
© Foto: fn Symbolbild
Siemens Energy liefert Zahlen, die sich sehen lassen können. Der Auftragsbestand ist auf Rekordniveau, der Gewinn hat sich nahezu verdreifacht, und Analysten überbieten sich quasi mit Kaufempfehlungen. Trotzdem steht die Aktie unter Druck. Was ist da los? Eine einfache Erklärung ist, dass die Geopolitik vieles kaputt macht. Der Nahe Osten sorgt für Nervosität. Gleichzeitig hält das Unternehmen eisern an seinen Jahreszielen fest. Wer hier hinschaut, entdeckt ein Bild, das komplizierter ist als es auf den ersten Blick wirkt. Lohnt sich der Einstieg, oder ist besser Vorsicht angebracht?
Starke Zahlen aber unruhige Aktionäre
Siemens Energy hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres top abgeliefert. Der Nettogewinn stieg auf 746 Millionen Euro, fast dreimal so viel wie im Vorjahresquartal. Der Auftragsbestand kletterte auf den Rekordwert von 146 Milliarden Euro. Neuaufträge legten um 33 Prozent auf 17,6 Milliarden Euro zu. Die Gasturbinen-Kapazitäten sind bis 2028 vollständig ausgebucht, erste Buchungen für 2030 liegen bereits vor. Das ist eine operative Erfolgsgeschichte. Doch die Aktionärsstruktur ist in Bewegung geraten. Die Siemens AG hat ihren Stimmrechtsanteil von knapp 15 Prozent auf rund 5,5 Prozent gesenkt. Eine klare Botschaft ist das. Der ehemalige Mutterkonzern zieht sich weiter zurück. Trotz all dieser Nachrichten und Meldungen steht die Aktie seit Jahresbeginn noch immer mit über 20 Prozent im Plus. Sehr beachtlich bei dem aktuellen Marktumfeld. Auch eine neue strategische Partnerschaft mit Amazon Web Services soll künftig Früchte tragen. Siemens Energy will dabei KI-Dienste nutzen, um Fertigungsprozesse zu optimieren, und prüft gleichzeitig, wie der enorme Energiehunger der Amazon-Rechenzentren gedeckt werden kann.
Charttechnik
Nach dem Hoch von 171,65 Euro Ende Februar hat die Aktie etwas mehr als zehn Prozent eingebüßt. Aktuell liegt sie bei 148,50 Euro, pendelte aber zuletzt zwischen etwa 130 Euro auf der Unterseite und 160 Euro nach oben. Diese Range hat sich in den vergangenen Wochen ein wenig etabliert. Kursanstiege werden immer wieder zum Verkaufen genutzt, Rücksetzer aber auch recht zügig aufgekauft. Das zeigt, dass es gerade ein Kräftemessen zwischen Bullen und Bären ist. Keiner will so richtig Vollgas geben. Weder Käufer noch Verkäufer setzen sich durch. Ein nachhaltiger Ausbruch über 160 Euro würde neues Aufwärtspotenzial eröffnen. Fällt der Kurs hingegen unter 130 Euro, droht eine deutlich größere Korrektur, vielleicht sogar bis 100 Euro oder gar 75 Euro. Bis dahin bleibt die Lage technisch angespannt, aber noch intakt.

Was tun?
Die Situation bei Siemens Energy ist nicht schwarz oder weiß. Das Unternehmen läuft operativ auf Hochtouren. Die Jahresziele mit einem Umsatzwachstum von 11 bis 13 Prozent und einem angestrebten Nettogewinn von bis zu vier Milliarden Euro sind ambitioniert, aber nicht aus der Luft gegriffen. Die nächsten Quartalszahlen kommen am 12. Mai 2026. Dann steht vor allem die Windkrafttochter Siemens Gamesa im Fokus, die im zweiten Halbjahr den operativen Breakeven erreichen soll. Gelingt das, dürfte das neue Dynamik bringen. Gelingt es nicht, gerät die Bewertung unter Druck. Analysten sehen das mittlere Kursziel bei knapp 159 Euro, J.P. Morgan traut der Aktie sogar 200 Euro zu. Das Geopolitik-Risiko durch den Nahost-Konflikt bleibt aber real bestehen. 35 Prozent des Gasturbinen-Auftragsvolumens hängen an der Region. Insgesamt spricht die fundamentale Stärke für das Unternehmen, die kurzfristige Charttechnik mahnt jedoch zur Vorsicht. Wer einsteigen will, könnte besser auf einen Ausbruch über 160 Euro warten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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