
© Foto: von Daniel Marx auf Pixabay
Die Commerzbank macht gerade von sich reden. Und das gleich aus zwei Richtungen. Die Geschäftszahlen sind stark: Der Gewinn fiel höher aus als erwartet, die Dividende wurde kräftig erhöht, und beim operativen Ergebnis steht ein historischer Bestwert. Gleichzeitig tobt seit Monaten ein Übernahmestreit, der jetzt richtig heiß wird. Die italienische UniCredit hat ein konkretes Angebot auf den Tisch gelegt, und damit eine ganze Reihe von Leuten aufgeschreckt: Vorstand, Betriebsrat, Gewerkschaft, Bundesregierung. Der Aktienkurs zieht an. Die Politik ist alarmiert. Und viele Anleger fragen sich: Lohnt sich ein Einstieg noch, oder ist der Zug schon abgefahren? Dieser Bericht soll Ordnung für Sie in die Lage bringen.
Rekordgewinne und Dividendensprung
Das letzte Geschäftsjahr gehört zu den besten, die die Commerzbank je hatte. Das operative Ergebnis stieg auf 4,5 Milliarden Euro. Das sind 18 Prozent mehr als im Jahr zuvor, und der höchste Wert, den die Frankfurter Bank je eingefahren hat. Die Gesamterträge lagen bei 12,2 Milliarden Euro. Getrieben wurde das vor allem durch höhere Provisionen und die polnische Tochter mBank, die ebenfalls stark lief. Unter dem Strich blieben 2,6 Milliarden Euro Nettogewinn übrig, etwas mehr als die Bank selbst erwartet hatte. Bereinigt um Restrukturierungskosten von 562 Millionen Euro wären es sogar rund 3 Milliarden Euro gewesen. Die Bank schlägt eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie vor. Im Jahr davor waren es noch 0,65 Euro, also eine riesige Steigerung. Dazu kommt ein laufendes Aktienrückkaufprogramm über bis zu 540 Millionen Euro, das im Februar gestartet wurde.
Charttechnik
Nach dem Erreichen eines neuen Hochs setzte eine Korrektur ein, die den Kurs bis in eine Unterstützungszone zwischen etwa 29 und 31 Euro zurückführte. Dort fanden sich wieder Käufer. Seitdem läuft das Papier erneut leicht nach oben und nähert sich dem oberen Widerstandsbereich. Der übergeordnete Aufwärtstrend scheint wieder intakt, da die 200-Tage-Linie zuletzt, wenn auch knapp, wieder überwunden wurde. Aber der Kampf ist noch nicht ganz beendet. Wer die Aktie noch nicht im Depot hat, sollte Geduld mitbringen. Mitten zwischen Unterstützung und Widerstand einzusteigen ist selten eine gute Idee. Interessanter wird es, wenn der Kurs entweder die Hochs klar überwindet oder erneut an die untere Zone zurückfällt und dort Kaufsignale zeigt. Kurzfristig orientierte Anleger könnten bei einer Abweisung an der 35-36 Euro-Marke sogar über eine "Short-Position" nachdenken, mit Ziel in Richtung der unteren Unterstützungszone.

Was tun?
Die Situation bei der Commerzbank ist vielschichtig, und das macht eine einfache Aussage schwierig. Fundamental betrachtet liefert die Bank solide Arbeit ab. Die Eigenkapitalquote ist komfortabel, das Kreditbuch überschaubar riskant, und die Ertragstreiber, Provisionen, Zinserträge, mBank, laufen rund. Die am 25. März erwarteten Quartalszahlen dürften weiteren Aufschluss geben. Was den Kurs aktuell aber vor allem treibt, ist die Übernahme-Spekulation. UniCredit hält bereits knapp 30 Prozent der Anteile und hat ein freiwilliges Tauschangebot vorgelegt: 0,485 UniCredit-Aktien pro Commerzbank-Aktie, was einem rechnerischen Wert von rund 30,80 Euro entspricht. Das Problem: Der aktuelle Aktienkurs liegt deutlich darüber. Der Markt erwartet offenbar ein höheres Angebot, oder zumindest eine neue Verhandlungsrunde. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat das bisherige Angebot als nicht werthaltig zurückgewiesen. Auch Bundesregierung, Betriebsrat und Gewerkschaft stemmen sich gegen eine Übernahme. Wie das ausgeht, ist offen. Die fundamentale Basis stimmt, und sollte das Übernahmeangebot tatsächlich erhöht werden, gibt es noch Luft nach oben. Wer einsteigen möchte, sollte auf Rücksetzer warten. Fällt die Aktie erneut in den Bereich um 29 bis 31 Euro zurück, wird das Chance-Risiko-Verhältnis deutlich attraktiver. Auf aktuellem Niveau ist die Commerzbank-Aktie durch die Übernahmefantasie weitgehend fair bewertet, weder klar überbewertet noch ein offensichtliches Schnäppchen. Wer geduldig ist, könnte wahrscheinlich noch einen besseren Einstiegspunkt erhalten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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