
© Foto: Felix Mittermeier auf Unsplash
Die Welt der Technologie ist grausam und zur Zeit sehr, sehr schnelllebig. Das bekommt Oracle gerade am eigenen Leib zu spüren. Was vor kurzem noch als die große Revolution der Künstlichen Intelligenz gefeiert wurde, entwickelt sich für den Datenbank-Spezialisten momentan zu einem Desaster, das stark an den Nerven der Anleger zerrt.
Der Kurs der Aktie hat sich von seinen schwindelerregenden Höhen aus dem Jahr 2025 bei 345 US-Dollar bereits mehr als halbiert (aktuell 141 US-Dollar), und die Angst geht um, dass das Ende der Fahnenstange nach unten noch nicht erreicht ist. Gemeinsam mit dem deutschen Konkurrenten SAP schlittert Oracle durch ein Tal der Tränen. Werden die ambitionierten Träume von der KI-Infrastruktur gerade von der Realität eingeholt, oder bietet dieser massive Ausverkauf eine Chance, die man nur einmal vielleicht in einem Jahrzehnt bekommt?
Das Stargate-Dilemma
Das Herzstück von Oracles Zukunftsträumen war das gigantische Projekt Stargate. Zusammen mit OpenAI und SoftBank wollte man die Welt der Rechenzentren neu definieren. Doch die Realität sieht momentan eher nach einem Trümmerhaufen aus. Berichte über interne Machtkämpfe und massive Verzögerungen beim Bau der nötigen Infrastruktur belasten die Stimmung. Es scheint, als hätte man sich bei der Koordination der verschiedenen Standorte völlig verhoben. Inzwischen weicht man auf Einzelverträge aus, weil das große Joint Venture nicht so recht vom Fleck kommt. Das Problem dabei ist, dass Oracle nun viele Risiken allein tragen muss. Wenn die Kosten beim Bau explodieren oder der Zeitplan weiter rutscht, schlägt das direkt auf die eigene Bilanz durch. Das Vertrauen der Investoren ist angeschlagen, zumal nun auch noch Klagen wegen angeblich irreführender Aussagen zur KI-Strategie im Raum stehen.

Charttechnik
Seit dem Hoch bei über 345 US-Dollar im September 2025 befindet sich das Papier im freien Fall. Beide wichtige SMAs (50er und 200er) notieren deutlich über dem aktuellen Kurs. Auch wenn der Relative-Stärke-Index (RSI) mit 26 Punkten mittlerweile tief im überverkauften Bereich angekommen ist, gibt es noch keine Anzeichen für eine echte Bodenbildung. Viele Analysten schauen gebannt auf die Marke von 100 US-Dollar. Es ist gut möglich, dass die Aktie diese psychologisch wichtige Grenze noch "testen muss", bevor mutige Käufer wieder zugreifen. Die Panik im Sektor ist groß, und da Oracle sich für seine Expansion massiv verschuldet hat, reagiert der Kurs besonders empfindlich auf schlechte Nachrichten.
Was tun?
Die Lage bei Oracle erfordert eine kühle Abwägung. Auf der einen Seite stehen beeindruckende Zahlen aus dem letzten Quartal mit einem Gewinn je Aktie von 2,10 US-Dollar und einem Auftragsbestand von über 500 Milliarden US-Dollar. Das zeigt, dass das Grundgeschäft "eigentlich gesund" ist und die Nachfrage nach Cloud-Lösungen prinzipiell besteht. Auf der anderen Seite lastet die schwere Schuldenlast für den Bau der Rechenzentren und die Ungewissheit über das Stargate-Projekt wie auf dem Kurs. Fundamental ist die Aktie durch den Absturz zwar optisch günstiger geworden, doch das Risiko einer schnellen Veralterung der teuren KI-Hardware bleibt bestehen. Vielleicht fahren vorsichtig agierende Investoren besser, wenn man die kommenden Quartalszahlen am 9. März 2026 abwartet, um zu sehen, wie sehr die Projektverzögerungen den Cashflow tatsächlich belasten. Erst wenn der Abwärtstrend in der Charttechnik bricht, bietet sich ein Einstieg für langfristig orientierte Anleger an. Das kann eben auch durchaus erst beim Bruch der 100 US-Dollar-Marke sein.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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