staaten zu erheben. Ab Juni sollen diese auf 25 Prozent steigen, sofern keine Einigung über den von ihm geforderten Erwerb Grönlands erzielt wird. Zwar treffen die Zölle vor allem die US-Verbraucher über steigende Preise. "Gleichwohl beeinträchtigen diese Maßnahmen die europäische Wirtschaft erheblich", sagt Ulrich Stephan, Anlagestratege der Deutschen Bank. Höhere Preise reduzierten die Nachfrage in den USA nach europäischen Gütern, führten zu Absatz- und Marktanteilsverlusten und zwängen europäische Exporteure häufig zu Preiszugeständnissen, die ihre Gewinnmargen schmälerten.
Grönland-Zoll könnte deutsches BIP um 1% mindern
Eine konsequente Umsetzung der von US-Präsident Donald Trump angedrohten "Grönland"-Einfuhrzölle würde der deutschen Volkswirtschaft nach Aussage von Commerzbank-Volkswirt Vincent Stamer erheblichen Schaden zufügen. Stamer geht bei seiner Berechnung vom Worst Case aus, bei dem der aktuelle Zollsatz von 15 Prozent zunächst um die angedrohten 10 Prozentpunkte steigen würde und ab 1. Juni um 25 Punkte auf 40 Prozent. "So läge der Schaden für die deutsche Wirtschaft bei einem konsequent eingeführten Zoll von 40 Prozent bei bis zu 1 Prozent", schreibt er in einem Kommentar. Auf dem aktuellen Niveau liege der Schaden bei 0,3 Prozent. Stamer verweist darauf, dass diplomatische Lösungen ohne eine Eskalation des Handelsstreits weiterhin möglich seien. "Trump hat in der Vergangenheit häufig Maximalforderungen mit Zollandrohungen untermauert, um letztendlich Verhandlungspartnern einen 'Deal' und Zugeständnisse abzuringen", argumentiert er. Allerdings: "Sollte das Europäische Parlament wirklich den Handelsdeal aus dem vergangenen Jahr kippen oder die Europäische Kommission Gegenzölle einführen, würde Trump höchstwahrscheinlich den Streit noch weiter eskalieren."
Mit Spannung wird nun auf den Trump-Auftritt auf dem heute beginnenden Weltwirtschaftsgipfel in Davos geblickt. Gehofft wird auf eine gütliche Einigung, angesichts der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten ist eine Eskalation aber jederzeit möglich.
Risk-Off das Gebot der Stunde
Die Anleger sind schnell wieder in den Risk-Off-Modus gewechselt, auch da niemand weiß, wie es nach den von Europa geplanten Zöllen auf US-Waren mit einem Wert von 93 Milliarden Euro nun weitergeht. Mit Blick auf die zu erwartenden Zölle stellt der Sektor der Automobilwerte mit einem Minus von 2,3 Prozent den größten Verlierer. Schwach sind hier BMW (-3,5%) nach einer Herunterstufung von den Analysten von Berenberg auf Hold unterwegs. Aber auch Bauwerte, Technologiewerte wie auch die europäischen Banken werden von Investoren gemieden. Der jüngste Zollvorstoß von Präsident Trump droht das Umsatzwachstum und die Erträge im Luxussektor zu beeinträchtigen, meint Marktstratege Neil Wilson bei der Saxo Bank. LVMH, Burberry, Hermes und Richemont tendierten leichter, da sich die Produktion vieler Juweliere und Modehäuser nur schwer an andere Standorte verlagern lasse. Auch die US-Umsätze seien schwer zu ersetzen, da viele der Marken in den vergangenen Jahren aufgrund des Erfolgs in den USA gut abgeschnitten hätten. Im Plus halten sich dagegen die Rüstungswerte sowie der Telekom-Sektor.
Größter Gewinner ist in Deutschland die Bayer-Aktie, die um 7 Prozent nach oben schießt. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA vom Freitagabend, den Fall Durnell zu überprüfen, markiere einen Wendepunkt in der langwierigen Roundup-Rechtsstreitigkeit von Bayer und beseitige die größte verfahrenstechnische Unsicherheit in Bezug auf die Strategie der bundesstaatlichen Vorrechte des Unternehmens, heißt es von MWB. Obwohl der Einzelfall finanziell unbedeutend sei, habe die Überprüfung durch das Gericht das Potenzial, das "Endspiel der Rechtsstreitigkeiten" für die verbleibenden rund 65.000 Ansprüche wesentlich zu verändern.
=== INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD Euro-Stoxx-50 5.936,05 -1,5% -93,40 +4,1% Stoxx-50 5.067,20 -1,2% -60,62 +4,3% DAX 24.981,09 -1,2% -316,04 +3,3% MDAX 31.493,33 -1,3% -405,93 +4,2% TecDAX 3.678,01 -1,9% -73,09 +3,6% SDAX 17.957,98 -2,0% -371,37 +6,7% CAC 8.131,10 -1,5% -127,84 +1,3% SMI 13.269,67 -1,1% -143,92 +1,1% ATX 5.429,57 -0,7% -40,76 +2,7% DEVISEN zuletzt +/- % 0:00 Fr, 17:15 Uhr % YTD EUR/USD 1,1631 +0,4% 1,1586 1,1606 -1,4% EUR/JPY 183,71 +0,4% 182,92 183,32 -0,7% EUR/CHF 0,9283 -0,1% 0,9292 0,9310 -0,2% EUR/GBP 0,8673 -0,0% 0,8675 0,8669 -0,6% USD/JPY 157,95 +0,0% 157,88 157,95 +0,7% GBP/USD 1,3410 +0,4% 1,3355 1,3388 -0,8% USD/CNY 6,9942 -0,1% 7,0016 7,0019 -0,3% USD/CNH 6,9559 -0,2% 6,9671 6,9669 -0,1% AUS/USD 0,6704 +0,5% 0,6673 0,6683 +0,0% Bitcoin/USD 93.136,20 -2,4% 95.455,70 94.716,90 +7,7% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold 4.672,65 4.596,45 +1,7% 76,20 +6,4% Silber 93,57 90,15 +3,8% 3,42 +26,4% Platin 2.038,41 2.018,86 +1,0% 19,55 +15,2% Kupfer 5,86 5,83 +0,5% 0,03 +2,4% YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags (Angaben ohne Gewähr) ===
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January 19, 2026 07:38 ET (12:38 GMT)
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