BERLIN (dpa-AFX) - Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 will im neuen Jahr seine Wachstumssträhne fortsetzen und den operativen Gewinn deutlich steigern. Unternehmenschef Christian Bertermann schielt beim Wachstum nun auf den Verkauf von bis zu einer Million Fahrzeuge, auch das lukrative Privatkundengeschäft (Autohero, wirkaufendeinauto.de) soll dazu spürbar beitragen. Die zuletzt schon schlecht gelaufene Aktie fiel aber erneut deutlich, weil sich die Berliner laut Experten beim Ausblick in puncto Gewinn zurückhaltender zeigten als gedacht.
Das im MDax notierte Papier verlor am Mittwochvormittag fast acht Prozent auf 17,90 Euro und markierte ein Tief seit April 2025. In den vergangenen Wochen war es schon deutlich nach unten gegangen, noch Ende Januar war die Aktie um die 30 Euro wert. Grund für den Kursrutsch waren laut Experten auch da schon Sorgen um mögliche Wachstumsambitionen, die ins Geld gehen könnten.
Dieses Jahr soll das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) auch dank des geplant weiter steigenden Absatzes auf 250 bis 275 Millionen Euro zulegen, wie das Unternehmen mitteilte. Die Berliner steigerten im vergangenen Jahr das operative Ergebnis um rund vier Fünftel auf 197,5 Millionen Euro und schnitten damit wie von Analysten erwartet ab. Für das neue Jahr lagen die Expertenschätzungen allerdings im Mittel bereits nah am oberen Ende der jetzt ausgegebenen Zielspanne.
Analyst Giles Thorne von der US-Investmentbank Jefferies wähnte den neuen Ausblick in puncto Absatz über den Markterwartungen, beim operativen Gewinn aber darunter. Dass der Konzern bei den Zielsetzungen Wachstum über Ertragskraft stelle, sei bereits vom Management in Aussicht gestellt worden. Allerdings lege die Entwicklung von Auto1 nahe, dass die aktuelle Prognose sich als vorsichtig erweisen könne.
Es sehe danach aus, dass das Ertragspotenzial des Wachstums wegen zusätzlicher Investitionen nicht voll durchschlage, schrieb Experte Marcus Diebel von JPMorgan. Auch er verwies darauf, dass das Management zu "notorisch vorsichtigen" Zielsetzungen neige. Das ins Auge genommene Absatzwachstum begrüße er allerdings.
"Wir haben zum ersten Mal in unserer Firmengeschichte die Umsatzmarke von 8 Milliarden Euro überschritten und im Retail-Segment mehr als 100.000 Fahrzeuge verkauft", sagte Chef und Mitgründer Bertermann der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Mit Retail ist die Privatkundensparte gemeint, in der Auto1 mehr Geld pro Auto verdient als im Geschäft mit Profihändlern. Dafür ist der Bereich mit gewerblichen Händlern jedoch immer noch deutlich größer als das Privatkundengeschäft.
2025 zog der Absatz von Autos insgesamt um gut ein Fünftel auf 842.271 Fahrzeuge an, dieses Jahr sollen es zwischen 940.000 und einer Million Fahrzeuge sein. Der Umsatz wuchs um rund 30 Prozent auf 8,17 Milliarden Euro. Je Auto steigerte der Konzern den Bruttogewinn um fast 12 Prozent auf 1.172 Euro. Dabei handelt es sich um den Rohgewinn aus Verkaufs- und Ankaufpreis. Allgemeine Kosten wie Werbung und Verwaltung sind dabei noch ausgeklammert.
Im stärker wachsenden Bereich mit Privatkunden verdiente Auto1 an jedem Fahrzeug brutto 2.605 Euro und damit rund ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor. Hier profitiert Auto1 davon, die Autos selbst aufzubereiten, bevor sie an den nächsten Kunden oder die nächste Kundin gehen. Mit den Profihändlern erzielt Auto1 dagegen nur einen Rohgewinn von 976 Euro je Fahrzeug./men/mne/mis



