
© Foto: 2026 Deutsche Lufthansa AG
Ein Krieg im Nahen Osten, ein einbrechender Aktienkurs und trotzdem zeigt sich die Lufthansa-Aktie noch immer erstaunlich widerstandsfähig. Nach dem heftigen Kursrutsch infolge der Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran hat sich das Papier schneller wieder von den Tiefs erholt als viele erwartet hätten. Von knapp über 8 Euro zog der Kurs bereits wieder auf rund 8,50 Euro an, ein Zeichen, dass der Markt die Aktie bei diesen Niveaus für günstig hält.
Wer die Entwicklung in den vergangenen Wochen genau beobachtet hat, dem war ein Rücksetzer nicht ganz überraschend, denn drei Wochenkerzen in Folge hatten lange obere Dochte gezeigt, dass die Aktie im Bereich zwischen 9 und 9,50 Euro immer wieder auf Verkaufsinteresse gestoßen ist. Jetzt könnte genau das eine Chance sein. Lesen Sie weiter, warum!
Nahost-Krise trifft Lufthansa hart - aber nicht unüberwindbar
Der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat die Börsen weltweit erschüttert. Der Dax verlor am Montag zur Eröffnung und im weiteren Verlauf sogar unter 24.000 Punkte. Besonders hart traf es Reise- und Luftfahrtwerte. Die Lufthansa-Aktie brach in der Spitze um mehr als 10 Prozent ein. Die Airline ist vom Konflikt gleich mehrfach betroffen. Das wichtige Drehkreuz Dubai ist gesperrt, etliche Flüge fallen aus. Hinzu kommt der stark gestiegene Ölpreis, der das Flugbenzin deutlich verteuert. Verbindungen nach Tel Aviv, Beirut, Amman und Teheran sind bis zum 8. März gestrichen. Im Auftrag der Bundesregierung organisierte Lufthansa einen Evakuierungsflug von Maskat nach Frankfurt, ein Zeichen dafür, dass die Fluggesellschaft auch in schwierigen Lagen handlungsfähig bleibt und Verantwortung übernimmt. Trotz aller Belastungen zeigt sich, dass die Situation schwierig ist, aber grundsätzlich beherrschbar. Kunden reagieren notgedrungen flexibel und weichen auf andere Destinationen aus. Die Buchungen in die Karibik haben in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen. Lufthansa profitiert von einem breiten Streckennetz und kann diese Verschiebung zumindest ein wenig auffangen.

Charttechnik
Wer die Lufthansa-Aktie in den letzten Wochen im Chart verfolgt hat, hat etwas Interessantes beobachtet. Gleich dreimal in Folge bildeten die Wochenkerzen lange Dochte (in der Candlesticksprache war das Hoch um einiges höher als der Schlusskurs der Kerze) aus. Die Botschaft war damit klar: Über 9 Euro wollten viele Anleger zwar kaufen, aber stießen vermehrt auf starke Verkäuferorders. Die Zone zwischen 9 und 9,50 Euro hatte sich als echter Widerstand etabliert. Dann kam das Gap-down infolge der Nahost-Eskalation. Der Kurs rauschte Richtung 8 Euro. Doch was folgte, war bemerkenswert: Bereits auf diesem Niveau setzten Käufer ein, der Kurs erholte sich zügig auf rund 8,50 Euro. Technisch notiert die Aktie weiterhin über ihrer 200-Tage-Linie bei etwa 7,86 Euro, ein Aufwärtstrend, der an Dynamik verloren hat, aber intakt bleibt. Für Anleger bietet sich jetzt eventuell folgende Strategie an, sofern die Unsicherheit in den nächsten Tagen bleibt und eventuell sogar zunimmt. Erste Positionen können knapp über 8 Euro aufgebaut werden, Nachkauflimite lassen sich bei 7,50 und 7 Euro platzieren. Das Kursziel liegt bei 9,50 Euro. Ein Stopp-Loss bei 6,50 Euro sorgt in diesem Fall für eine vernünftige Absicherung. Die Positionsgrößen sollten in jedem Fall so gewählt werden (kleiner), dass die Nachkauflimite Berücksichtigung finden. Das Chance-Risiko-Verhältnis fällt dabei günstig aus.
Was tun?
Die Investmentbank Barclays hat ihr Kursziel für Lufthansa zuletzt von 7,80 auf 7,60 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Underweight" belassen. Das klingt zunächst abschreckend - doch dieser konservative Ausblick basiert auf der aktuellen Unsicherheit rund um Treibstoffpreise und Konfliktdauer. Sobald sich die Lage stabilisiert, dürften auch die Schätzungen wieder nach oben angepasst werden. Fundamental betrachtet bleibt Lufthansa ein solides Unternehmen. Die jüngsten Quartalszahlen zeigten einen Konzern, der nach den harten Pandemiejahren wieder auf Kurs ist. Die Marktkapitalisierung hat Lufthansa zuletzt sogar in die engere Auswahl für einen Aufstieg in den DAX 40 gebracht. Das ist ein Signal für die wachsende Stärke des Unternehmens. Alles zusammen ergibt sich ein Bild, das mehr Chancen als Risiken zeigen könnte, zumindest für Anleger mit einem Horizont von einigen Monaten. Der aktuelle Kursdruck ist krisenbedingt und damit vorübergehender Natur. Wer schrittweise einsteigt, die Schwankungen aushalten kann und einen klaren Stoppkurs setzt, dem könnte sich hier eine interessante Möglichkeit - mit Kursziel 9,50 Euro und Absicherung bei 6,50 Euro - bieten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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