METZINGEN (dpa-AFX) - Der Modekonzerns Hugo Boss streicht seine direkten Ausschüttungen an die Aktionäre auf das gesetzliche Minimum zusammen. Für das vergangene Jahr sollen die Anteilseigner je Aktie 4 Cent erhalten, wie das Unternehmen am Montag in Metzingen mitteilte. Für das Jahr zuvor hatten sie noch 1,40 Euro je Anteilsschein bekommen. Derweil will Hugo Boss bis Ende 2027 eigene Aktien im Wert von bis zu 200 Millionen Euro zurückkaufen. Durch die niedrigere Dividende und den Aktienrückkauf will der Konzern finanziell flexibler werden.
Details zum Rückkauf sollen kurz vor dem Beginn bekannt gegeben werden. Die Papiere will der Modekonzern dann einziehen. Die Boss-Aktie legte nach den Neuigkeiten zeitweise um fast drei Prozent zu, lag am Nachmittag zuletzt aber nur noch mit 0,1 Prozent im Plus.
Im Schnitt würde mit der Mindestdividende und dem Aktienrückkauf eine jährliche Aktionärsrendite erzielt, die in etwa dem für 2024 ausgeschütteten Niveau entspreche, schrieb das Unternehmen. Solche Berechnungen sind allerdings schwierig, da der genaue Einfluss eines Aktienrückkaufs auf den Kurs nur schwer zu kalkulieren ist.
Mit dem Zusammenstreichen der Dividende kommt das Management dem größten Anteilseigner Frasers Group entgegen. Zuletzt hatte Hugo Boss durch Unstimmigkeiten mit dem größten Anteilseigner die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. So unterstützt Frasers den Aufsichtsratschef Stephan Sturm wohl nicht mehr, wie Anfang Dezember bekannt geworden war.
Unstimmigkeiten zwischen dem Management von Hugo Boss und dem Großaktionär gab es hinsichtlich der Dividendenpolitik. Frasers Group sieht Hugo Boss an der Börse als unterbewertet an, wie aus einer Pflichtmitteilung vom Juli hervorgeht. Der Investor ist der Ansicht, dass Hugo Boss derzeit keine Dividenden ausschütten sollte. Die Mittel sollten vielmehr zur Steigerung des Unternehmenswerts eingesetzt werden.
Frasers Group ist mit einer direkten Beteiligung von 25 Prozent mit Abstand größter Aktionär des Konzerns. Wie seit dem Sommer bekannt ist, kommt der Konzern inklusive Finanzinstrumenten aber auf mehr als 30 Prozent. Würde er die Finanzinstrumente in "echte" Anteile wandeln, müsste er ein Übernahmegebot abgeben.
Die Aktionäre des Modekonzerns brauchen mit Blick auf eine Geschäftsbelebung indessen Geduld. So soll 2026 ein Übergangsjahr werden, wie Hugo Boss Anfang Dezember mitgeteilt hat. Sortiment und Vertrieb sollen angepasst werden; der Umsatz und der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürften wohl sinken. Besserung wird erst ab 2027 in Aussicht gestellt./mne/err/mis/stw




