
© Foto: Symbolbild von Nastya Dulhiier auf Unsplash
Die Evotec-Aktie gleicht derzeit einem Seiltanz ohne Netz. Während teilweise Institutionelle ihre Positionen vergrößern und auf eine Trendwende setzen, warnt die Charttechnik vor einem drohenden Absturz. Die psychologisch wichtige 6-Euro-Schwelle wackelt bedenklich. Noch einen Euro tiefer wäre aus charttechnischer Sicht eine Katastrophe. Was in den letzten Tagen/Wochen noch wie eine solide Erholung aussah, könnte sich nun als trügerische Hoffnung entpuppen. Der Hamburger Biotech-Konzern kämpft nicht nur mit operativen Herausforderungen, sondern auch mit massivem Vertrauensverlust am Kapitalmarkt. Die letzten Quartalszahlen schockierten selbst hartgesottene Anleger, die Prognosen wurden mehrfach gesenkt. Trotz frischer Liquidität bleibt die Nervosität groß. Für Trader wird die Situation zunehmend brisant.
Fundamentale Gemengelage: Zwischen Cash-Zufluss und Ertragssorgen
Evotec hat in den vergangenen Wochen durchaus positive Nachrichten geliefert. Der Verkauf des Standorts Toulouse an Sandoz spülte rund 300 Millionen US-Dollar in die Kasse. Noch bedeutsamer war die Beteiligung an Dark Blue Therapeutics. Amgen übernimmt das britische Unternehmen für 840 Millionen US-Dollar. Evotec kassiert damit über 170 Millionen US-Dollar. Das sind Zahlen, die normalerweise für ein Kursfeuerwerk sorgen. Doch genau das passiert nicht. Die Börse ignoriert diese Meldungen weitgehend. Der Grund liegt tiefer. Die Quartalszahlen vom November waren ein Desaster. In den ersten neun Monaten fuhr Evotec einen EBITDA-Verlust von 16 Millionen Euro ein. Die Jahresprognose von 30 bis 50 Millionen Euro positives EBITDA wirkt vor diesem Hintergrund fast grotesk. Viele Anleger glauben schlicht nicht mehr daran. Die Skepsis hat System. Evotec hat in der Vergangenheit mehrfach Prognosen gesenkt. Das Vertrauen ist beschädigt. Analysten von RBC Capital Markets bleiben zwar optimistisch und sehen einen fairen Wert von 10 Euro. Die Deutsche Bank ist deutlich zurückhaltender und taxiert die Aktie auf 6 Euro.

Charttechnik
Die charttechnische Lage spricht eine klare Sprache. Die schwache Wochenkerze von Anfang November wurde vollständig nach oben auskorrigiert. Das sah zunächst nach Stärke aus. Doch jetzt kippt das Bild. Der Kurs pendelt gefährlich nahe an der 6-Euro-Marke. Aktuell notiert die Aktie bei etwa 6,30 Euro, Tendenz fallend. Die entscheidende Frage lautet: Hält die 6-Euro-Schwelle? Hält die 5 Euro? Fällt der Kurs darunter, öffnet sich buchstäblich der Untergrund. Trader sprechen bereits davon, dass die Aktie bei einem Bruch der 5-Euro-Marke regelrecht verschlungen werden könnte. Die Volatilität ist enorm. Sowohl Short- als auch Long-Trader bewegen sich auf extrem dünnem Eis. Erst Kurse oberhalb von 7 Euro würden charttechnisch echte Entspannung bringen. Davon ist Evotec derzeit jedoch noch einiges entfernt. Einige Großinvestoren scheinen dennoch an eine Wende zu glauben. Bei Evotec verpufft dieser Effekt bislang völlig, Der RSI liegt mit einem Wert von 51 neutral. Lässt aber, wenn man es pessimistische sehen will noch Platz nach unten.
Was tun?
Die Evotec-Aktie ist nichts für schwache Nerven. Die fundamentale Lage bleibt angespannt trotz der jüngsten Cash-Zuflüsse. Die operativen Zahlen überzeugen nicht. Der EBITDA-Verlust in den ersten drei Quartalen zeigt die ganze Misere. Selbst wenn die Jahresprognose erreicht wurde, bleibt die Frage nach der Zukunft offen. Charttechnisch steht Evotec am Abgrund. Die 6-Euro-Marke ist aktuell die vorletzte Verteidigungslinie vor einem möglichen Absturz. Die letzte Bastion ist dann die 5 Euro-Marke. Erst oberhalb von 7 Euro würde sich die Lage entspannen. Der Verkauf von Toulouse und der Erlös aus der Dark Blue-Beteiligung sind einmalige Effekte. Sie verbessern die Liquidität, lösen aber nicht die strukturellen Probleme. Für Anleger lautet die klare Empfehlung: Höchste Vorsicht! Das Risiko-Rendite-Verhältnis ist aktuell extrem gespalten. Neue Investoren sollten besser die Finger von Evotec lassen, solange keine nachhaltige charttechnische Stabilisierung oberhalb von 7 Euro erfolgt. Lieber ein paar Euro liegen lassen, als böse überrascht zu werden. Die Aktie bleibt hochspekulativ und eignet sich allenfalls für erfahrene Zocker mit entsprechendem sehr hohem Risikobewusstsein.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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