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Es war mal das stolze Aushängeschild des deutschen Technologiesektors. SAP galt jahrelang als unantastbar. Doch inzwischen wird es ungemütlich für CEO Christian Klein. Der Aktienkurs ist seit dem Höchststand im Mai 2025 um mehr als ein Drittel eingebrochen. Hinter den Kulissen schwelt eine viel größere Frage: Braucht irgendjemand überhaupt noch SAP, wenn Künstliche Intelligenz die meisten Aufgaben inzwischen günstiger, schneller und flexibler erledigt? Die Antwort könnte schmerzhafter ausfallen, als es sich viele noch vorstellen mögen.
Ein Gigant unter Druck
SAP war lange Zeit so etwas wie eine sichere Bank. Großunternehmen auf der ganzen Welt haben ihre Geschäftsprozesse auf SAP-Systemen aufgebaut, oft über Jahrzehnte hinweg. Lieferketten, Buchhaltung, Personalwesen, Produktion. All das lief auf Software aus dem Badischen. Ein gewaltiges Sicherheitsnetz, so dachte man noch bis vor kurzem. Doch dieses Netz hat Risse bekommen. Anfang 2026 verpassen die Walldorfer beim Cloud-Wachstum die Erwartungen des Marktes. Die Aktie rauschte innerhalb weniger Monate von über 270 Euro, wo sie im Juni 2025 noch stand auf zeitweise unter 160 Euro zuletzt. Über 100 Euro Kursverlust je Aktie. Wer vor nicht einmal einem Jahr eingestiegen ist, schaut gerade in ein tiefes, rotes Loch. Eine höhere Dividende soll nun die Wogen glätten: 2,50 Euro je, nach 2,35 Euro im letzten Jahr. Das klingt nett, könnte aber nicht ausreichen. Die Aktie bleibt noch im roten Bereich, denn Anleger sind misstrauisch. Und das zu wohl zu Recht.
Die eigentliche Bedrohung heißt KI
Die großen KI-Modelle erledigen inzwischen immer mehr Aufgaben, für die Unternehmen bisher teure Softwarelizenzen gebraucht haben. Rechnungen verarbeiten, Prozesse steuern, Daten analysieren. Das alles können moderne KI-Systeme in Teilen selbst übernehmen, ohne jahrelange Implementierungsprojekte und horrende Wartungskosten. Die Frage, die sich Finanzverantwortliche zunehmend stellen, lautet nicht mehr: "Welches SAP-Modul kaufen wir als nächstes?" Sondern: "Wozu brauchen wir das überhaupt noch?" CEO Klein beteuert, SAP sei voll up to date und arbeite intensiv am Thema KI. Schöne Aussage, aber das reicht nicht als Antwort auf eine Disruption, die gerade in Echtzeit stattfindet. Andere Anbieter, oft kleiner und agiler, bauen Lösungen, die direkt auf KI setzen, ohne den historischen Ballast eines riesigen Konzerns. SAP wäre gut beraten, sich zu beeilen. Die bisherigen Anzeichen deuten nicht darauf hin, dass die Transformation schnell genug gelingt. Auch in den USA gerieten Softwareaktien unter Druck - auch wegen dem Thema KI.
Charttechnik
Vom 52-Wochen-Hoch bei knapp 274 Euro ist der Kurs auf zeitweise unter 160 Euro gefallen, ein Verlust von deutlich über 30 Prozent. Der 200er SMA liegt bei etwa 228 Euro und der Kurs notiert somit deutlich darunter. Das ist kein kurzfristiger Durchhänger, das ist ein klarer Abwärtstrend. Jedes Mal, wenn sich die Aktie etwas erholt, nutzen größere Anleger die höheren Kurse zum Ausstieg. Aber es sind wohl auch erste Käufer auf dem aktuellen Niveau unterwegs. Das erkennt man an den längeren Lunten der Candlesticks. Erste Unterstützung liegt aktuell zwischen 157 und 162 Euro. Hält dieser Bereich nicht, droht ein Rutsch auf 144 bis 150 Euro, darunter könnte es noch weiter bis in den Bereich 130 bis 132 Euro gehen. Ein Befreiungsschlag wäre erst bei einem stabilen Anstieg über 180 Euro zu erwarten. Bis dahin bleibt die Lage sehr angespannt.

Was tun?
Die Aktie hat in wenigen Monaten massiv an Wert verloren, die technische Lage ist aber immer noch belastet, das fundamentale Umfeld trübt sich ein. Analysten haben zwar noch teilweise hohe Kursziele zwischen 220 und 260 Euro auf dem Zettel, aber diese stammen größtenteils aus einer Zeit, bevor das Ausmaß der KI-Bedrohung wirklich greifbar wurde. SAP hat eine riesige Basis an Unternehmenskunden, die wohl so schnell nicht wechseln, aber die Quartalszahlen im April können ein erster Hinweis sein, ob sich das Bild verbessert. Wenn nicht, dann ist das Risiko weiterer Kursverluste bis 150 Euro oder tiefer absolut real. Die große Trendwende ist aktuell jedenfalls noch nicht in Sicht.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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