28.02.2026 -
Die Leser dieser Zeilen sind es gewohnt, hier von Zeit zu Zeit etwas über die langfristige Vorteilhaftigkeit der Aktienanlage zu lesen. Obwohl das Thema in der Politik seit Jahrzehnten nicht vorankommt und Deutschland einen großen Rückstand beim Vermögen seiner Bürger gegenüber seinen Nachbarländern aufgebaut hat, geben seit Jahren alle Bundesregierungen positive Absichten zur Aktienbesitzförderung zum Besten.
Auch die neue Bundesregierung unter dem mit vielen Reformversprechen angetretenen Bundeskanzler Merz macht dabei keine Ausnahme. Greifbares ist aber dabei bislang und höchst erwartungsgemäß nicht herausgekommen. Bei der Vorgängerregierung war es nicht anders. Dort hieß es zunächst, man wolle eine 'Aktienrente' auf den Weg bringen. Als aber der Gegenwind zu stark wurde und klassische sozialistische Narrative aufkamen (z. B. man dürfe nicht mit der Rente spekulieren), geriet der Zug auf ein Abstellgleis. Wiederbelebungsversuche unter der wohlklingenden Vokabel 'Generationenkapital' scheiterten ebenso wie die gesamte 'Ampel'-Regierung.
Die Gründe für die Unfähigkeit, die Bürger Deutschlands zu Miteigentümern am Produktivkapital durch Aktienbesitz zu machen, sind vielfältig. Dass der Staat dabei eine bemerkenswert negative Rolle spielt, lässt sich leicht an dessen Steuerpolitik ablesen. Für heute mag es ausreichen, wenn wir etwa die Besteuerung von Kursgewinnen und Ausschüttungen bei Aktien mit der Besteuerung von Kryptomünzen vergleichen. Während nämlich Aktienkurszuwächse mit 25 % Kapitalertragsteuer plus Reichensteuer (Solidaritätszuschlag) und ggf. Kirchensteuer belegt werden, sind Gewinne aus Kryptomünzen nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Angesichts der in Deutschland stark ausgeprägten Steuersparneigung wird faktisch ein substanzloses Spekulationsobjekt vom Staat bei der Besteuerung wesentlich besser gestellt als die Beteiligung an der Wirtschaft. Und Unternehmensgewinne werden, so sie denn ausgeschüttet werden, mit nahezu 50 % besteuert. Bedenkt man noch die Privilegien von Staatsanleihen gegenüber Aktien hinzu, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass Deutschland beim Thema Aktienbesitz und Vermögen ein weit unterdurchschnittliches Dasein fristet.
Im Ganzen zeigt sich auch hier, dass die Lenkungseingriffe des Staates zu enormer Vermögensfehlallokation führen. Aber nirgendwo ist das klarer zu sehen als bei der Subventionspolitik im Energiesektor. Ohne staatliche Förderung und Garantien müssten sich Solar- und Windkraftanlagen den Marktbedingungen von Angebot und Nachfrage und den damit einhergehenden Preisen stellen. Tatsächlich erfolgen Investitionen in Deutschland ganz überwiegend nur, wenn der Staat sie üppig fördert. Richtig interpretiert heißt das, dass diese Investitionen sich ohne den Staat finanziell überhaupt nicht lohnen. Das Resultat dieser Subventionspolitik kann der Bürger auf seiner Stromrechnung begutachten.
In den letzten Wochen ist klar geworden, dass ein 'Tariftreuegesetz' beschlossen wird und das 'Heizungsgesetz' entgegen den vorherigen Ankündigungen doch nicht abgeschafft, sondern lediglich modifiziert wird. Niemand sollte sich Illusionen machen, welche Folgen eine ausgeuferte Staatslenkung auf den Wohlstand hat. Ludwig Erhard hatte gemahnt: Der Staat kann den Bürgern nur geben, was er ihnen vorher weggenommen hat, abzüglich der riesigen Verwaltungskosten.
