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Gemeinsam mit Alphabet hat sich Broadcom einen 30 Milliarden US-Dollar schweren Auftrag gesichert. Reicht das, um bei der Aktie das Ruder herumzureißen?
Alphabet und Broadcom winken jetzt Milliarden
Gegenüber dem Stand vor einem Jahr liegt die Aktie von Halbleiter-Spezialist Broadcom zwar noch beeindruckende 104 Prozent im Plus, doch seit dem Erreichen ihres Allzeithochs bei rund 415 US-Dollar vor gut 4 Monaten konnten die Anteile nicht mehr an den zuvor großen Erfolg anknüpfen. Das hat zuletzt auch das lange makellose Chartbild, welches von einem ebenso kontinuierlichen wie dynamischen Aufwärtstrend geprägt war, belastet.
Am Dienstag zeichnet sich ein in einer für die Aktie kritischen Situation Erfolg ab. Broadcom legte bereits in der US-Vorbörse deutlich zu, nachdem das Unternehmen gemeinsam mit Alphabet einen Milliarden-Deal an Land gezogen hat.
Im Auftrag von Anthropic, dessen KI-Modell Claude inzwischen zu einer ernsthaften Bedrohung für OpenAI und ChatGPT geworden ist, sollen Alphabet und Broadcom in den kommenden Jahren Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von 5 Gigawatt errichten. Bereits im vergangenen November hatte Anthropic angekündigt, Rechenleistung für bis zu 50 Milliarden US-Dollar zu ordern. Offenbar dürfen für ihre Hardware- und Infrastrukturdienstleistungen Alphabet und Broadcom mit einem Löwenanteil rechnen.

Die positiven Nachrichten kommen keinen Tag zu früh
Gelingt es den Käuferinnen und Käufern der Broadcom-Aktie die jüngsten Gewinne zu verteidigen und geringfügig auszubauen, könnte das für einen Befreiungsschlag sorgen. Bleiben Anschlusskäufe aus und die Aktie legt wieder den Rückwärtsgang ein, könnte es kurz- und mittelfristig verlustreich werden.

Broadcom-Aktie in vorentscheidender Situation
Wenngleich sich die Aktie in einem übergeordneten Aufwärtstrend befindet, hat sich die Lage charttechnisch durch die monatelange Kursflaute erheblich eingetrübt. In den vergangenen Wochen wurden die beiden gleitenden Durchschnittslinien aufgegeben, was erste Verkaufssignale lieferte, die durch das Death Cross vor wenigen Tagen ergänzt wurden.
Im Bereich der Unterstützung um 300 US-Dollar traf Broadcom jedoch auf Kaufinteresse, was Schlimmeres bislang verhinderte. Mit den Kursgewinnen vom Dienstag gelingt Broadcom eine Rückkehr über die beiden Durchschnittslinien, womit statt Verkaufs- nun neue Kaufsignale vorliegen. Das Anstiegspotenzial ist jedoch begrenzt bis 350 US-Dollar, wo eine frühere Unterstützungszone als Widerstand lauert.
Mittelfristige Kursentwicklung: Die Ausgangslage ist völlig offen
Mit Blick auf die technischen Indikatoren herrscht eine völlig offene Situation. Auf der eine Seite hat sich der Relative-Stärke-Index (n) deutlich von überverkauften Niveaus erholen können. Er liegt bereits wieder über dem neutralen Wert von 50 Punkten.
Allerdings notiert der Trendstärkeindikator MACD weiter unter der Nulllinie und zeigt damit einen Abwärtstrend der Aktie an. Mit dem Sprung über seine (rote) Signallinie ist ihm aber zumindest ein erstes Entspannungssignal gelungen.
Damit dürfte sich eine mittelfristige Entscheidung daraus ergeben, welches Szenario zuerst eintrifft: Der Anstieg über 350 US-Dollar oder das Unterschreiten des Supports bei 350 US-Dollar. Während das Anstiegspotenzial bei einem Ausbruch zur Oberseite zunächst auf 400 US-Dollar begrenzt ist, könnte Kurs zur Unterseite bis 250 US-Dollar und anschließend auch darunter absacken. Für einen Einstieg liegt demnach kein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis vor. Stattdessen sollte bis zum Vorliegen neuer Signale abgewartet werden.
Fazit: Wer KI-Halbleiter will, sollte lieber auf Nvidia setzen
Aus einer fundamentalen Perspektive hat sich im vergangenen Jahr ein bemerkenswerter Führungswechsel ergeben. War innerhalb der KI- und Halbleiterbranche unter den Mega-Caps lange Nvidia eines der teuersten Papiere, wurde es inzwischen von Broadcom abgelöst. Während das KGVe von Nvidia mit 21,4 so günstig wie noch ist, legen Investoren bei Broadcom aktuell das 27,7-Fache der in diesem Jahr erwarteten Gewinne auf den Tisch - und das, obwohl Nvidia auch beim Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) besser abschneidet.
Zwar ist die Situation der Nvidia-Aktie aus charttechnischer Perspektive inzwischen ähnlich prekär wie die von Nvidia, wer ungeachtet dessen aber in der Halbleiterbranche zuschlagen will, sollte es trotz des am Dienstag bekannt gewordenen Deals mit Anthropic lieber beim Leader als bei Mitbewerber Broadcom tun.
Gastautor: Max Gross

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