
© Foto: Gerd Altmann auf Pixabay (Symbolbild)
Xiaomi macht gerade vieles gleichzeitig, und das ist sowohl Stärke als auch Schwäche. Das Unternehmen baut Smartphones, Haushaltsgeräte, Elektroautos und sogar Roboter. Der Umsatz explodiert, die Gewinne steigen rasant, und trotzdem notiert die Aktie weit unter ihrem Jahreshoch. Wie passt das zusammen? Goldman Sachs senkt die Prognosen, in Indien streitet sich Xiaomi mit den Steuerbehörden, und auch die Charttechnik sendet keine klaren Kaufsignale. Und doch: Wer genauer hinschaut, entdeckt ein Unternehmen, das in einer bemerkenswerten Geschwindigkeit wächst und sich neu erfindet. Die vollständigen Jahreszahlen kommen am 24. März, und die könnten vieles verändern. Was ist Xiaomi heute wirklich wert, und was sollten Anleger jetzt tun?
Ein Konzern auf Expansionskurs
Xiaomi ist längst kein reiner Smartphone-Hersteller mehr. In den ersten neun Monaten 2025 stieg der Umsatz um rund 32,5 Prozent. Der Gewinn kletterte dabei um stolze 140 Prozent. Das vierte Quartal 2025 setzte noch einen drauf: Der Nettogewinn stieg um fast 69 Prozent, der Umsatz legte um rund 49 Prozent zu. Zahlen, die sich sehen lassen können. Besonders auffällig ist das Tempo im Elektroauto-Segment. Xiaomi lieferte 2025 rund 410.000 Fahrzeuge aus, und übertraf damit die eigene Prognose von 300.000 Einheiten deutlich. Noch beeindruckender: Das EV-Geschäft erreichte bereits im dritten Quartal 2025 die Profitabilität. Weniger als zwei Jahre nach Markteintritt. Das gelingt den wenigsten Neueinsteigern in dieser kapitalintensiven Branche. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona präsentierten die Chinesen einen humanoiden Roboter, der bereits im eigenen EV-Werk autonom eingesetzt wird, sowie den elektrischen Konzept-Hypercar "Xiaomi Vision Gran Turismo". Auch das neue Laptop Book Pro 14 zeigt, wie breit Xiaomi sein Portfolio aufstellt. Mit nur 1,08 Kilogramm und Intels neuestem Core Ultra X7-Prozessor zielt das Gerät klar auf professionelle Nutzer. Für den 24. März hat der Vorstand eine Sitzung angesetzt, auf der die vollständigen Jahreszahlen 2025 genehmigt werden sollen. Auf der Agenda steht möglicherweise auch die erste Dividende seit dem Börsengang.

Charttechnik
Seit dem Hoch vor gut einem Jahr bei 7,34 Euro hat die Aktie sehr deutlich verloren. Aktuell notiert sie bei etwa 3,71 Euro. Sie liegt ebenfalls unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt sowie auch unter dem 50er. Technisch betrachtet ist das kein gesundes Umfeld. Seit September/Oktober 2025 lässt sich eine klar fallende Trendlinie im Chart einzeichnen. Der Kurs bewegt sich derzeit immer noch knapp unterhalb dieser Linie. Ein Überschreiten wäre ein erstes positives Signal, aber noch kein Befreiungsschlag. Dafür müsste die Aktie nachhaltig über die Widerstandszone bei rund 4 Euro klettern und dort auch bleiben - idealerweise weiter steigen. Noch ist das nicht passiert. Und es gibt Stimmen, die einen weiteren Rückgang für möglich halten. Erst bei 2,00 bis 2,50 Euro könnten charttechnisch relevante Bodenformationen entstehen, von denen aus eine echte Gegenbewegung starten könnte. Ob es so weit kommt, hängt nicht zuletzt vom Ausgang der Jahreszahlen am 24. März ab.
Was tun?
Die Lage bei Xiaomi ist komplex, aber keineswegs hoffnungslos. Auf der einen Seite stehen starke operative Zahlen, ein wachsendes Ökosystem und ein Elektroauto-Segment, das schneller profitabel wurde als erwartet. Auf der anderen Seite drücken Goldman Sachs mit gesenkten Prognosen, ein laufender Steuerstreit in Indien mit potenziell über 150 Millionen US-Dollar Gesamtbelastung sowie eingefrorene Vermögenswerte von rund 610 Millionen US-Dollar auf die Stimmung. Auch der laufende Preiskampf im chinesischen EV-Markt belastet die Margen der gesamten Branche. Allerdings: Das Aktienrückkaufprogramm zeigt, dass das Management Vertrauen in das Unternehmen hat. Durchschlagende Kurswirkung hatte das bislang aber nicht. Langfristig orientierte Anleger, die an Xiaomis Wachstumsstory glauben, könnten die aktuelle Schwäche als Einstiegsgelegenheit sehen. Allerdings sollte man eventuell besser die Jahreszahlen am 24. März abwarten, denn sie werden vielleicht zeigen, ob das operative Momentum stark genug ist, um die Analystenskepsis zu widerlegen. Kurzfristig spricht die Charttechnik eher für Zurückhaltung. Wer einsteigen möchte, sollte die Zone um 4 Euro im Blick behalten: Hält sich der Kurs nachhaltig darüber, verbessert sich das Bild. Fällt er jedoch weiter, sind Kurse zwischen 2,00 und 2,50 Euro als nächster möglicher Boden nicht auszuschließen, und damit auch als günstigerer Einstiegszeitpunkt denkbar.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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