NEW YORK (dpa-AFX) - Der überraschend angekündigte Ausstieg des Gründungsehepaars Türeci und Sahin aus Biontech hat die Aktie des Mainzer Biotechunternehmen am Dienstag im US-Handel auf Talfahrt geschickt. Zwar blieb das Zahlenwerk zum vierten Quartal obendrein hinter den Konsensschätzungen zurück, doch weitaus schwerer gewichtete der Markt, dass das während der Corona-Pandemie weltbekannt gewordene Mediziner-Ehepaar neue Wege gehen will.
Die Aktie brach im frühen US-Handel um 20,6 Prozent auf 81,15 US-Dollar ein. Kurz nach dem Börsenstart ging es sogar unter 80 Dollar auf einen Tiefstand seit August 2024.
Marktanalyst Andreas Lipkow von CMC Markets zeigte sich vom Kurseinbruch kaum überrascht. "Das Unternehmen ist von den Gründern explizit in der mRNA-Impftechnologie platziert worden, und sie haben maßgeblich die Unternehmenspolitik bestimmt." Selbst von internen Nachfolgern könne der bis spätestens Ende des Jahres angepeilten Ausstieg von Sahin und Türeci kaum aufgefangen werden. "Und obwohl die Impfstoffanwendung in den letzten Jahren stark an operativem Einfluss verloren hat, ruhten die Hoffnungen zuletzt vor allem auf einer Ausweitung der Behandlung etwa gegen Krebs und Immunerkrankungen", ergänzte er.
Analyst Emmanuel Papadakis von der Deutschen Bank sprach von einer "etwas unorthodoxen Entwicklung". Schließlich wolle das Paar einen neuen mRNA-Spezialisten gründen und für eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma samt Lizenzgebühren und Meilensteinzahlungen Biontech-Rechte und Technologien mitnehmen. Das scheint ihm zufolge "nicht gerade Vertrauen in den in der Entwicklung befindlichen Tumor-Antikörper Pumitamig oder den Rest zu signalisieren". Zudem könnte das neue Unternehmen durchaus zu einem Konkurrenten für Biontech werden.
Allerdings, so beschreibt Papadakis die andere Seite der Medaille, könnte das Mediziner-Ehepaar auch von einem gereiften Unternehmen mit all den damit verbundenen Vermarktungszwängen zu ihren Forschungswurzeln zurückkehren wollen. "Auch wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Biontech ein Übernahmeziel für größere Pharmakonzerne werden könnte, sofern Biontech mit Pumitamig erfolgreich ist."
Zu den vorgelegten Quartalszahlen schrieb der Deutsche-Bank-Experte, dass diese für ihn in Ordnung seien, aber die durchschnittlichen Analystenschätzungen "weit verfehlt" hätten. Die Jahresziele für den Umsatz und die operativen Ausgaben 2026 deckten sich unterdessen mit den Erwartungen./ck/jsl/mis



