
© Foto: BASF 2026
Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat in den vergangenen Wochen eine starke Kursrally hingelegt. Die Aktie kletterte auf den höchsten Stand seit geraumer Zeit und ließ dabei viele Anleger aufhorchen. Doch was steckt hinter diesem kraftvollen Aufwärtsschwung?
Es sind deutlich bessere Cashflow-Zahlen als erwartet, positive Signale aus Brüssel zur Entlastung bei CO2-Kosten. Zusätzlich haben neue Kooperationen in Zukunftsmärkten dem Papier kräftig Auftrieb verliehen. Innerhalb weniger Tage schoss der Kurs um über acht Prozent nach oben und durchbrach dabei wichtige charttechnische Marken. Jetzt notiert die Aktie bei knapp unter 50 Euro, genauer gesagt bei 48,35 Euro - und damit deutlich über dem 12-Monatstief von unter 40 Euro. Doch mindestens ein technischer Indikator mahnt zur Vorsicht: Mit einem RSI von 72 ist die Aktie kurzfristig überkauft. Eine gesunde Konsolidierung auf hohem Niveau könnte daher anstehen, bevor die nächste Aufwärtsetappe in Richtung 55 Euro und später möglicherweise 60 bis 65 Euro folgt.
Operative Fortschritte und strategische Weichenstellungen
BASF arbeitet konsequent daran, den Konzern krisenfester zu machen und für die Zukunft aufzustellen. Das Management um CEO Markus Kamieth setzt dabei auf mehrere Hebel gleichzeitig. Da wäre zum einen der neue Verbundstandort in China, der kürzlich in Betrieb ging. Zwar wurden die Investitionen von ursprünglich geplanten zehn Milliarden auf 8,7 Milliarden Euro nach unten korrigiert, doch das Projekt läuft. Gleichzeitig treibt der Konzern Investitionen in Zukunftsfelder wie Batteriematerialien voran und trennt sich von Unternehmensteilen außerhalb des Kerngeschäfts. Ein aktuelles Beispiel für diese Strategie ist der Verkauf der 16,1-prozentigen Beteiligung an Stahl Parent an Henkel. Die Transaktion bringt frisches Geld in die Kasse und verschafft BASF mehr finanzielle Beweglichkeit. Parallel dazu erhöht der Chemiekonzern die Preise für Toluol Diisocyanat in Asien-Pazifik sowie im Nahen Osten um 300 US-Dollar pro Tonne. Damit reagiert das Unternehmen auf gestiegene Kosten bei Transport, Energie und regulatorischen Anforderungen. Solche Preisanpassungen sind wichtig, um die Margen zu stabilisieren. Besonders interessant ist die neue Kooperation mit dem israelischen Technologieunternehmen Xfloat im Bereich schwimmender Solaranlagen. BASF liefert einen speziellen Lichtstabilisator, der die Lebensdauer der Schwimmkörper auf über 30 Jahre verlängern soll. Die Plattformen richten sich aktiv nach dem Sonnenstand aus und erzielen dadurch deutlich höhere Stromerträge. Ein Projekt in Singapur zeigte bereits eine Ertragssteigerung von 28 Prozent.

Charttechnik
Die BASF-Aktie konnte zuletzt positiv überzeugen. Der Sprung auf knapp unter 50 Euro Anfang Februar markierte ein Sechsmonatshoch und durchbrach wichtige Widerstände. Die Aktie liegt mittlerweile mehr als 25 Prozent über dem 52-Wochen-Tief (37,40 Euro). Ebenso notiert sie über dem 200-Tage-Durchschnitt sowie auch dem 50er SMA. Zuletzt hat sich ein "Golden Cross" gebildet, als der 50er den 200er von unten nach oben durchstoßen hat. Vieles spricht jetzt für einen intakten Aufwärtstrend. Doch die Rally hat ihren Preis. Der RSI ist auf 72 gestiegen und signalisiert damit eine kurzfristige Überhitzung. Erfahrungsgemäß folgt nach solch dynamischen Bewegungen oft eine Konsolidierung. Das muss kein schlechtes Zeichen sein. Eine gesunde Verschnaufpause auf hohem Niveau würde die Basis für den nächsten Schub nach oben legen. Die nächsten charttechnischen Ziele liegen bei 55 Euro. Wird diese Marke nachhaltig überwunden, könnte die Aktie mittelfristig sogar in Richtung 60 bis 65 Euro laufen. Unterstützung findet das Papier derzeit im Bereich um 46 bis 47 Euro. Solange diese Zone hält, bleibt das Chartbild freundlich.
Was tun?
Die operative Entwicklung stimmt optimistisch. Der überraschend hohe Cashflow zeigt, dass die Sparmaßnahmen wirken. Die Kooperationen in Zukunftsmärkten wie schwimmende Solaranlagen und die Preiserhöhungen bei wichtigen Produkten stärken die Margen. Auch die politische Rückendeckung aus Brüssel mit der möglichen Verlängerung kostenloser CO2-Zertifikate hilft der Branche. Die Dividendenrendite von 4,6 Prozent ist attraktiv. Auf der anderen Seite mahnt die Charttechnik teilweise ein wenig zur Vorsicht. Ein RSI von 72 deutet auf eine kurzfristige Überhitzung hin. Eine Konsolidierung in den kommenden Wochen wäre daher nicht überraschend. Der 27. Februar wird wegweisend sein. Dann legt BASF die vollständigen Geschäftszahlen vor und gibt einen Ausblick auf 2026. Dieser Ausblick dürfte entscheiden, ob die Rally nachhaltig ist oder nur eine technische Gegenbewegung war. Wer noch nicht investiert ist, könnte eine mögliche Korrektur abwarten und im Bereich um 46 bis 47 Euro zugreifen. Mittelfristig spricht viel für steigende Kurse in Richtung 55 Euro und darüber hinaus. Die Geduld könnte sich auszahlen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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