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Die Bayer-Aktie hat in kurzer Zeit eine beeindruckende Aufholjagd hingelegt. Vom Tief bei unter 20 Euro schoss der Kurs auf knapp 50 Euro - mehr als eine Verdopplung. Klingt gut, aber genau hier liegt das Problem. Wer jetzt noch einsteigt, kauft möglicherweise auf dem Hochpunkt. Die technischen Signale blinken rot, einige Analysten haben bereits die Reißleine gezogen, und die fundamentale Lage ist alles andere als rosig. Milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten, ein negativer Free Cashflow für 2026 und steigende Verbindlichkeiten - das klingt nicht nach einem Selbstläufer. Lesen Sie, warum die Euphorie rund um den Glyphosat-Vergleich möglicherweise trügerisch ist.
Die Nachrichten klingen besser als sie vielleicht sind
Bayer hat sich in den USA mit einem milliardenschweren Sammelvergleich verpflichtet. Bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar sollen über 21 Jahre fließen - insgesamt könnten laut Bloomberg rund 10,5 Milliarden US-Dollar zusammenkommen. Das klingt nach einem Befreiungsschlag. Ist es aber nur bedingt. Die Rückstellungen steigen von 7,8 auf satte 11,8 Milliarden Euro. Allein 2026 rechnet Bayer mit Auszahlungen von rund 5 Milliarden Euro für Altlasten. Der Free Cashflow wird negativ sein. Dazu muss der Vergleich noch vom Gericht in St. Louis genehmigt werden. Scheitert die Zustimmung, ist der vermeintliche Befreiungsschlag keiner. Das wäre dann eine Art Super-GAU. Und ein ungünstiges Urteil vor dem US Supreme Court könnte alle Hoffnungen zunichtemachen.
Charttechnik
Der RSI signalisiert klar: Die Aktie ist überkauft. Solche Werte wie aktuell bei 87 markieren häufig das Ende einer Rally, nicht den Beginn weiterer Gewinne. Dazu hat sich im oberen Kursbereich ein Doji gebildet - ein klassisches Umkehrsignal, das zur Vorsicht mahnt. Korrekturen auf 40 oder sogar 35 Euro wären technisch völlig normal und würden den übergeordneten Aufwärtstrend nicht gefährden. Wer jetzt kauft, trägt das volle Rückschlagrisiko ohne nennenswerte Sicherheitsmarge. Auch die beiden wichtigen SMAs (50er und 200er) liegen deutlich unter dem aktuellen Kurs. Grundsätzlich gut, aber die Entfernung ist mittlerweile zu abgehoben und damit ist das Gesamtgefüge eher keine gute Ausgangslage.

Was tun?
Die Bayer-Aktie könnte in einem kleinen, bzw. sogar größer werdenden Dilemma stecken. Einerseits gibt es echte Lichtblicke, so z. B. der Vergleich, der vermeintlich mehr Planbarkeit schafft, und Hoffnungsträger wie der Blutgerinnungshemmer Asundexian. Letzterer zeigt, dass im Pharmaportefeuille noch Potenzial schlummert. Barclays, J.P. Morgan und Goldman Sachs sehen die Aktie derzeit mit "Overweight" beziehungsweise "Buy". Andererseits mahnen die Zahlen zur Vorsicht. Negativer Free Cashflow, fast 12 Milliarden Euro Rückstellungen, eine verschobene Bilanzpressekonferenz. Das sind alles keine Kleinigkeiten. Die DZ Bank hat auf "Verkaufen" heruntergestuft und den fairen Wert auf 42 Euro gesenkt. Fitch hat den Ausblick auf negativ gedreht. Wer die Aktie im Depot hat, könnte tatsächlich jetzt zumindest ernsthaft über Gewinnmitnahmen nachdenken. Für Neueinsteiger gilt: Abwarten. Ein Einstieg zwischen 35 und 40 Euro wäre deutlich attraktiver und würde ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis bieten. Die Aktie ist nicht schlecht, aber im Moment einfach zu heiß gelaufen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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