
© Foto: BASF SE
BASF steckt mitten in einem der schwierigsten Marktumfelder seit Jahren. Die Rohstoffpreise explodieren, der China-Markt ist heillos übersättigt, und der schwache Dollar kostet den Konzern allein im ersten Quartal bis zu 200 Millionen Euro. Trotzdem geht der Chemiegigant aus Ludwigshafen in die Offensive: Er kauft eigene Aktien zurück, strafft das Portfolio und erhöht seine Sparziele. Aber der Kurs? Der dreht sich im Kreis. Zwischen 41 und 52 Euro pendelt das Papier schon eine gefühlte Ewigkeit. Wer auf eine große Bewegung wartet, braucht Geduld, und die richtigen Signale. Was ist wirklich los bei BASF?
Rohstoffschock, China und das Milliardenspiel
Der Zeitpunkt hätte kaum schlechter sein können. Wenige Tage vor der Eröffnung des neuen Chemiewerks im südchinesischen Zhanjiang räumte BASF-Chef Markus Kamieth offen ein: Das 8,7 Milliarden Euro teure Projekt wird sich später rentieren als geplant. Man starte in einem überversorgten Markt, Preise und Margen lägen auf historisch niedrigem Niveau. Das klingt hart, ist aber ehrlich. Dennoch bleibt Kamieth bei seiner China-Strategie. Wer sich aus dem Reich der Mitte zurückzieht, verlässt die Hälfte des Weltmarkts. Für ihn ein weit größeres Risiko als die geopolitischen Unwägbarkeiten rund um Taiwan oder den Nahen Osten. Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran stelle für BASF bislang keinen unmittelbaren Engpass bei Rohstoffen dar, so zumindest die aktuelle Einschätzung des Vorstands. Parallel dazu läuft die Transformation auf Hochtouren. BASF hat seine Lacksparte für 7,7 Milliarden Euro an den US-Finanzinvestor Carlyle und die Qatar Investment Authority verkauft. Das spült rund 5,8 Milliarden Euro Mittelzufluss vor Steuern in die Kasse. Eine 40-prozentige Minderheitsbeteiligung behält der Konzern. So bleibt man dabei, ohne das volle Risiko zu tragen. Dazu kommt die Eröffnung der weltweit ersten industriellen Anlage für 3D-gedruckte Katalysatoren in Ludwigshafen, ein Schritt, der zeigt, dass der Konzern technologisch nicht schläft. Beim Sparprogramm liegt BASF sogar vor Plan. Bis Ende 2025 wurden jährliche Einsparungen von rund 1,7 Milliarden Euro erreicht, 100 Millionen mehr als ursprünglich vorgesehen. Das Ziel für 2026 wurde auf 2,3 Milliarden Euro angehoben. Das Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 1,5 Milliarden Euro läuft ebenfalls planmäßig.

Charttechnik
Die BASF-Aktie steckt in einer zähen Seitwärtsbewegung. Seit Monaten pendelt der Kurs zwischen grob 41 und 52 Euro, ohne klare Richtung. Das zermürbt Anleger, die auf eine Entscheidung warten. Die gute Nachricht: Solche Phasen enden irgendwann. Und wenn sie enden, kommt Bewegung, meistens mehr, als man erwartet. Aktuell notiert die Aktie bei rund 47 Euro. Zum Hoch fehlen noch etwa zehn Prozent. Erst ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde neues Aufwärtspotenzial eröffnen. Nach unten schaut die Charttechnik auf den 200er SMA bei 44,61 Euro. Dieser gleitende Durchschnitt wurde zuletzt nur sehr kurzzeitig unterschritten. Ein nachhaltiger Bruch darunter wäre ein klares Warnsignal. Das Rückkaufprogramm wirkt wie ein stiller Stabilisator. Es verhindert größere Kurseinbrüche, aber es treibt die Aktie auch nicht stark nach oben. Der Markt wartet auf den nächsten echten Impuls. Der könnte von der Hauptversammlung am 30. April kommen, wenn BASF die ersten Quartalszahlen vorlegt und die Dividende beschlossen wird. Analysten sind tief gespalten: Goldman Sachs sieht die Aktie bei 62 Euro und empfiehlt den Kauf. UBS bleibt neutral mit einem Ziel von 47 Euro. J.P. Morgan ist skeptischer und rät mit einem Kursziel von 36 Euro zum Untergewichten.
Was tun?
Wer jetzt kauft, braucht Geduld und einen langen Atem. Fundamental ist BASF kein hoffnungsloser Fall, aber eben auch kein Selbstläufer. Die Dividende von 2,25 Euro je Aktie entspricht beim aktuellen Kurs einer Rendite von knapp fünf Prozent. Das ist ansprechend. Doch die EBITDA-Prognose für 2026 von 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro enttäuschte die Analystengemeinde, der Konsens lag höher. Charttechnisch gilt: Solange die Aktie in ihrer Range bleibt, gibt es keinen zwingenden Grund, jetzt aktiv zu werden. Ein Ausbruch nach oben über das 52-Wochen-Hoch wäre ein Kaufsignal. Ein nachhaltiger Rutsch unter die 200-Tage-Linie dagegen ein Warnsignal. Wer bereits investiert ist, kann durch Rückkaufprogramm und Dividende abwarten. Neueinsteiger sollten die Quartalszahlen am 30. April abwarten, bevor sie handeln.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




