
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Das Interesse der italienischen UniCredit an der Commerzbank ist seit Längerem bekannt. Nun hat das Institut ein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt.
UniCredit eskaliert Streit um die Commerzbank
In der europäischen Finanzbranche zeichnet sich immer deutlicher die nächste große Konsolidierung ab. Die Unicredit bekräftigt zum Wochenauftakt ihr Übernahmeinteresse an der Commerzbank und hat erstmals ein offizielles, wenngleich noch freiwilliges Angebot vorgelegt, nachdem in den vergangenen Monaten und Quartalen bereits ein Anteil von 29,9 Prozent der ausstehenden Aktien aufgebaut wurde.
Die Italiener haben Anlegerinnen und Anlegern am Montagmorgen 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Anteil angeboten, das entspricht rund 30,80 Euro und dürfte den Ansprüchen der Investoren kaum genügen.
Nach eigener Verlautbarung strebt die UniCredit zunächst nur das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle an, "um in den kommenden Wochen einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu fördern". Ein verpflichtendes Angebot sieht das deutsche Übernahmerecht erst jenseits einer Beteiligung von 30 Prozent vor.
Das freiwillige Übernahmeangebot stellt eine weitere Eskalation im Streit um die Vorherrschaft bei der Commerzbank dar, nachdem sich in der Vergangenheit sowohl deutsche Politikerinnen und Politiker skeptisch bezüglich einer Übernahme des im Privatkundenbereich starken Instituts geäußert haben und auch das Management um CEO Bettina Orlopp Widerstand gegen eine Zusammenlegung angekündigt hat.

Unicredit will zuschlagen, solange die Aktie günstig ist
Aus charttechnischer Perspektive kommt der Schritt der Unicredit zu einem cleveren Zeitpunkt. Die Commerzbank-Aktie hat in den vergangenen Wochen stark an Wert verloren. Gegenüber dem Jahreswechsel standen zeitweise Verluste von mehr als 20 Prozent zu Buche. Die sind einerseits das Ergebnis bearisher Divergenzen, die bereits seit letztem Sommer anhalten sowie andererseits der Schwierigkeiten im Private-Equity-Bereich sowie des Iran-Krieges.
Nachdem die Aktie zuletzt in den technisch überverkauften Bereich gefallen ist, wurde eine zeitnahe Erholung immer wahrscheinlicher. Dieser ist die Unicredit jetzt mit einem Übernahmeangebot deutlich unter dem Durchschnittspreis der vergangenen Wochen und Monaten zuvorgekommen.
Der sogenannte Anker-Effekt könnte zukünftig dafür sorgen, dass ein verbindliches Übernahmeangebot über dem aktuellen Niveau als deutlich besser empfunden wird, obwohl selbst ein angehobener Preis unter den im vergangenen Jahr erzielten Mehrjahreshochs liegen könnte, was eine Übernahme für die Unicredit deutlich billiger macht als noch in den zurückliegenden Monaten.
Fazit: Das dürfte Investoren kaum genügen
Die Unicredit eskaliert den Streit um die Commerzbank und hat ein erstes, allerdings noch freiwilliges Übernahmeangebot von etwa 30,80 Euro (in Unicredit-Aktien) vorgelegt. Nach eigenen Angaben soll der Schritt zu Gesprächen mit den übrigen Stakeholdern führen, um nach einer einvernehmlichen Lösung für die umstrittene Übernahme zu suchen.
Mit Blick sowohl in den Chart als auch auf die Fundamentaldaten dürften viele Aktionäre ein deutlich höheres Gebot erwarten. Das 52-Wochen-Hoch liegt mit 38,40 Euro um rund ein Viertel über dem freiwilligen Übernahmepreis, während die Commerzbank für 2026 mit einem KGVe von 9,6 bewertet ist, was deutlich unter dem Branchendurchschnitt liegt.
Gastautor: Max Gross
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