FRANKFURT (dpa-AFX) - Das vorläufige Scheitern des Verkaufs der restlichen Anteile am Gemeinschaftsunternehmen Envalior hat bei den Aktionären von Lanxess am Freitag einmal mehr Sorgen in puncto Finanzierung des Spezialchemiekonzerns geweckt. Die Papiere sackten kurz nach dem Handelsstart um gut acht Prozent auf 15,02 Euro ab. Nach dem jüngsten Branchen-Kursrutsch im Zuge des Iran-Krieges bedeutet das nun das niedrigste Kursniveau seit 2009.
Der Joint-Venture-Partner Advent will die Anteile an Envalior vorerst nicht übernehmen und beruft sich dabei auf den vereinbarten Finanzierungsvorbehalt. Nun gelten für 2027 und 2028 vereinbarten Kaufrechte.
Laut Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan haben die Bilanzsorgen bei Lanxess damit Bestand. Sie seien schon länger das dominierende Thema der Aktienstory. Christian Bell von der UBS befürchtet, dass Lanxess bei Rating-Agenturen den "Investment Grade"-Status verlieren könnte. Gemeinhin wird dann von "Ramsch-Niveau" gesprochen. Damit könnten die Finanzierungskosten für das recht hoch verschuldete Unternehmen dann steigen.
Der Kölner Konzern sieht sich allerdings auch ohne die Einnahmen aus dem Anteilsverkauf langfristig solide finanziert, die Rückzahlung der im Oktober fälligen Anleihe sei bereits gesichert, hieß es am Donnerstagabend. Lanxess wollte dieses Jahr wie im vergangenen September angekündigt ursprünglich 1,2 Milliarden Euro durch den Verkauf einnehmen.
Udeshi schließt aus der Advent-Entscheidung, dass diese auch mit einem schwierigen Umfeld für zyklische Chemieunternehmen in Zusammenhang steht. Dieses spiegelt sich seiner Einschätzung nach auch in anderen Branchenwerten wie BASF oder Wacker Chemie noch nicht vollständig wider./tih/mis




