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Immobilientitel führen am Dienstag den deutschen Aktienmarkt an. Bei DAX-Wert Vonovia könnte ein Plus von knapp 3 Prozent zur erhofften Trendwende führen.
Tech-Wert pfui, defensive Basiswerte plötzlich hui!
Seit einigen Wochen vollzieht sich an den weltweiten Aktienmärkten ein bemerkenswerter Favoritenwechsel. Nach drei Jahren Dauerrallye bei Technologie- und Wachstumswerten haben Anlegerinnen und Anleger ihr Interesse an defensiven Titeln wiederentdeckt.
Die überzeugen nicht nur mit attraktiven Bewertungen und überdurchschnittlich hohen Dividendenrenditen, sondern oft auch mit einer planbaren Umsatz- und Gewinnentwicklung. Diese Visibilität wird von Investoren wieder höher geschätzt als die Wachstumsversprechen von Technologiekonzernen, welche noch nie dagewesene Investitionssummen in Künstliche Intelligenz stecken - ohne dass klar ist, ob und wie sich diese jemals auszahlen werden.
Immobilienwerte gefragt, Vonovia marschiert voran
Wie zum Beweis der laufenden Sektorrotation geben am Dienstag am deutschen Aktienmarkt Immobilienwerte den Ton an. Während ein früherer Shortseller plötzlich zum Kauf der Aktie von Aroundtown rät, verteuert sich die Vonovia-Aktie um fast 4 Prozent und rangiert damit im DAX auf Platz 1 vor Bayer, das ebenfalls als defensiver Wert gefragt ist.
Für die Aktie von Vonovia haben die jüngsten Kursgewinne erhebliche charttechnische Konsequenzen. Der Abwärtstrend, welcher das Papier seit eineinhalb Jahren belastet, könnte ein Ende gefunden haben und ein Turnaround unmittelbar bevorstehen.

Trendwende nach jahrelangem Abwärtstrend endlich absehbar
Bereits seit September 2020 ist die Vonovia-Aktie in fester Hand der Bären. Übergeordnet liegt also ein Abwärtstrend vor. Zwar kam es zu einer rund eineinhalb Jahre anhaltenden Gegenbewegung, doch diese wurde seit dem Sommer 2024 wieder verkauft. Das hat zur im Chart gut zu erkennenden Verkaufswelle geführt.
Zwar gelangen der Aktie gelegentlich Ausbrüche über die 200-Tage-Linie beziehungsweise die Abwärtstrendlinie, doch diese waren nie von langer Dauer.
Neben dem mangelnden Interesse an defensiven Werten waren hierfür nicht zuletzt auch die anhaltend hohen Realzinsen, insbesondere am US-Anleihenmarkt, verantwortlich. Die konkurrieren nicht nur mit den Ausschüttungen von Dividendenaktien, sondern sorgen insbesondere bei Immobilienwerten auch für höhere Refinanzierungskosten.
Kursanstieg mit Signalwirkung
Nach einer Bodenbildung bei 24 Euro sowie im Relative-Stärke-Index (RSI) fassten die Käuferinnen und Käufer der Vonovia-Aktie vor einigen Tagen neuen Mut. Dadurch konnte mit dem Sprung über die 50-Tage-Linie ein erstes Kaufsignal generiert werden. Angetrieben von rasch steigenden technischen Indikatoren und einem Vorzeichenwechsel im MACD, der damit einen neuen Aufwärtstrend anzeigt, konnte auch der Widerstand bei 26 Euro geknackt werden. Das hat zum (tagesaktuell) erfolgreichen Anstieg über die 200-Tage-Linie geführt.
Damit könnten die Karten für die Aktie neu gemischt sein. Von früheren Ausbruchsversuchen unterscheidet sich der aktuelle durch klarere Aufwärtstrends in den technischen Indikatoren. Damit ist die Erfolgswahrscheinlichkeit ebenso höher als die Chance auf einen nachhaltigen Anstieg, der damit eine Trendwende von Vonovia einleiten dürfte. Erste Hürden warten bei 28 und 30 Euro, während 26 Euro sowie die bei rund 24,80 Euro verlaufende 50-Tage-Linie die neuen Unterstützungen darstellen.
Bewertung deutlich unter dem Branchendurchschnitt
Nicht nur aus fundamentaler, auch aus technischer Perspektive ist das Papier hochspannend. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt für 2026 bei 8,4 und damit deutlich unter dem historischen Mittel von 11,4. Das Kurs/EBT-Verhältnis (vergleichbar mit dem Kurs-FFO-Verhältnis von als REIT strukturierten Immobilienunternehmen) wird 2026 schätzungsweise bei etwa 11 liegen. Das liegt deutlich unter dem Branchendurchschnitt von 15,4 und deutet auf Nachholpotenzial hin.
Eine anhaltend gute Geschäftsentwicklung wird durch die hohe Belegungsquote, steigenden Mieten infolge der Wohnungsknappheit auf dem deutschen Heimatmarkt sowie langsameren Kostensteigerungen (Inflation) garantiert. Flankiert werden könnte das durch niedrigere Zinsen in der Euro-Zone und einer Verlagerung von Kapital weg von den USA, was für mehr Liquidität sorgen könnte.
Zum Kauf der Aktie raten aktuell 11 von insgesamt 16 Analystenteams, welche die Aktie beobachten. Im Mittel wird ein fairer Wert von 34,74 Euro genannt, was eine Upside von 27,3 Prozent und das Erreichen des höchsten Stands seit 4 Jahren impliziert.
Fazit: Die Weichen für attraktive Gewinne sind gestellt!
Das neue Interesse an Langweile (im besten Sinne) im Depot, der charttechnische Ausbruch, die moderate Unternehmenswertung sowie die überdurchschnittliche Dividendenrendite machen die Vonovia-Aktie jetzt zu einem klaren Kauf, der außerdem den Rückhalt der Analystinnen und Analysten genießt.
Angesichts dieser guten Ausgangslage für anhaltende Kursgewinne eignet sich die Aktie auch für eine Hebel-Spekulation. Anlegerinnen und Anleger, welche zugunsten überproportionaler Ertragschancen auf die Dividende verzichten möchten, können anstatt der Aktie auch auf den Discount-Call GU80ZK setzen.
Dieser bietet die Chance auf bis zu +137 Prozent, wenn Vonovia bis zum Laufzeitende im September auf oder über die Kappungsgrenze (Cap) von 30 Euro klettert. Hierfür sind nur noch rund 10 Prozent nötig. Für Kurse zwischen dem Basispreis von 25 Euro und dem Cap gibt es eine anteilige Auszahlung. Dieses lautet für einige beispielhafte Fälle wie folgt:

Doch Vorsicht: Sollte die Aktie zum Laufzeitende unter 25,00 Euro notieren, verfällt GU80ZK wertlos. Es besteht also Totalverlustgefahr! Daher sollte die Position vorzeitig verkauft und der Restwert gesichert werden, wenn Vonovia die konstruktiven Tendenzen der vergangenen Wochen wieder aufgibt und neben der Unterstützung bei 26 Euro auch nachhaltig (also min. auf Wochenschlusskursbasis) unter die 50-Tage-Linie gefallen ist.
Gastautor: Max Gross
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