
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Der Betreiber von Rechenzentren hat am Donnerstagabend seine Quartalszahlen veröffentlicht. Die wissen allerdings nicht zu überzeugen, im Gegenteil.
Neo-Cloud-Anbieter CoreWeave: Eine tickende Zeitbombe?
Im Wettstreit um Marktanteile bei der Bereitstellung von Rechenleistung für das Training und den Betrieb von KI-Modellen mischen nicht nur Hyperscaler wie Alphabet, Amazon und Microsoft, sondern auch sogenannte Neo-Cloud-Anbieter wie CoreWeave und Nebius mit.
Das Geschäft ist allerdings äußerst kapitalintensiv, da die hohe Nachfrage nach Ausrüstung für eine Preisexplosion gesorgt hat. Die Kosten für den Bau eines Rechenzentrums gehen inzwischen in die Milliarden, während gleichzeitig die Profitabilität unsicher ist.
Starkes Umsatzwachstum, aber noch höhere Verluste als befürchtet
Das hat in den vergangenen Wochen und Monaten zu einer spürbaren Abkühlung der im vergangenen Jahr noch heißen Aktien wie CoreWeave, Nebius und IREN gesorgt. Die am Donnerstagabend von CoreWeave vorgelegten Zahlen dürften unterdessen kaum geeignet sein, die Stimmung gegenüber den Betreibern von Rechenzentren wieder anzuheizen.
Gegenüber dem Vorjahresquartal legten die Erlöse von CoreWeave um 110,2 Prozent auf 1,57 Milliarden US-Dollar, womit die Erwartungen um 40 Millionen US-Dollar geschlagen werden konnten. Das zeigt zunächst, dass die Wachstumsstory grundsätzlich intakt ist.
Eine Enttäuschung gab es dagegen bei der Profitabilität. Die bereinigten Verluste pro Aktie fielen mit -0,89 US-Dollar noch deutlich höher aus als befürchtet. Analystinnen und Analysten hatten auf einen Fehlbetrag von "nur" 0,68 US-Dollar je Anteil getippt.
Insgesamt verzeichnete CoreWeave einen Nettoverlust in Höhe von 452 Millionen US-Dollar, hauptsächlich verursacht durch Zinskosten von 388 Millionen US-Dollar.

Noch höhere Ausgaben geplant: 17 Milliarden US-Dollar Schulden sind nicht genug!
Angesichts der fehlenden operativen Profitabilität (-89 Millionen US-Dollar) sorgt der Investitionsausblick für 2026 unter Anlegerinnen und Anlegern für Angst und Schrecken, denn vorgesehen sind Kapitalausgaben von 30 bis 35 Milliarden US-Dollar. Das dürfte den Schuldenberg und damit die Zinskosten weiter anwachsen lassen.
Die Erlöse dürften angesichts des hohen Backlogs von 66,8 Milliarden US-Dollar zwar kräftig wachsen und nach unternehmenseigener Schätzung auf 12 Milliarden US-Dollar ansteigen, GAAP-Profitabilität ist jedoch keine in Sicht, wenngleich Finanzchef CFO Nitin Agrawal in der Bilanzpressekonferenz ein bereinigtes EBITDA von 900 Millionen bis 1,1 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt hat. Bis zum Jahresende 2026 soll die verfügbare Rechenleistung auf 1,7 Gigawatt anwachsen.

Zweistellige Kursverluste, neue Verkaufssignale drohen
Anlegerinnen und Anleger reagierten sowohl in der US-Nachbörse am Donnerstagabend als auch im erweiterten Handel am Freitag skeptisch auf die von CoreWeave vorgelegten Zahlen. Die Aktie handelte mit zweistelligen Verlusten und steuerte auf eine Eröffnung im Bereich der 50-Tage-Linie zu.
Sollte diese per Wochenschlusskurs unterschritten werden, drohen weitere Verluste bis in den Unterstützungsbereich zwischen 65 und 75 US-Dollar. Außerdem wird die Widerstandszone bei 100 US-Dollar erneut bestätigt, was einen Ausbruch und damit ein mögliches Kaufsignal zukünftig schwieriger macht.
Auch der Trendstärkeindikator MACD, der zum Wochenende wieder unter die Nulllinie fallen dürfte und damit einen Abwärtstrend anzeigt, deutet darauf hin, dass die Aktie von technischer Seite her aktuell keine Einstiegsgelegenheit bietet.
Fazit: Diese Wette ist zum Scheitern verurteilt
Auch fundamental liegt kein Investment-Case vor. Das hohe Umsatzwachstum ist wertlos, wenn die Zinskosten schneller steigen als der operative Ertrag. CoreWeave befindet sich in einem finanziellen Wettlauf gegen die eigene Überschuldung, zumal es noch keine belastbaren Erfahrungswerte gibt, wie hoch die Wertminderungen auf die KI-Hardware in den kommenden Jahren ausfallen werden. Schon jetzt betragen die Verbindlichkeiten 16,44 Milliarden US-Dollar. Da hilft es wenig, dass Nvidia ein Ankerinvestor ist.
Da andere Neo-Cloud-Anbieter mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sollten Anlegerinnen und Anleger auch von diesen Abstand nehmen. Das gilt genauso für die überwiegend aus dem Private-Equity-Bereich stammenden Kreditgeber. Wer auf Erträge aus dem Betrieb von KI-Rechenzentren setzen will, sollte auf Unternehmen mit starken Cashflows und hohen Erträgen wie Alphabet und Microsoft setzen.
Gastautor: Max Gross
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