
© Foto: Siemens 2026
Noch vor wenigen Tagen feierte die Siemens-Aktie ein neues Rekordhoch bei 275,75 Euro. Dann kam der Absturz. Schnell, heftig und für viele Anleger überraschend. Innerhalb weniger Handelstage verlor das Papier deutlich über 10 Prozent. Der Auslöser waren die wachsende Angst vor dem, was Künstliche Intelligenz mit dem Softwaregeschäft von Siemens anstellen könnte. Jetzt notiert die Aktie wieder bei rund 243 Euro. Die Frage ist einfach, aber die Antwort ist es nicht. War das nur ein Rücksetzer? Oder steht der langjährige Aufwärtstrend vor dem Bruch?
KI als Freund und Feind zugleich
Siemens galt lange als einer der größten Nutznießer des KI-Booms. Das erste Quartal hat das eindrucksvoll bestätigt: Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 19,1 Milliarden Euro, der Gewinn lag satte 21 Prozent über den Erwartungen. Obendrauf hob Siemens die Gewinnprognose an. Klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Doch gute Zahlen schützen nicht vor schlechter Stimmung. Investoren fragen sich, ob das Softwaregeschäft von Siemens langfristig unter Druck gerät. Konkret geht es um Software für sogenannte digitale Zwillinge. Also virtuelle Abbilder von Fabriken und Maschinen. Bisher kauften Unternehmen solche Lösungen bevorzugt aus einer Hand. Künstliche Intelligenz könnte dieses Modell aufbrechen, weil sie offene Systemarchitekturen begünstigt. Wenn das passiert, verlieren Anbieter wie Siemens einen Teil ihrer Preismacht. Ob die Angst gerechtfertigt ist, bleibt offen. Siemens investiert massiv in KI und ist in Partnerschaften mit Nvidia und Meta eingebunden. Dennoch: Die Unsicherheit bleibt - und Unsicherheit drückt Kurse. Die Börse, die Märkte, die Händler mögen eben keinen Unsicherheitsfaktor!

Charttechnik
Nach dem Rekordhoch verlor die Aktie zuerst die Unterstützung die bei 250 Euro verläuft, dann die des 50er SMAs, der bei ca. 247 Euro verläuft. Beide hielten nicht als Unterstützung. Die 200-Tage-Linie bei rund 232 Euro war die letzte Auffanglinie und dort wurde es interessant. Der Kurs prallte ab und stieg wieder auf rund 243 Euro an. Das klingt zunächst ermutigend. Doch der RSI liegt aktuell bei 48. Nach unten ist noch Luft. Gibt es nochmals einen "Runterlauf" und bricht die 200-Tage-Linie dann doch noch, wird es technisch ungemütlich. Im Bereich zwischen 230 und 215 Euro gibt es kaum Haltelinien. Darunter wäre erst die 200 Euro-Marke eine Unterstützung. Vielleicht auch nur kurz, denn beim letzten großen Einbruch fiel die Aktie sogar bis auf knapp 160 Euro. Das wäre vom aktuellen Niveau ein Verlust von über 30 Prozent.
Was tun?
Die Siemens-Aktie steckt in einem echten Dilemma, man könnte auch sagen in einer eher schlechten Ausgangssituation. Starke Quartalszahlen, eine angehobene Prognose und robuste Aussichten in Zukunftsbranchen sprechen zwar für den Titel. Analysten wie J.P. Morgan sehen das Kursziel sogar bei 325 Euro. Auf der anderen Seite bleibt das Thema KI-Konkurrenz ungelöst, und die nächsten Quartalszahlen kommen erst am 13. Mai 2026. Langfristig orientierte Anleger können die aktuelle Schwäche als mögliche Einstiegsgelegenheit sehen, aber Vorsicht ist angesagt. Solange die Aktie nicht stabil über die 50-Tage-Linie bei rund 247 Euro steigt, bleibt das Risiko weiterer Rückgänge real. Wer bereits investiert ist, sollte zumindest über einen Stopp-Loss nachdenken, denn geht es erst einmal unter 240 Euro, so könnte ein Sturm über der Aktie losbrechen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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