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Stuttgart, Frühling 2026. Mercedes-Benz steckt tief im Umbau. Der Gewinn ist eingebrochen, die Dividende wurde gekürzt und dann hat auch noch die Grüne Partei die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen. Ausgerechnet dort, wo die Stammwerke des Konzerns stehen, regiert künftig wieder eine Partei, die den Verbrennungsmotor am liebsten so schnell wie möglich loswerden würde.
Gute Nachrichten für das Klima, vielleicht. Aber für Mercedes-Aktionäre? Eher ein Grund, genauer hinzuschauen. Gleichzeitig setzt der Konzern auf die nach eigenen Angaben größte Produktoffensive seiner Geschichte, kauft massiv eigene Aktien zurück und will das China-Geschäft mit mehr lokaler Produktion wieder in die Spur bringen. Der Kurs dümpelt trotzdem nahe dem Jahrestief. Was steckt dahinter, und was bedeutet das für Anleger?
Grüne gewinnen in Baden-Württemberg, gut oder schlecht für Mercedes?
Der Wahlsieg der Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg sorgt im Stuttgarter Konzern für gemischte Gefühle. Auf der einen Seite ist die Partei seit Jahren für ambitionierte Klimaziele und eine konsequente Abkehr vom fossilen Antrieb bekannt. Auf der anderen Seite regiert sie bereits seit Jahren im Südwesten, und hat den Dialog mit der Industrie in dieser Zeit eher gesucht als vermieden. Dennoch bleibt eine gewisse Spannung. Das "Schwabenland" ist das Zentrum der deutschen Automobilindustrie. Weit über 200.000 Personen arbeiten im Ländle direkt oder indirekt für Mercedes-Benz und die Zuliefererindustrie. Eine Politik, die den Strukturwandel beschleunigt, kann für diese Menschen zur echten Belastung werden. Für den Konzern selbst ist es ein zweischneidiges Schwert: Strengere Umweltauflagen erhöhen kurzfristig den Druck, beschleunigen aber auch den Umbau, und Mercedes hat sich längst auf diesen Kurs eingestellt. Konkreter Anlass zur Sorge gibt es beim Thema Mobilität. Die Grünen setzen auf öffentlichen Nahverkehr, Radwege und eine spürbare Reduzierung des Autoverkehrs in Städten. Das mag stadtplanerisch sinnvoll sein, für einen Konzern, der auf wachsende Premiumabsätze angewiesen ist, ist es keine besonders ermutigende Nachricht. Kurzfristig ändert das zwar wenig an den Bilanzen. Mittel- und langfristig aber könnte eine aktive Verkehrswende-Politik in einem der wichtigsten Kernmärkte durchaus Spuren hinterlassen. Anleger sollten das im Blick behalten.

Charttechnik
Das Chartbild der Mercedes-Benz-Aktie ist derzeit alles andere als einladend. Der Kurs pendelt knapp um den 200er SMA herum, der aktuell bei rund 55 Euro liegt, ein technisch wichtiger Bereich. Gerade erst wurde diese Marke kurzzeitig unterschritten, zum Handelsschluss konnte sich die Aktie allerdings wieder knapp darüber halten. Der Markt kämpft hier sichtbar um eine Entscheidung. Das 52-Wochen-Hoch lag bei rund 63 Euro. Seitdem hat die Aktie mehr als 10 Prozent verloren. Der RSI ist auf Werte um 35 gefallen und signalisiert damit eine überverkaufte Situation, was aus technischer Sicht zumindest eine gewisse Erholungschance andeutet. Auf der Unterseite gilt der Bereich um 50 bis 52 Euro als nächste relevante Stütze. Darunter wären Kurse Richtung 45 Euro nicht auszuschließen. Auf der Oberseite müsste die Aktie zunächst den Widerstand bei rund 56,50 Euro überwinden. Erst darüber würde das Chartbild wieder freundlicher werden. Solange der Kurs unter dem SMA200 verharrt, ist Vorsicht angebracht. Technisch orientierte Anleger werden auf einen klaren Ausbruch nach oben warten, bevor sie handeln.
Was tun?
Die Zahlen für 2025 sprechen eine deutliche Sprache. Der Nettogewinn halbierte sich nahezu auf 5,33 Milliarden Euro, die Umsatzrendite in der Pkw-Sparte fiel auf magere 5,0 Prozent. Belastet haben Zollkosten von rund 1,2 Milliarden US-Dollar, ein Absatzrückgang in China von 19 Prozent sowie negative Währungseffekte. Die Dividende wurde von 4,30 auf 3,50 Euro je Aktie gekürzt. Auf der anderen Seite hat das Management klar reagiert. Das Aktienrückkaufprogramm läuft weiter, für 2026 sind bis zu 1,7 Milliarden Euro autorisiert. Die Produktoffensive ist real: mehr als 40 neue Modelle in drei Jahren, darunter eine überarbeitete S-Klasse, der neue GLC 400 mit über 700 Kilometern Reichweite und der vollelektrische VLE auf der neuen VAN.EA-Plattform. In China sollen bis Mitte 2026 mehr als 80 Prozent aller Fahrzeuge lokal produziert werden, das senkt Kosten und macht den Konzern unabhängiger von Importzöllen. Fundamental ist die Aktie mit einem erwarteten KGV von unter 10 für 2026 günstig bewertet. Analysten sehen das Kursziel im Schnitt bei rund 62 bis 63 Euro, das wäre ein Aufwärtspotenzial von über 10 Prozent. Allerdings: Zweistellige Margen erwartet das Management selbst erst wieder für 2027. Bis dahin bleibt der Druck hoch. Wer kurzfristig agiert, sollte auf einen technischen Ausbruch über den 200er SMA warten. Die ersten wirklich wichtigen Richtungshinweise liefern die Q1-Zahlen am 29. April 2026.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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