NEW YORK (dpa-AFX) - Herber Kursdämpfer für die zuletzt verwöhnten Anleger von Intel: Der Chipkonzern wird auf seinem Sanierungskurs von Lieferengpässen gebremst und das sorgte am Freitag bei den seit einigen Wochen stark gelaufenen Aktien für einen Kursrutsch. Die Papiere sackten im frühen Handel um fast 16 Prozent auf 45,68 US-Dollar ab. Sie hatten seit Jahresanfang einen Kursanstieg von fast 50 Prozent hingelegt. Für 2026 beträgt der Zuwachs aktuell immer noch rund 24 Prozent.
Für JPMorgan-Analyst Harlan Sur war die Rally ohnehin zu viel des Guten. Er hob nun sein Kursziel zwar an, allerdings nur von 30 auf 35 Dollar. Seine Einstufung für die Aktien lautet weiter "Underweight". Die jüngsten Kennzahlen des Halbleiterkonzerns fand er besser als erwartet, den Ausblick aber enttäuschend.
Das Umsatzziel von 11,7 bis 12,7 Milliarden US-Dollar für das laufende Quartal enttäuschte die Wall Street. Intel-Finanzchef David Zinsner sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, es brauche Zeit, die Produktionskapazitäten bei der neuen Chipgeneration von Intel hochzufahren. In dieser Situation wolle das Unternehmen in den kommenden Monaten bevorzugt die starke Nachfrage nach Technik für Rechenzentren bedienen. Der Konzern habe den Bedarf in dem Bereich bei seinen Planungen unterschätzt.
Nach der jüngsten Kursrally müsse sich Intel nun beweisen, schrieb Experte Stacy Rasgon von Bernstein Research. Die starke Server-Nachfrage sei real, aber die Produktion komme nicht hinterher.
Analyst Jay Goldberg von Seaport Research verwies im US-Sender CNBC auch auf die Knappheit bei Speicherchips, wegen der weniger PCs mit Intel-Chips gebaut werden könnten. Grund für die Engpässe ist, dass der Bedarf an Speicher für KI-Rechenzentren die Produktionskapazitäten strapaziert.
Im vergangenen Quartal übertraf Intel noch die Erwartungen der Analysten trotz eines Umsatzrückgangs und roter Zahlen. Intel versucht unter dem seit knapp einem Jahr amtierenden Chef Lip-Bu Tan auch mittels Kostensenkungen aus der Krise zu kommen und gab dafür unter anderem die Pläne zum Bau eines Werks in Magdeburg auf. Im August bekam der US-Staat nach Druck von Präsident Donald Trump einen Anteil von rund zehn Prozent an Intel als Gegenleistung für zuvor unentgeltlich zugesagte Milliarden-Subventionen. Der Intel-Aktienkurs verdoppelte sich seitdem.
Intel dominierte einst den Halbleiter-Markt, kämpft aber seit Jahren mit Problemen. Vor allem im Geschäft mit Chips für Künstliche Intelligenz eroberte der Grafikkarten-Spezialist Nvidia eine Spitzenposition. Zudem steht Intel auch unter Druck im angestammten Geschäft mit PC-Prozessoren und Chips für Rechenzentren./so/stw/err/mis/ajx/he




