FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Anlegerinnen und Anleger mit hohem Blutdruck müssen in diesen Tagen ganz tapfer sein. Insbesondere zu Beginn dieser Woche erreichte die Volatilität an den Finanzmärkten ungeahnte Ausmaße. Im Fokus bleiben weiterhin die geopolitischen Entwicklungen, die die Welt in Atem halten.
Risiko reduzieren: Wochenendtaktik sorgt für Nervosität
27. März 2026. FRANKFURT (Xetra-Gold). Momentan tendieren viele, ihre Positionen am Freitag etwas herunterzufahren, da man nie weiß, welch Nachrichtenfluss einen am Wochenende erwartet. Dass dies durchaus sinnvoll sein kann, demonstrierte der vergangene Freitag: Nach Börsenschluss erläuterte US-Präsident Trump zunächst, dass die USA ihre Ziele im Nahost-Konflikt voraussichtlich zeitnah erreichen sollten, was an den Terminmärkten für Ö, die noch geöffnet waren, für einen soliden Kursrutsch der Öpreise sorgte. Kurze Zeit später stellt Trump dem Iran jedoch ein Ultimatum, die Straße von Hormus innerhalb von 48 Stunden zu öffnen und drohte andernfalls Schläge gegenüber Irans Energieinfrastruktur an.
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Online-Session am 30. März, 12 Uhr: Zwischen turbulentem Markt und sicherem Hafen - ein Update zu Gold und anderen Edelmetalle mit Rohstoffanalyst Michael Blumenroth #298 Anmelden: live.deutsche-boerse.com/live
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Massive Marktreaktionen: Öpreise steigen zweistellig, Renditen ziehen an
Dies sorgte am Montagmorgen für einen kräftigen Anstieg der Öpreise um mehr als 10 Prozent, massiv ansteigende Renditen der Staatsanleihen (zehnjährige Bundesanleihen notierten auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren, zweijährige US-Staatsanleihen über der Marke von 4,00 Prozent) und ein robustes Einpreisen von Leitzinserhöhungen der Notenbanken der großen Industrieländer. Dies hatte kurz nach Handelsbeginn in London einen "Ausverkauf" an den Edelmetallmärkten zur Folge, der Gold auf das niedrigste Niveau seit Jahresbeginn schickte.
Entspannungssignale dämpfen Turbulenzen: Goldpreis erholt sich
Nachdem US-Präsident Trump dann am Mittag unserer Zeit via Social-Media-Post das Ultimatum auf fünf Tage verlängerte und zeitgleich von Gesprächen der USA mit iranischen Unterhändlern schrieb, beruhigten sich die Finanzmärkte wieder etwas und der Goldpreis erholte sich - dies aufgrund fallender Öpreise und Renditen. Man sieht, die Lage bleibt unsicher, Chancen bzw. Risiken plötzlicher starker Kursbewegungen aufgrund einer veränderten Nachrichtenlage dürften noch eine Weile bestehen bleiben.
Gerüchte über Goldverkäufe der Notenbanken belasten das Edelmetall
Im Übrigen liefen zuletzt auch immer mal wieder Nachrichten über die Ticker, dass einige Notenbanken über Goldverkäufe nachdächten, um aus den Erlösen Liquidität in US-Dollar zu generieren. Genannt wurde u.a. Polen (eher unwahrscheinlich, da Polens Notenbank erst Anfang des Jahres angekündigt hatte, die Goldreserven zu erhöhen) und die Türkei (eher wahrscheinlich, da die Notenbank schon in der Vergangenheit den Goldbestand aktiv gehandelt hat).
Goldpreis im Sturz und in der Erholung: Extreme Schwankungen innerhalb weniger Tage
Dies belastete naheliegenderweise zusätzlich die Stimmung für die Goldpreise: Notierten diese am Donnerstagmorgen vergangener Woche bei 4.820 US-Dollar je Unze fielen sie bis zum Wochenschluss auf exakt 4.500. Montagmorgen kam es zu dem oben erwähnten heftigen Verkaufsdruck, der erst bei 4.100 ein Ende fand. Nach Trumps Social-Media-Post mittags erholten sich die Notierungen zurück auf 4.500 und lugten gestern kurz über die Marke von 4.600. Beim Schreiben dieser Zeilen am Donnerstagmorgen wird Gold bei 4.440 US-Sollar gehandelt.
Xetra-Gold deutlich unter Druck: Starke Verluste und schnelle Gegenbewegung
Der Xetra-Gold-Preis ging ebenfalls nicht ganz ungeschoren aus den Ereignissen heraus: Während der üblichen Handelszeiten ging es von knapp 133,00 Euro je Gramm zum Handelsauftakt am vergangenen Donnerstagmorgen auf etwa 127,50 zum Wochenschluss. Am Montag ging es rasant talwärts bis auf 117,20, bevor sich das gelbe Metall am Nachmittag auf 125 verteuerte. Gestern notierte es mit 127,05 in der Spitze noch etwas höher. Heute Morgen startet es gegen 8.00 Uhr bei rund 123,50 Euro in den Handelstag.
Öpreise und Geopolitik bestimmen weiterhin die Marktbewegungen
Momentan entscheidet der Nachrichtenfluss hinsichtlich der Lage im Nahen Osten zunächst über die Höhe der Öpreise, was anschließend nahezu jede andere Kursbewegung - auch der Goldpreise - determiniert. In der kommenden Woche stehen zusätzlich das Quartalsende und die US-Arbeitsmarktdaten im Fokus.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein entspanntes, erholsames Wochenende.
Von Michael Blumenroth, 27. März 2026 Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)




