
© Foto: Bayer AG
Bayer steckt tief in der Krise, das ist bekannt. Milliardenklagen, ein Nettoverlust von über 3,6 Milliarden Euro, ein Aktienkurs weit entfernt von alten Höchstständen. Doch gerade jetzt verdichten sich die Signale, dass sich etwas Entscheidendes tun könnte. Der US Supreme Court nimmt sich Ende April die Roundup-Klagen vor, ein Urteil mit historischer Tragweite für den Konzern. Gleichzeitig meldet Bayer neue Produktzulassungen in Japan und zeigt operativ erste Lebenszeichen. Die Aktie notiert aktuell um die 38 Euro, ein Niveau, das nach dem Absturz von knapp 50 Euro durchaus als attraktiver gilt als noch vor wenigen Wochen. Aber: Ein Worst-Case-Szenario Richtung 30 Euro ist nicht vom Tisch. Was steckt wirklich hinter der aktuellen Lage? Und was bedeutet das für Anleger?
Klagen, Verluste, Neuausrichtung, Bayer unter Dauerdruck
Der Leverkusener Konzern kämpft seit Jahren an mehreren Fronten gleichzeitig. Die Monsanto-Übernahme aus dem Jahr 2018 lastet wie ein schwerer Stein auf dem Unternehmen. Über 100.000 Klagen rund um den Unkrautvernichter Roundup haben bislang mehr als 11 Milliarden US-Dollar verschlungen. Für 2026 erwartet Bayer einen tief negativen freien Cashflow, allein durch klagebedingte Auszahlungen von rund fünf Milliarden Euro. Das Geschäftsjahr 2025 endete mit einem Nettoverlust von 3,62 Milliarden Euro. Haupttreiber waren hohe Sonderaufwendungen für laufende Rechtsstreitigkeiten. Operativ sieht die Lage etwas freundlicher aus. Für 2026 peilt Bayer einen währungsbereinigten Umsatz zwischen 45 und 47 Milliarden Euro an. Vorstandschef Bill Anderson treibt intern eine radikale Umstrukturierung voran. In der Pharmasparte setzt Bayer auf neue Produkte. Das Herzmedikament Beyonttra wurde in der EU eingeführt. Das Nierenmedikament Kerendia zeigt positive Studiendaten. In Japan erhielt Bayer zuletzt zwei wichtige Zulassungen auf einmal: das Augenmittel Eylea sowie das MRT-Kontrastmittel Ambelvist. Gleichzeitig versucht das Management, sich über sogenannte Shield Laws in einzelnen US-Bundesstaaten vor weiteren Klagen zu schützen. In Georgia ist ein entsprechendes Gesetz bereits in Kraft. In rund einem Dutzend anderer Bundesstaaten scheiterten ähnliche Versuche bislang.

Charttechnik
Wer die Bayer-Aktie über die letzten Jahre verfolgt hat, kennt das Muster. Bei rund 50 Euro hatten wir vor ein paar Wochen an dieser Stelle gewarnt: Die Luft wird dünner, eine Korrektur Richtung 35 Euro ist realistisch. Genau das ist eingetreten. Aktuell pendelt der Kurs um die 38 Euro, und liegt damit rund deutlich unter dem Hoch. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 42,99 Euro. Davon ist die Aktie noch ein gutes Stück entfernt. Der RSI signalisiert mit einem Wert von etwa 48 eine gewisse Neutralität, technisch gesehen ein Hinweis darauf, dass kurzfristige Erholungen oder aber auch Kursverluste jederzeit möglich sind. Klar ist aber auch: Das Worst-Case-Szenario einer weiteren Korrektur Richtung 30 Euro ist noch nicht vollständig vom Tisch. Entscheidend wird sein, ob die 35 - 38-Euro-Zone als Boden hält. Erste Stabilisierungszeichen sind erkennbar. Die Marke von 40 Euro gilt als nächste technische Hürde. Erst ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde das Bild aufhellen.
Was tun?
Die Bayer-Aktie bleibt ein schwieriger Fall. Das zeigt schon ein Blick auf die langfristige Performance. Dennoch: Die aktuelle Ausgangslage ist besser als noch vor einem Jahr. Das Bewertungsniveau um 38 Euro ist deutlich attraktiver als bei 50 Euro. Die Pharmapipeline zeigt erste echte Fortschritte. Und mit dem Supreme-Court-Verfahren steht ein potenzieller Wendepunkt bevor. Eine Entscheidung zugunsten von Bayer würde die Grundlage für Tausende künftiger Klagen entziehen, mit enormen Auswirkungen auf die Bilanz. Der nächste wichtige Termin ist die Hauptversammlung am 24. April. Eine unveränderte Dividende von 0,11 Euro je Aktie ist vorgeschlagen, symbolisch, aber immerhin. Am 27. April beginnen die mündlichen Verhandlungen vor dem Supreme Court. Das endgültige Urteil wird für die zweite Junihälfte erwartet. Am 12. Mai folgen die Quartalszahlen. Kurzum: Wer bereits investiert ist, kann die Lage abwarten. Wer einsteigen möchte, findet ein deutlich günstigeres Niveau als noch vor einigen Wochen vor, sollte aber das verbleibende Risiko Richtung 30 Euro nicht ignorieren.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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