
© Foto: Scottsdale Mint auf Unsplash (Symbolbild)
Die Aktie eines Silberproduzenten, die innerhalb von zwölf Monaten um mehr als 400 Prozent zugelegt hat. Klingt das nach einem Traum? Bei First Majestic Silver ist das gerade Realität. Der kanadische Silberproduzent hat zuletzt ein neues Allzeithoch erreicht und es ist schwer in Worte zu fassen, was sich da gerade abspielt. Starke Quartalszahlen, eine verdoppelte Dividende, ein klarer Strategiewechsel und ein Silbermarkt, der von strukturellen Angebotsdefiziten getrieben wird. Das ist viel auf einmal. Doch gerade in solchen Phasen lohnt es sich, einen kühleren Kopf zu bewahren. Denn wer zu spät einsteigt oder zu lange wartet, kann schnell auf dem falschen Fuß erwischt werden. Was steckt wirklich hinter dem Höhenflieger aus Kanada?
Rekordjahr, Dividende verdoppelt, Strategie neu ausgerichtet
Das vierte Quartal 2025 hat First Majestic Silver mit einem Zahlenwerk abgeschlossen, das selbst optimistische Analysten überrascht hat. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,30 US-Dollar. Erwartet worden waren 0,18 bis 0,21 Dollar. Auch beim Umsatz gab es positive Aussagen. 463,9 Millionen US-Dollar standen unterm Strich da, während Analysten lediglich mit rund 404 Millionen gerechnet hatten. Im Jahresvergleich bedeutet das ein Umsatzwachstum von knapp 170 Prozent. Ermöglicht wurde dieser Erfolg vor allem durch die Integration der Mine Cerro Los Gatos, die 2025 erworben wurde und von Beginn an ihren Beitrag leistete. Insgesamt produzierte das Unternehmen im vergangenen Jahr 15,4 Millionen Unzen Silber, was ein historischer Bestwert ist. Für 2026 plant das Management etwas konservativer, mit einer Zielspanne von 13,0 bis 14,4 Millionen Unzen Silber sowie rund 116.000 bis 129.000 Unzen Gold. Das klingt nach wenig, ist aber ein bewusster Kurswechsel weg von reiner Mengenmaximierung, hin zu bessere Margen und nachhaltigerer Wirtschaftlichkeit. Hinzu kommt eine veränderte Dividendenpolitik. Künftig will First Majestic zwei Prozent des Nettoquartalsumsatzes ausschütten. Aktionäre sollen damit direkt von steigenden Silberpreisen profitieren. Daneben trennt sich das Unternehmen von weniger rentablen Assets wie der Mine Del Toro und baut gleichzeitig das eigene Münzgeschäft First Mint weiter aus, um die Wertschöpfungskette zu verlängern. Für 2026 ist zudem ein umfangreiches Bohrprogramm über 266.000 Meter geplant.

Charttechnik
Beim Blick auf den Chart fällt sofort auf. Der Kurs geht steil. Sehr steil. Vielleicht sogar zu steil. Die Aktie notiert weit über allen gängigen Durchschnittslinien. Der Abstand zum 200er SMA ist riesig. Über 100 Prozent. Das ist eine Hausnummer, die aber auch zeigt, wie weit sich der Kurs von seinem langfristigen Mittelwert entfernt hat. Das könnte man auch kritisch sehen und enormes Rückschlagspotenzial ableiten. Positiv gesehen oder betrachtet erkenn man einen starken Aufwärtstrend mit starkem Momentum nach oben, das bislang ungebrochen ist. Ende Januar gab es einen kurzen Schock. Der Silberpreis brach innerhalb weniger Tage von über 120 auf unter 70 US-Dollar je Feinunze ein. Die Aktie wurde mitgerissen. Doch die Erholung kam schnell. Bis Anfang März hatte der Kurs nicht nur die Verluste aufgeholt, sondern neue 52-Wochen-Hochs bei über 34 US-Dollar markiert. Der Aufwärtstrend ist damit vorerst bestätigt. Solange die Aktie oberhalb des 50er SMA notiert, der derzeit bei rund 21 Euro liegt, bleibt das technische Bild intakt. Doch das Momentum ist hoch, vielleicht zu hoch. Kursläufe dieser Intensität enden irgendwann in einer Gegenbewegung. Und die kann empfindlich ausfallen. Schon ein Rücksetzer von 15 bis 30 Prozent wäre technisch gesehen keine Überraschung und würde einem Kursverlust von 5 bis 10 US-Dollar entsprechen. Auf der anderen Seite ist ein weiterer Anstieg in Richtung 40 US-Dollar nicht unrealistisch, sofern der Silberpreis mitspielt und geopolitische Spannungen und Kriege wie zuletzt im Nahen Osten die Nachfrage nach sicheren Häfen befeuern.
Was tun?
Die Aktie von FM steht stellvertretend für alles, was an Silberminenaktien gleichzeitig reizvoll und riskant ist. Die Fundamentaldaten stimmen. Das Unternehmen hat ein Rekordjahr hinter sich, die Zahlen lagen deutlich über den Erwartungen, und der Strategiewechsel hin zu Profitabilität und direkter Gewinnbeteiligung für Aktionäre sendet ein positives Signal. Die Dividendenerhöhung unterstreicht, dass das Management an die eigene Cashflow-Stärke glaubt. Gleichzeitig ist der Kursanstieg enorm. Wer vor einem Jahr eingestiegen ist, sitzt auf satten Gewinnen. Wer jetzt neu einsteigen möchte, tut das auf einem Niveau, das charttechnisch überkauft wirken kann. Der nächste größere Rücksetzer kommt bestimmt, die Frage ist nur wann und wie tief. Geopolitische Unruhen können den Silberpreis und damit auch die Aktie kurzfristig weiter nach oben treiben. Doch ebenso können sich die Verhältnisse schnell ändern. Neueinsteiger könnten sich mit einer kleineren Position und klaren Stopp-Marken absichern. Die Aktie bleibt interessant, aber ein gewisses Maß an Vorsicht ist angebracht. Dieser Höhenflieger braucht Rückenwind, um weiter zu steigen, und der kann schnell nachlassen. Vielleicht auch erst eine Korrektur abwarten, um auf günstigerem Niveau einzusteigen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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