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Ein über hundert Jahre altes Imperium gerät auf einmal ins Wanken, weil eine digitale Intelligenz plötzlich eine Sprache spricht, die fast niemand mehr beherrscht. Bei IBM ist genau das passiert. Jahrelang war der Konzern der unangefochtene Hüter der "ewigen" Programmiersprache COBOL, auf der weltweit fast jeder Geldautomat und jede Flugbuchung basiert. Doch nun schickt sich die KI von Anthropic an, dieses mühsame Handwerk in Rekordzeit zu erledigen.
Der Schock an der Börse war gewaltig und hat die Aktie in die Tiefe gerissen. In diesem Bericht erfahren Sie, ob der amerikanische Tech-Riese wirklich am Ende ist oder ob die Panik der Anleger vielleicht sogar eine einmalige Chance für Mutige bietet. Lesen Sie jetzt, warum die Karten im Silicon Valley gerade völlig neu gemischt werden.
Was ist bitteschön COBOL?
Es klingt wie ein Märchen aus der Computer-Steinzeit, doch es ist bittere Realität für die moderne Finanzwelt. Unmengen an Codezeilen in der Sprache COBOL halten unsere globale Wirtschaft am Laufen. IBM hat damit über Jahrzehnte prächtig verdient. Wann immer eine Bank ihr System modernisieren wollte, rückten Heerscharen von IBM-Beratern an. Solche Projekte dauerten oft zehn Jahre und verschlangen Milliarden. Es war ein sicheres, hochprofitables Geschäft. Doch nun ist eine KI (Claude Code")auf der Bildfläche erschienen. Dieses neue Werkzeug von Anthropic behauptet, diese Mammutaufgaben nicht in Jahren, sondern in wenigen Monaten zu erledigen. Die KI versteht die alten Strukturen, dokumentiert sie und hilft beim Umzug in moderne Sprachen. Für IBM ist das ein direkter Angriff auf das Herzstück ihres Beratungsgeschäfts. Die Anleger reagierten prompt und schickten die Aktie auf Talfahrt. Es stellt sich nun die wichtige Frage, ob das Geschäftsmodell von "Big Blue" durch die künstliche Intelligenz ausgehöhlt wird.
Panikverkäufe vs. Realität
Trotz des Kurssturzes von über 13 Prozent an einem einzigen Tag gibt es eine andere Seite der Medaille. IBM ist bei weitem kein wehrloses Opfer. Der Konzern hat mit "Watsonx" längst eigene KI-Assistenten im Einsatz, die genau dasselbe tun. IBM-Chef Arvind Krishna betonte zuletzt sogar, wie gut diese Werkzeuge bei den Kunden ankommen. Zudem ist IBM heute viel breiter aufgestellt als früher. Das Geschäft mit der Cloud und moderner Software macht mittlerweile den Löwenanteil aus. Interessanterweise wuchs die Sparte der großen Mainframe-Rechner zuletzt so stark wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Das zeigt, dass die alten Systeme nicht von heute auf morgen verschwinden. Viele Experten glauben deshalb, dass die Börse hier schlicht überreagiert hat. Während die einen vom Ende einer Ära sprechen, sehen andere in IBM eher einen Partner für KI-Entwickler wie Anthropic als einen Gegner.

Charttechnik
Die Aktie von IBM befand sich in den vergangenen Wochen in einem tollen merhrmonatigen Aufwärtstrend. Jetzt folgte der freie Fall. Dabei wurde auch die wichtige Zone im Bereich von 240 - 250 USD Euro nach unten durchbrochen. Nach dem jüngsten Kursrutsch blicken nun alle Analysten gespannt auf die nächste Unterstützung im Bereich 200 USD. Diese ist auch eine psychologisch wichtige Marke. Eine erste kleine Gegenbewegung nach dem steilen Sturz, macht zwar Hoffnung, doch der Aufwärtstrend ist vorerst passe. Erst wenn sich der Kurs über der Marke von 250 USD wieder stabilisieren kann, dürfte den Bären der Garaus gemacht worden sein. Das ist aber aktuell nicht der Fall und der Boden ist wirklich noch nicht gefunden. Momentan gleicht der Griff in die Aktie noch dem sprichwörtlichen Griff in ein fallendes Messer, auch wenn die fundamentalen Werte vielleicht eine andere Sprache sprechen könnten. Aber was nützt das alles, wenn die Verkäufe panikartig sich fortsetzen.
Was tun?
Die aktuelle Lage bei IBM gleicht einem klassischen Tauziehen zwischen kurzfristiger Angst und langfristigem Wert. Aktuell überwiegt aber noch die pure Angst. Schaut man auf die nackten Zahlen, wirkt das Unternehmen stabil. Das KGV und die Dividende sind für einen Tech-Riesen solide, auch wenn das Wachstum im Kerngeschäft durch die neue Konkurrenz von Anthropic unter Druck geraten könnte. Die fundamentale Entwicklung zeigt, dass IBM den Wandel zur Software- und Cloud-Company weitgehend geht. Der jüngste "KI-Schock" könnte psychologischer Natur sein, aber man weiß es nicht. Für Anleger bedeutet das: Unsicherheit. Unsicherheit mag aber niemand an der Börse. Ein Verkauf in die Panik hinein ist aber auch meist ein schlechter Ratgeber, zumal IBM eigene Antworten auf die KI-Herausforderungen hat. Für einen Neueinstieg scheint es aber derzeit besser, eine Bodenbildung abzuwarten. Die Aktie ist derzeit eher etwas für Beobachter, die auf ein Ende der Verkaufswelle warten, um dann bei einem günstigeren Bewertungsniveau zuzugreifen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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