
© Foto: thyssenkrupp Materials Services
Der Marineschiffbauer steht vor wegweisenden Großaufträgen aus Indien und Kanada. Die Aktie notiert nach einer beispiellosen Rally knapp unter dem Rekordhoch.
Jetzt wird es spannend: Entweder katapultieren die erwarteten Milliarden-Deals den Kurs Richtung 130 Euro, oder die Luft ist raus und es geht zurück auf 70 bis 80 Euro. Analysten sind gespalten, die Charttechnik sendet ebenfalls zwiespältige Signale. Gleichzeitig füllt sich das Auftragsbuch und auch die Projektpipeline nach dem Spin-off von Thyssenkrupp sieht vielversprechend aus. Bei fast 99 Euro steht die TKMS-Aktie am Scheideweg. Was kommt jetzt? Lesen Sie weiter, wir zeigen Ihnen Chance und Risiko auf.
Milliarden-Deals in Sichtweite
Die Zahlen sind gewaltig. Rund 8 Milliarden US-Dollar soll der Indien-Auftrag bringen, über 10 Milliarden Euro winken aus Kanada. Zusammen wäre das ein Auftragsvolumen von etwa 18 Milliarden Euro - und damit fast so viel wie der aktuelle Gesamtbestand. Bei den Indern geht es um sechs U-Boote der Klasse 214. TKMS hat sich technisch bereits gegen den spanischen Konkurrenten Navantia durchgesetzt. Der ausschlaggebende Punkt war der außenluftunabhängige Antrieb auf Brennstoffzellenbasis, den die Kieler schon einsatzbereit haben. Bundeskanzler Friedrich Merz hat das Projekt bei seinem Indien-Besuch Mitte Januar politisch flankiert. Vorstandschef Oliver Burkhard rechnet bis Ende März mit der finalen Entscheidung aus Neu-Delhi. In Kanada ist das Rennen noch offen. Dort konkurriert TKMS mit dem südkoreanischen Anbieter Hanwha Ocean um bis zu zwölf U-Boote. Die Deutschen setzen auf ein breites Paket, das weit über reine Militärtechnik hinausgeht. Investitionen in Seltene Erden, Bergbau und Künstliche Intelligenz sollen die Kanadier überzeugen. Eine Entscheidung wird im Jahresverlauf erwartet. Näher an der Heimat gibt es ebenfalls Bewegung. Ein Vorvertrag mit dem Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr öffnet die Tür für Fregatten. Allerdings ist das noch kein fester Auftrag, sondern erst ein vorbereitender Schritt. Konkreter sieht es bei den Norwegern aus. Die stocken ihre Bestellung von U-Booten um zwei Einheiten auf insgesamt sechs auf.

Charttechnik
Nach der Rally seit Jahresanfang mit einem deutlichen Plus von über 40 Prozent steht die Aktie bei knapp unter 100 Euro, nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch vom ersten Handelstag. Das Allzeit-Hoch wurde seitdem nicht mehr getestet. Stattdessen pendelt der Kurs seit Tagen in einer engen Spanne. Die Tageshochs fallen sukzessive, ein klassisches Warnzeichen. Der RSI hat oberhalb der Signallinie bei 70 vor ein paar Tagen ein Verkaufssignal generiert. Es türmen sich Widerstände bei 102,50 Euro, 103 Euro und eben bei 106 Euro auf. Die Unterseite sieht nicht weniger kritisch aus. Rutscht die Aktie unter 95,50 Euro oder 94,00 Euro, drohen kurzfristige Verkaufssignale. Darunter warten Auffanglinien bei 92 Euro, 88 Euro und am aufgerissenen Gap bei ca. 83,50 Euro. Der 50-Tage-Durchschnitt würde im Krisenfall eine wichtige Unterstützung um 80 Euro bieten. Die hohe Volatilität zeigt aber, dass das hier nichts für schwache Nerven ist. Entweder es geht weiter (steil) nach oben Richtung 130 Euro, wenn die Großaufträge kommen und die Widerstände fallen. Oder die Rally ist erschöpft und es geht zurück auf 70 bis 80 Euro. Dazwischen gibt es wenig Spielraum.
Was tun?
Die TKMS-Aktie ist eine Wette auf Milliarden-Aufträge, die noch nicht unterschrieben sind. Der Auftragsbestand von über 18 Milliarden Euro ist solide, die Kapazitätserweiterungen in Wismar und das Kaufangebot für German Naval Yards zeigen strategischen Weitblick nach dem Spin-off. Die operative Entwicklung zuletzt war stark, die Pipeline für neue Projekte füllt sich. Fundamental spricht also einiges für das Unternehmen. Charttechnisch aber mehren sich auch die Warnsignale. Die Konsolidierung könnte in eine Topbildung umschlagen, wenn nicht bald neue Impulse kommen. Analysten sind gespalten. Deutsche Bank sieht 99 Euro als faires Kursziel, Bernstein nur 67 Euro. Der Durchschnitt liegt bei 88,33 Euro und damit unter dem aktuellen Kurs. Anleger sollten die nächsten Wochen genau beobachten. Die Indien-Entscheidung bis Ende März ist wohl der entscheidende Katalysator. Kommt der Auftrag, könnte die Aktie ausbrechen. Bleibt er aus, dürfte es ungemütlich werden. Wer investiert ist, kann auf Durchbruch setzen, sollte aber Stopps nicht vergessen. Die erste Hauptversammlung am 27. Februar könnte weitere Hinweise auf die Geschäftsentwicklung liefern. Bis dahin bleibt TKMS hochspekulativ mit Chancen und Risiken in beide Richtungen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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