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Neue Aufträge, ein Sparprogramm und frische Analystenkommentare. Die Evotec-Aktie sendet wieder Lebenszeichen. Doch wer die Geschichte dieses Hamburger Biotech-Unternehmens kennt, weiß, dass solche Momente schon öfter Hoffnungen geweckt haben. Leider haben sich diese Hoffnungen dann mit einer hohen Wahrscheinlichkeit regelmäßig in Luft aufgelöst. Delisting-Schock, Managementwechsel, ein schwerer Cyberangriff und buchhalterische Probleme haben das Vertrauen der Anleger tief erschüttert.
Jetzt will Evotec beweisen, dass diesmal alles anders wird. Aber reichen die bisherigen Schritte wirklich aus, um das Ruder herumzureißen? Oder wiederholt sich die Geschichte ein weiteres Mal? Kann man dem Braten diesmal trauen?
Zwischen Aufbruch und alten Mustern
Evotec ist ein Hamburger Unternehmen, das für große Pharma- und Biotechkonzerne weltweit Wirkstoffforschung übernimmt. Das Geschäftsmodell klingt gut, denn es gibt keine eigene Medikamentenvermarktung, sondern Forschungsplattformen, Meilensteinzahlungen und Lizenzbeteiligungen. Jahrelang war die Aktie deshalb ein Liebling deutscher Privatanleger. Dann kippte das Bild. Verzögerte Abschlüsse, steigende Kosten, ausbleibende Meilensteinzahlungen und schließlich der Rückzug vom regulierten Markt der Frankfurter Börse. Für viele Anleger war das ein Vertrauensbruch, der bis heute nachwirkt. Hinzu kam der Abgang des langjährigen Vorstandschefs Werner Lanthaler nach zu spät gemeldeten Insidertransaktionen sowie ein schwerer Cyberangriff, der das Unternehmen zusätzlich belastete. Seitdem arbeitet Evotec daran, das Bild zu korrigieren. Das Unternehmen hat ein Kostensenkungsprogramm aufgesetzt, Standorte konsolidiert und will sich künftig auf margenstärkere Projekte konzentrieren. Dazu kommen neue und verlängerte Kooperationen mit Pharmapartnern. Dies alle ist ein Signal, dass die Forschungsplattform technologisch noch relevant ist. Der Verkauf einer Anlage in Toulouse brachte 350 Millionen Euro in die Kasse, was die Liquiditätssituation spürbar verbessert hat. Analysten sind aber gespalten. Berenberg hat Anfang Februar eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 10 Euro ausgegeben und sieht Evotec genau am Schnittpunkt von steigendem Outsourcing-Bedarf der Pharmaindustrie und kosteneffizienter Forschung. RBC teilt diesen Optimismus und nennt ebenfalls 10 Euro als fairen Wert. Die Deutsche Bank hingegen bleibt mit einem Kursziel von 6 Euro deutlich vorsichtiger und hat damit die tatsächliche Kursentwicklung der vergangenen Monate bisher deutlich besser abgebildet als die optimistischeren Häuser.

Charttechnik
Seit Anfang 2025 hat die Evotec-Aktie mehrfach versucht, nach oben auszubrechen und ist jedes Mal gescheitert. Im Mai kletterte der Kurs bis auf 8,20 Euro, um anschließend den gesamten Anstieg wieder abzugeben. Im Oktober folgte ein neuer Versuch bis auf 7,20 Euro. Gleiches Ergebnis, diesmal fiel der Kurs sogar bis auf knapp 5 Euro zurück. Im Januar dieses Jahres startete der Kurs von rund 6,50 Euro und gab die Gewinne bald darauf erneut ab. Derzeit notiert die Aktie bei rund 5,80 Euro und befindet sich in einer weiteren leichten Erholungsbewegung. Ob diese trägt, ist die entscheidende Frage. Charttechnisch bleibt die 200er SMA die große Hürde an der der Wert zuletzt immer wieder gescheitert ist. Solange diese Marke nicht nachhaltig überwunden wird, fehlt dem Kurs das technische Fundament für eine echte Trendwende. Das Muster ist dabei auffällig konsistent. Jeder Anstieg wurde bisher vollständig korrigiert, keiner hat sich als tragfähig erwiesen. Gefährlich wird es, wenn die Aktie unter 4,80 Euro fällt, dann gibt es keine Unterstützungszonen mehr. Theoretisch wäre dann erst bei 0 oder knapp darüber der nächste Stopp von Seiten der Charttechnik zu ziehen.
Was tun?
Die Fakten: Evotec hat operative Schritte eingeleitet, die Kostensituation verbessert und die Liquidität gestärkt. Das ist gut. Gleichzeitig fehlen bisher belastbare Beweise, dass das Unternehmen seine Prognosen dauerhaft einhalten kann. Die Quartalsberichte der Vergangenheit haben Anleger zu oft enttäuscht, Prognosen wurden zu häufig verfehlt oder gesenkt. Der Jahresbericht Anfang April wird deshalb richtungsweisend sein. Bis dahin ist noch ein wenig Zeit. Fällt die Guidance für 2026 positiv aus, könnte das neue Dynamik bringen. Bleibt sie schwach, dürfte das altbekannte Muster aus Hoffnung und Enttäuschung weitergehen. Charttechnisch ist die Lage angespannt, fundamental bleibt die Bewertung ein klares Hoch-Risikoinvestment. Evotec ist kein Titel für sicherheitsorientierte Anleger. Wer einsteigen möchte, sollte die Positionsgröße begrenzen, den Newsflow genau beobachten und vor allem den April-Bericht analysieren. Erst wenn Evotec ein, zwei Quartale solider Zahlen liefert, dürfte sich das Bild wirklich aufhellen. Vorausgesetzt, das Management hält diesmal, was es verspricht.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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