
© Foto: 2026 thyssenkrupp nucera / Martin Joppen
Der Elektrolyse-Spezialist Thyssenkrupp Nucera schlägt ein neues Kapitel auf. Mit einer strategischen Partnerschaft in Indien und Rückenwind durch frische Handelserleichterungen könnte der Wasserstoff-Titel vor einem Neustart stehen.
Die Aktie notiert aktuell bei 9,25 Euro und hat in den letzten Tagen etwas zugelegt. Doch reicht das schon für die Trendwende? Analysten sehen deutlich mehr Potenzial, wenn das Unternehmen seine starke Position im indischen Markt konsequent ausbaut. Der Schlüssel liegt in der Fähigkeit, aus Ankündigungen echte Großaufträge zu machen. Wer auf grünen Wasserstoff als Zukunftstechnologie setzt, sollte die kommenden Wochen genau beobachten. Denn bei Thyssenkrupp Nucera geht es jetzt um mehr als nur Hoffnung - es geht um handfeste Weichenstellungen.
Indien-Offensive mit System
Thyssenkrupp Nucera hat auf der Fachmesse India Energy Week in Goa eine Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit verkündet. Das Ziel ist klar umrissen: Der Markt für grünen Wasserstoff und Power-to-X in Indien soll gezielt gestärkt werden. Die Partnerschaft verbindet die internationale Entwicklungserfahrung der GIZ mit der technischen Expertise eines weltweit führenden Elektrolyseur-Anbieters. Gemeinsam wollen beide Partner Chancen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette identifizieren und den Markthochlauf vor Ort aktiv begleiten. Das Projekt ist eingebettet in das deutsche Förderprogramm H2Uppp, das Unternehmen beim Aufbau von Wasserstoffanwendungen im globalen Süden unterstützt. Die GIZ bringt dabei ihr Netzwerk, ihre Marktkenntnis und ihre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Industriepartnern ein. Thyssenkrupp Nucera wiederum kann seine bereits bestehende industrielle Präsenz in Indien nutzen, insbesondere im Chlor-Alkali-Sektor, um den wachsenden Wasserstoffmarkt besser zu erschließen. Die indische Regierung verfolgt mit ihrer National Green Hydrogen Mission ehrgeizige Ziele. Thyssenkrupp Nucera positioniert sich damit frühzeitig in einem Markt, der in den kommenden Jahren massiv wachsen dürfte.

Charttechnik
Die Aktie von Thyssenkrupp Nucera hat in den vergangenen Monaten einen schweren Weg hinter sich gebracht. Nach einem deutlichen Rücksetzer im Lauf des Jahres 2025 notiert der Titel aktuell im unteren Bereich seiner 52-Wochen-Spanne. Bei 9,25 Euro zeigt sich aber zuletzt wieder etwas Leben. Ein paar Gewinne in den letzten Tagen deuten darauf hin, dass sich möglicherweise eine Bodenbildung vollzieht. Entscheidend für einen nachhaltigen Rebound nach oben ist zunächst der Sprung über die Marke von 10 Euro. Diese Schwelle hat in der Vergangenheit mehrfach als psychologisch wichtige Schranke fungiert. Gelingt der Ausbruch darüber, könnte neues Momentum entstehen. Die wirklich wichtige Hürde liegt aber erst bei 12,50 Euro. Oberhalb dieser Marke dürfte der charttechnische Boost gestartet werden und der Weg in Richtung 15 bis vielleicht auch 20 Euro frei sein. Aktuell liegt die Aktie über ihrem 200-Tage-Durchschnitt, aber unter dem 50er SMA. Der RSI-Wert von 59 zeigt zudem, dass das Papier weit von einer Überkauftheit entfernt ist und somit noch Luft nach oben hat. Sollten in den kommenden Wochen konkrete Auftragsmeldungen aus Indien oder anderen Märkten kommen, könnte das die notwendigen Impulse liefern, um die charttechnischen Widerstände zu durchbrechen.
Was tun?
Die strategische Weichenstellung in Indien liefert das Fundament für zukünftiges Wachstum. Thyssenkrupp Nucera positioniert sich in einem Markt mit enormem Potenzial und nutzt dabei geschickt bestehende Strukturen vor Ort. Die Kooperation mit der GIZ und der Rückenwind durch das neue Freihandelsabkommen sind positive Signale. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, aus der Projektpipeline zeitnah feste Aufträge und laufende Umsätze zu generieren. Die jüngsten Unternehmenszahlen zeigen, dass der Weg zur nachhaltigen Profitabilität noch steinig und zäh ist. Projektverzögerungen und ein hartes Wettbewerbsumfeld belasten das operative Geschäft. Langfristig spricht aber viel dafür, dass grüner Wasserstoff zu einem zentralen Baustein der Dekarbonisierung werden könnte. Stahl, Chemie und Raffinerien werden ohne Wasserstoff kaum klimaneutral zu betreiben sein. Genau hier setzt das Geschäftsmodell von Thyssenkrupp Nucera an. Aus charttechnischer Sicht bietet sich für mutige Anleger eine gestaffelte Einstiegsstrategie an. Wer auf die strukturelle Zukunft des Wasserstoffmarktes setzt, kann auf dem aktuellen Niveau erste Positionen aufbauen. Konservativere Investoren könnten den Sprung über 10 Euro abwarten und bei Überschreiten der Marke von 12,50 Euro nachkaufen. Gelingt es Thyssenkrupp Nucera, die Marktanalysen in Indien zügig in konkrete Großprojekte zu übersetzen, könnte die Aktie durchstarten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.



