DJ Siemens baut Kapazitäten in den USA für 1 Milliarde Dollar aus
Von Jennifer Hiller
DOW JONES--Siemens Energy will angesichts des stark steigenden Strombedarfs in den USA 1 Milliarde US-Dollar vor Ort in den Ausbau seiner Produktion von Netzausrüstung und in Anlagen zur Stromerzeugung investieren.
Wiederaufnehmen will der Energietechnikkonzern in einem bestehenden Werk in North Carolina die Produktion von Gasturbinen, mit denen Strom aus Erdgas erzeugt wird. Sie werden benötigt, um KI-Rechenzentren zuverlässig mit Strom zu versorgen, sind jedoch aufgrund des erstaunlichen und rasanten Anstiegs der Stromnachfrage Mangelware.
Siemens Energy gehört zusammen mit GE Vernova und Mitsubishi Heavy Industries zu den großen Gasturbinenherstellern, die vom Boom der Künstlichen Intelligenz profitieren. Die Bestellungen und Preise für die riesigen Maschinen sind in die Höhe geschnellt, aber Führungskräfte in diesem stark zyklischen Geschäft zeigen sich skeptisch, wie lange dieser Boom anhalten wird.
Die Pläne von Siemens Energy deuten darauf hin, dass der vorsichtige Optimismus anhält. Die Gesamtinvestition in Höhe von 1 Milliarde Dollar umfasst auch ein neues Werk für Hochspannungsschaltanlagen und ein Schulungszentrum in der Nähe von Jackson, im US-Bundesstaat Mississippi, wo Siemens Energy bereits eine Fabrik betreibt, sowie Erweiterungen bestehender Anlagen in Alabama, New York, Texas und Florida. Insgesamt werden mehr als 1.500 Arbeitsplätze geschaffen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.
"Es ist derzeit der heißeste Strommarkt der Welt", sagte Vorstandschef Christian Bruch mit Blick auf die USA in einem Interview. Etwa 60 Prozent der geplanten Investitionen sind für Netzausrüstung wie Transformatoren und Schaltanlagen vorgesehen, 40 Prozent für die Turbinenfertigung, wie Bruch sagte.
"Wenn man sich den US-Markt ansieht, reden alle über den Strombedarf von Rechenzentren, aber wir sollten nicht vergessen, dass insbesondere auf der Netzseite enorme Investitionen erforderlich sind, allein schon für die Stärkung des Netzes, das normale Versorgungsgeschäft und den Ersatz von Anlagen. Es besteht ein Bedarf an mehr lokaler Fertigung", so Bruch.
Das ist eine große Wende. Bis vor kurzem hatten die Hersteller in der gesamten Energiewirtschaft wenig Grund, ihre Produktion auszuweiten.
In den zwei Jahrzehnten bis 2020 stagnierte die Stromnachfrage weitgehend. Nun wird laut dem Beratungsunternehmen ICF zwischen 2023 und 2030 ein Anstieg um 25 Prozent erwartet, was vor allem auf Rechenzentren und das industrielle Wachstum zurückzuführen ist.
Das Energieministerium und das Lawrence Berkeley National Lab gehen davon aus, dass Rechenzentren bis 2028 bis zu 12 Prozent des Stroms im Land verbrauchen werden.
Engpässe in der gesamten Energiewirtschaft, sie reichen von Problemen in der Lieferkette über Schwierigkeiten bei der Genehmigung neuer Anlagen bis zu Verzögerungen beim Anschluss an das Stromnetz, bereiten derzeit jenen Unternehmen Kopfzerbrechen, die von der Begeisterung für generative KI profitieren wollen.
Die Transformatorenfabrik von Siemens Energy in North Carolina ist ein Paradebeispiel für die jüngere Entwicklung. Das Unternehmen hatte seine Gasturbinenproduktion in Charlotte aufgrund eines weltweiten Nachfragerückgangs bei großen fossilen Kraftwerken eingestellt. Stattdessen wartete und reparierte das Unternehmen Anlagen und baute und wartete weiterhin massive Dampfturbinen. Dann kam die KI mit ihrem enormen Strombedarf auf den Markt.
Vor etwa drei Jahren verkaufte Siemens Energy laut Bruch eine einzige Gasturbine in einem Jahr in den USA. Im vergangenen Jahr waren es dann 100 Turbinen unterschiedlicher Größe. Bruch ist auch zuversichtlich, was den Markt bis 2030 angeht. Darüber hinaus seien die Aussichten aber weniger klar. Der CEO bezeichnete die geplanten Investitionen als "sorgfältigen Einsatz von Kapital", der auch bei einem Nachfragerückgang sinnvoll sei.
Ebenfalls in Charlotte plant Siemens Energy, die Fertigung und Wartung von großen Leistungstransformatoren auszuweiten. In Winston-Salem wird das Unternehmen die Fertigung von Gasturbinenteilen ausweiten, und in Raleigh werden neue Arbeitsplätze in den Bereichen Technik, Vertrieb und Forschung geschaffen. Insgesamt werden im Bundesstaat etwa 500 neue Arbeitsplätze entstehen.
Das Unternehmen plant außerdem, etwa 120 Mitarbeiter in Alabama einzustellen, wo elektrische Komponenten für Generatoren hergestellt werden. Produktionsanlagen in den Bundesstaaten New York und Texas sollen modernisiert werden, wo Kompressionsanlagen für den Transport von Gas und Flüssigkeiten durch Pipelines hergestellt und gewartet werden.
In Tampa, Florida, wird der Konzern die Fertigung von Schaufeln und Flügeln für Gasturbinen ausweiten. Außerdem ist der Bau einer neuen US-Zentrale in Orlando vorgesehen und zusammen mit Nvidia ein KI-Labor für digitale Stromnetze.
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