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Die D-Wave Quantum-Aktie sorgt wieder für Aufsehen. Mit einem spektakulären 20-Millionen-US-Dollar-Deal, neuen Verteidigungspartnerschaften und einem Firmensitz-Umzug nach Florida setzt das Quantencomputing-Unternehmen klare Zeichen.
Die Technologie zeigt messbare Erfolge, die Nachfrage wächst und Analysten sind sich einig: Hier steckt enormes Potenzial. Doch nach dem heftigen Hype der vergangenen Monate hat die Aktie deutlich korrigiert. Der Kurs bewegt sich weiterhin in einem intakten Aufwärtstrend, doch kurzfristig könnte noch etwas Luft nach unten sein. Zwischen technischen Rücksetzern und fundamentalen Fortschritten stellt sich für Anleger die Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Einstieg oder sollte man auf günstigere Kurse warten?
Prestige-Deals und Verteidigungserfolge treiben die Story
D-Wave Quantum hat in den letzten Tagen gleich mehrere Meldungen veröffentlicht, die aufhorchen lassen. Der wichtigste Deal: Die Florida Atlantic University kauft für 20 Millionen US-Dollar einen hochmodernen Advantage2-Quantencomputer. Das klingt nach nicht viel Geld, wird aber richtig interessant, wenn man weiß, dass D-Wave im gesamten Jahr 2024 unter 10 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht hat. Dieser eine Vertrag übertrifft also den Jahresumsatz um mehr als das Doppelte. Die Installation in Boca Raton ist für 2026 geplant und soll dort ein regionales Quantum-Ökosystem aufbauen. Florida will sich als neuer Hotspot für Quantencomputing positionieren, mit staatlicher Unterstützung, Fördergeldern und Jobprogrammen. D-Wave selbst verlegt seinen Hauptsitz von Kalifornien nach Boca Raton und bindet damit Entwicklung, Talente und politische Unterstützung direkt an einem Standort. Dazu kommt ein weiterer Enterprise-Vertrag über zehn Millionen US-Dollar mit einem Fortune-100-Unternehmen für einen zweijährigen Quantum-Computing-as-a-Service-Deal. Parallel dazu präsentierte D-Wave auf der Qubits 2026-Konferenz beeindruckende Ergebnisse aus einer Verteidigungskooperation mit Davidson Technologies und Anduril Industries. In einer Simulation zur Raketenabwehr zeigte der hybride Stride-Solver eine mindestens zehnfach kürzere Lösungszeit gegenüber rein klassischen Systemen. In einem Szenario mit 500 anfliegenden Raketen wurden 45 bis 60 zusätzliche Abfangtreffer erzielt, was die Abwehrquote um neun bis zwölf Prozent verbesserte. Das sind keine theoretischen Versprechen, sondern messbare Leistungsdaten, die den praktischen Nutzen der Technologie belegen. Die Nutzung des Advantage2-Systems ist im Jahresvergleich um 314 Prozent gestiegen, der Stride-Solver verzeichnete in sechs Monaten ein Plus von 114 Prozent. Das Unternehmen hat außerdem die Übernahme von Quantum Circuits Inc. für rund 550 Millionen US-Dollar abgeschlossen und will bis Ende 2026 erste fehlerkorrigierte Gate-Model-Systeme auf den Markt bringen. Damit baut D-Wave seine Position sowohl im Annealing- als auch im Gate-Model-Bereich aus.

Charttechnik
Die Aktie befindet sich in einem ungebrochenen Aufwärtstrend, der seit Anfang 2025 eine beeindruckende Jahresperformance gebracht hat. Doch der letzte Hype wurde bereits heftig auskorrigiert. Von einem Hoch bei 46,75 US-Dollar ging es zurück auf aktuell rund 24 US-Dollar. Das ist eine Korrektur von fast 50 Prozent vom Hoch. Technisch gesehen könnte die Aktie durchaus noch weiter nachgeben. Ein Rücksetzer in Richtung 20 US-Dollar oder knapp darunter ist nicht ausgeschlossen. Der RSI lässt noch etwas Spielraum nach unten zu, was bedeutet, dass die Aktie noch nicht überverkauft ist. Die Unterstützung bei 24 - 25 US-Dollar wurde bereits getestet, ein Bruch darunter könnte den Weg in Richtung 20 US-Dollar öffnen. Auf der Oberseite gilt die Marke von 27,50 US-Dollar als wichtiger Widerstand. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde das Ende der Korrektur bestätigen und den Aufwärtstrend wieder beschleunigen. Das Short-Interest liegt bei 12,47 Prozent des frei handelbaren Aktienbestands, was bei positiven Nachrichten schnelle Kurssprünge nach oben auslösen könnte, wenn Leerverkäufer ihre Positionen eindecken müssen. Kurzfristig bleibt das Chartbild angespannt, mittelfristig aber intakt.
Was tun?
Die fundamentale Entwicklung bei D-Wave Quantum ist beeindruckend. Die Deals mit der Florida Atlantic University und dem Fortune-100-Unternehmen bringen zusammen 30 Millionen US-Dollar und zeigen, dass die Technologie echte kommerzielle Nachfrage erzeugt. Die messbaren Erfolge in der Raketenabwehr untermauern den praktischen Nutzen der Systeme. Die Nutzungszahlen explodieren geradezu und die Übernahme von Quantum Circuits erweitert die technologische Basis erheblich. Die Mehrheit der Analysten sind sich einig: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 40 US-Dollar, Needham sieht sogar 48 US-Dollar als realistisch. Das entspricht einem Potenzial von 75 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Allerdings bleibt das Unternehmen verlustreich, die Marktkapitalisierung von fast neun Milliarden US-Dollar steht einem mickrigen Jahresumsatz gegenüber. Charttechnisch ist die Lage zweischneidig. Der Aufwärtstrend ist intakt, aber die Korrektur noch nicht abgeschlossen. Wer auf Nummer sicher gehen will, wartet auf Kurse um 20 US-Dollar oder darunter, bevor er einsteigt. Wer an die Story glaubt und bereit ist, Volatilität auszuhalten, kann erste Positionen aufbauen und bei weiteren Rücksetzern nachkaufen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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