FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Zu den Gewinnern in diesem Jahr gehört ganz klar die Ö- und Gasbranche. Sie profitiert von den explodierenden Ö- und Gaspreisen. Neben den ganz Großen gibt es hier aber auch Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe - und zwar aus Europa.
2. April 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Der Iran-Krieg bestimmt auch den Handel mit Auslandsaktien. "Die Schließung der wichtigen Straße von Hormus ist aktuell sowohl für die Ö- und damit auch für die Aktienmärkte entscheidend", erklärt Marc Richter, der für die Steubing AG Aktien handelt.
Während Aktienmärkte insgesamt unter dem Krieg und den hohen Ö- und Gaspreisen leiden, gibt es auch Profiteure: Ö- und Gaskonzern. Für die geht es dieses Jahr fast nur nach oben. Der Kurs von Exxon Mobil (US30231G1022) ist seit Jahresanfang von 103 auf 143 Euro gestiegen, der von Chevron (US1667641005) von 128 auf 176 Euro. Shell (GB00BP6MXD84), TotalEnergies (FR0000120271), ConocoPhillips (US20825C1045) und OMV (AT0000743059) haben ebenfalls stark zugelegt, ebenso Ödienstleister wie Halliburton (US4062161017). "Die Nachfrage nach Ö- oder auch LNG-Aktien war enorm", stellt Richter fest. Einige Unternehmen profitierten direkt vom Öpreis, andere wiederum indirekt über die erhöhte Nachfrage beispielsweise nach Rohstoffinfrastruktur.
Plus von 44 Prozent.
Die Ö- und Gasbranche ist seit Jahresanfang die Branche mit der besten Kursentwicklung, wie Zahlen der ETF-Plattform justETF zeigen: Die ersten 15 Plätze der Top-50-Branchen-Liste belegen Ö- und Gas- beziehungsweise Energie-Indizes. Ganz vorne: der MarketVector US Listed Oil Services 10% Capped. Der bildet US-Ödienstleister ab, ist Basis für den großen VanEck Oil Services-ETF (IE000NXF88S1) und hat seit Jahresanfang um 44 Prozent zugelegt. Auch für Europas Energiekonzern geht es nach oben: Der MSCI Europe Energy 20/35 Capped kommt auf ein Plus von 38 Prozent.
Öpreisprognosen: Hoch, aber nicht extrem hoch
Wie es weiter geht, hängt stark vom Ö- und Gaspreis ab. Sinkt der Öpreis, kann die Branche schnell wieder unter Druck geraten - wie kurzzeitig in den vergangenen Tagen. "Die Volatilität ist weiterhin hoch und das Abwarten der Anleger spürbar", bemerkt Richter. Goldman Sachs hat zuletzt seine Öpreisprognose für dieses Jahr nach oben angepasst. Die US-Bank rechnet nun mit einem durchschnittlichen Brent-Preis von 85 US-Dollar nach bislang 77 US-Dollar, kurzfristig sogar mit 110 US-Dollar. Aktuell sind es 108 US-Dollar.
Auch die LBBW hat ihre Prognosen nach oben korrigiert, rechnet aber ebenfalls nicht mit anhaltenden hohen Preisen: "Wir gehen jetzt davon aus, dass ein Fass der Sorte Brent zum Jahresende 70 US-Dollar kosten wird", erklärt Chefvolkswirt Moritz Kraemer. Bis Mitte 2027 dürfte der Preis auf 65 US-Dollar sinken. "Hauptgrund ist die Erwartung, dass sich der Krieg nicht mehr allzu lange hinziehen dürfte", erläutert er. Zum einen dürfte Irans militärisches Potenzial nach dem massiven Bombardement deutlich vermindert sein. "Aber noch wichtiger ist, dass Donald Trump möglichst bald den Sieg erklären will."
"Nachfrage nach LNG-Transportkapazitäten"
Steubing-Händler Richter ist aufgefallen, dass viele ohnehin nach Alternativen zu den großen Ökonzernen Ausschau halten: "Anleger suchen gezielt nach europäischen Lösungen, um weniger politische Risiken im Depot zu haben", erklärt er. Ein Beispiel ist Awilco LNG (
OMV Petrom: "Strategische Rolle in Europas Versorgungssicherheit"
Ein weiteres Beispiel: OMV Petrom (ROSNPPACNOR9). Das größte südosteuropäische Ö- und Gasunternehmen hat seinen Sitz in Rumänien und wird mehrheitlich vom österreichischen OMV-Konzern gehalten. "OMV Petrom zeichnet sich durch einen stabilen Aufwärtstrend aus", bemerkt Richter. Der Aktienkurs ist in den vergangenen zwölf Monaten von 0,13 auf 0,21 Euro gestiegen. "Die Dividendenrendite liegt bei 4,5 Prozent", ergänzt er. Das Unternehmen fördere Ö unter anderem im Schwarzen Meer, Anleger profitierten von strukturellem Wachstum im regionalen Energiemarkt - und einer strategischen Rolle in der europäischen Versorgungssicherheit.
Von Anna-Maria Borse, 2. April 2026 Deutsche Börse AG
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