(neu: MWB-Analyst, Kurs ins Minus gedreht)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Das schwierige Konjunkturumfeld hat Wacker Chemie 2025 Rückgänge bei Umsatz und operativem Gewinn eingebrockt. Unter dem Strich steht wegen Abschreibungen sowie wegen Aufwendungen im Zusammenhang mit einem Sparprogramm ein Verlust im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. "2025 ist die chemische Industrie insbesondere in Deutschland und Europa massiv unter Druck geraten", sagte Vorstandschef Christian Hartel laut Mitteilung. Daher setzte der MDax-Konzern im Herbst den Rotstift an. An der Börse gerieten die Papiere unter Druck.
Am Ende will Wacker Chemie jährlich mehr als 300 Millionen Euro sparen; umgesetzt werden soll alles bis Ende 2027. Die Hälfte der Summe soll durch den Abbau von voraussichtlich weltweit mehr als 1.500 Stellen erreicht werden, wie die Unternehmensführung Ende November schon angekündigt hatte. Der größte Teil der Stellen soll dabei in Deutschland abgebaut werden. Weltweit beschäftigte der Konzern Ende des ersten Halbjahres 2025 gut 16.700 Menschen. Zunächst verursachen die Maßnahmen aber auch Aufwendungen: Das Unternehmen stellte nun laut Mitteilung vom Mittwoch rund 100 Millionen Euro für das laufende Sparprogramm zurück.
Im Zuge der Einsparungen will sich Hartel auch in den Chemiebereichen stärker auf die margenträchtigeren Spezialitäten fokussieren, im Polysilizum-Geschäft auf den Halbleitermarkt und in der Life-Science-Sparte Biosolutions auf innovative Biotech-Anwendungen. Mit Blick auf den Industriestandort Deutschland wiederholte Hartel zudem seine Forderung: "Wir brauchen vor allem international wettbewerbsfähige Energiepreise und einen konsequenten Bürokratieabbau."
Der Konzern bekommt unter anderem schon länger die Folgen einer trägen Bauwirtschaft zu spüren. Darunter leidet die Polymer-Sparte des Unternehmens, die Basis- und Zusatzmaterialien für Klebstoffe, Bodenbeläge, Farben und Beton herstellt. Und auch die Silikon-Sparte leidet, die vielfältige Hochleistungskunststoffe etwa für die Autoindustrie, Elektro- und Medizintechnik, aber auch die Bauwirtschaft und die Textilindustrie herstellt.
In beiden Geschäftsbereichen blieb die Auftragslage zum Jahresende 2025 hin schwach, wie Wacker in einer Präsentation darlegte. In dem schwachen Umfeld baute das Unternehmen derweil reichlich Lagerbestände in der Silikon-Sparte ab, was dem Finanzmittelfluss (Cashflow) zugute kam. Dadurch war der Netto-Cashflow im vergangenen Jahr mit minus 5 Millionen Euro annähernd ausgeglichen, nachdem 2024 noch ein Abfluss von 326 Millionen gestanden hatte.
Das Geschäft mit dem Halbleitergrundstoff Polysilizium zeigte abermals unterschiedliche Trends. Während die Nachfrage nach hochreinem Polysilizium zur Herstellung von Computer-Chips stark blieb, lasteten regulatorische Unsicherheiten in den USA weiter auf dem Geschäft mit Polysilizium für Solarpanelen. So hatte die US-Regierung Mitte 2025 eine Untersuchung eingeleitet, um die Folgen von Importen des Materials für die nationale Sicherheit zu prüfen. Das sorgt in der Branche für viel Unsicherheit. Bei Wacker Chemie leidet die Auslastung der Anlagen und damit auch der operative Gewinn.
Alles in allem brach das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 2025 bei einem Umsatzrückgang um 4 Prozent auf 5,49 Milliarden Euro um 42 Prozent auf 430 Millionen Euro ein. Analysten hatten im Durchschnitt in etwa so viel Umsatz erwartet, sich beim operativen Ergebnis aber mehr erhofft. Die 100 Millionen-Euro-Rückstellung für das Sparprogramm herausgerechnet, erreichte das operative Ergebnis aber fast die Analystenschätzung.
Unter dem Strich fiel allerdings wegen Wertberichtigungen etwa auf die Beteiligung am Halbleiterwafer-Hersteller Siltronic und den 2023 übernommenen Auftragsfertiger ADL Biopharma ein Verlust von 800 Millionen Euro an, teilte der Konzern mit. Im Vorjahr war noch ein Überschuss von 261 Millionen ausgewiesen worden.
Anleger an der Börse reagierten zunächst positiv, sie hofften auf Besserung und Wirkung des Sparprogramms. Nach einem deutlichen Kursanstieg bis auf 74,70 Euro drehten die Papiere aber ins Minus. Gegen Mittag waren sie mit Verlusten von gut drei Prozent auf 69,45 Euro unter den größten Verlierern im MDax. Der zaghafte Erholungstrend seit September hat aber weiter Bestand.
Wichtig wird nun vor allem der Ausblick für das neue Jahr. Den dürfte das Unternehmen im März im Zuge der Veröffentlichung der endgültigen Geschäftszahlen vorlegen.
Aus Sicht von Analyst Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan bleiben die Perspektiven für Wacker Chemie erst einmal schwierig. Struktureller und zyklischer Gegenwind belaste. So sieht es auch Abed Jarad MWB Research: Die Resultate hätten bestätigt, dass sich der Branchenabschwung verschärfe und länger als zuvor erwartet anhalten könnte, so der Experte. Ein klarer Wendepunkt sei nicht in Sicht./mis/err/jha/




