PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Europas Börsen haben sich am Dienstag ins Plus vorgearbeitet und so ihren Erholungskurs bestätigt. Im Fokus standen weiter die hohen Ölpreise, da im Iran-Krieg weiter keine Entspannung abzusehen ist. Am Morgen brauchte der EuroStoxx nach schwachem Start etwas Zeit, um ins Plus zu drehen. Dort konnte sich der Leitindex der Eurozone erst so richtig etablieren, als sich auch an den US-Börsen ein positiver Start abzeichnete.
Der EuroStoxx ging ein halbes Prozent höher bei 5.769,25 Punkten aus dem Handel. Er knüpfte damit an seine Vortagserholung an. Noch etwas besser sah es außerhalb der Eurozone aus, wo der Schweizer SMI um 0,6 Prozent auf 12.962,41 Punkte anzog. Der britische FTSE 100 legte sogar um 0,8 Prozent auf 10.403,60 Punkte zu.
Laut einem Marktbeobachter versuchen Anleger, die aktuellen Spannungen auf der Suche nach einer Einstiegsgelegenheit auszublenden. Der Iran hat seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Persischen Golf nämlich verstärkt. Über den höheren Ölpreis bremst dies die Konjunkturhoffnung und verstärkt zugleich die Inflationsgefahr. Anleger schauen deshalb auch gespannt auf anstehende Zinsentscheide großer Notenbanken, die am Mittwoch in den USA beginnen.
Die ungewisse Lage zeigte sich auch an neuen Wirtschaftsdaten. "Der überraschend kräftige Rücksetzer des ZEW-Index im März spiegelt die hohe Unsicherheitswahrnehmung, ausgehend vom militärischen Schlagabtausch im Nahen Osten, wider", stellte Volkswirt Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research fest. Das Stimmungsbarometer des Forschungsinstituts ZEW war gegenüber dem Vormonat um fast 59 Punkte auf minus 0,5 Punkte eingebrochen.
Gut liefen wieder einmal Versorger und Ölwerte, die Investoren schon länger als mögliche Profiteure länger erhöhter Energiepreise ausgemacht haben. Am Dienstag stiegen die Ölpreise nach einem Rückgang zu Beginn der Woche wieder, weil Angriffe des Irans die Ölwirtschaft in der Region am Persischen Golf anhaltend beeinträchtigten. Titel wie Eni und Enel waren daher mit Kursgewinnen von bis zu 3,6 Prozent unter den Top-Werten im EuroStoxx.
Zu den deutlicher gefragten Sektoren gehörten auch die Versicherer. Laut Marktbeobachtern könnten die Rückversicherer bei einer länger anhaltenden Krise höhere Preise für die Deckung kommerzieller Risiken verlangen. Munich Re legten um 2,5 Prozent zu und Swiss Re um 2,7 Prozent. Scor zogen in Paris sogar um vier Prozent an.
Von Anlegern angestoßen wurden dagegen die export- und konjunktursensiblen Luxusgüterwerte sowie Aktien aus dem Mediensektor. Die beiden größten Verlierer im EuroStoxx, LVMH und Hermes, kamen mit Einbußen von bis zu 1,9 Prozent aus dem Luxusgüterbereich.
In London sorgte die Aktie von Trustpilot mit einem Kurssprung um 20 Prozent für Aufmerksamkeit. Das Online-Bewertungsportal erwägt Partnerschaften mit großen E-Commerce-Unternehmen und rechnet damit, dass sich die Gewinnmargen bis 2030 verdoppeln werden. Denn das Unternehmen will von der wachsenden Beliebtheit von KI-Modellen profitieren./tih/stw
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