
© Foto: fn Symbolbild
Die Xiaomi Aktie hat seit dem Höchststand gut die Hälfte ihres Wertes verloren, und trotzdem reißen sich Kunden um das neue Elektroauto SU7. Das KI-Modell des Konzerns schlägt Claude und Gemini in der Nutzergunst. Neue Smartphones, ein Hochleistungs-SUV am Nürburgring und ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm: Xiaomi gibt alles. Die Börse quittiert das mit einem Schulterzucken und einem neuen Tief. Was steckt dahinter, und wann dreht die Stimmung? Wo ist die Marke, die Anleger sich merken sollten? Die Antwort steckt in drei Entwicklungen und im nachfolgenden Artikel.
Vom Smartphone-Bauern zum Tech-Konzern
Xiaomi war lange vor allem ein günstiger Smartphone-Hersteller aus China. Diese Zeit ist vorbei. Wer heute auf das Unternehmen schaut, sieht einen Konzern, der gleichzeitig Elektroautos baut, ein konkurrenzfähiges KI-Modell betreibt und mit seiner vernetzten Produktwelt immer tiefer ins Alltagsleben seiner Kunden vordringt. Der überarbeitete Elektro-Sedan SU7 zog nach seinem Launch im März innerhalb von 34 Minuten 15.000 verbindliche Bestellungen an, insgesamt liegen inzwischen über 40.000 Vorbestellungen vor. Für 2026 peilt Xiaomi 550.000 Auslieferungen an, nachdem 2025 bereits über 410.000 Fahrzeuge einen Besitzer fanden. Parallel dazu verzeichnete das KI-Sprachmodell MiMo-V2-Pro am ersten Tag seiner kommerziellen Einführung eine Billion verarbeitete API-Tokens, ein Wert, der echtes Entwicklerinteresse widerspiegelt, kein Marketing. In globalen Benchmarks belegt es weltweit Platz acht und führt unter den chinesischen Sprachmodellen. Xiaomi ist kein Smartphone-Konzern mehr. Ob der Markt das noch nicht verstanden hat, oder ob er einfach große Skepsis hat, das ist die eigentliche Frage.
Charttechnik
Der Chart erzählt eine unschöne Geschichte. Vom Jahreshöchstkurs bei über 7,50 Euro im März 2025 hat die Aktie bis heute mehr als die Hälfte verloren. Alle gleitenden Durchschnitte, vom 50- bis zum 200-Tage-Schnitt, zeigen nach unten. Der Abwärtstrend ist intakt, eine technische Erholung ist bislang nicht in Sicht. Der Kurs hängt nahe an seinem 52-Wochen-Tief und sucht noch nach einem tragfähigen Boden. Wer jetzt einsteigen möchte, sollte eines wissen: Der Zug könnte noch etwas weiterfahren. Und das ist wichtig: Erst um die Marke von 2,50 Euro würde der Abwärtstrend nach klassischer Chartlehre auskorrigiert sein. Auf diesem Niveau wäre der Kurs auch fundamental deutlich attraktiver bewertet. Kurzum: Die Aktie gehört jetzt auf die Watchlist, aber der Finger muss noch nicht auf die Kauftaste. Noch sieht alles derzeit aus wie das berüchtigte "fallende Messer".

Was tun?
Die Quartalszahlen waren zuletzt enttäuschend: Der bereinigte Gewinn brach im vierten Quartal deutlich ein. Steigende Speicherkosten fressen die Smartphone-Margen auf, und Analysten erwarten vorerst keine Entspannung. Der Kurs spiegelt das, mit einem KGV von rund 17 ist die Aktie zwar im Vergleich eher günstig bewertet, aber das allein ist kein Kaufargument. Die positiven Signale sind trotzdem vorhanden, denn das Elektroauto-Geschäft gewinnt an Fahrt, das KI-Modell schreibt erste echte Umsätze. Technisch gesehen fehlt aber noch der Boden. Wer zu früh kauft, riskiert, in einen weiter fallenden Kurs hineinzulaufen. Wer aber die Marke von 2,50 Euro im Auge behält und auf eine erste Stabilisierung wartet, könnte sich eine spannende Einstiegsgelegenheit sichern. Fazit für Investoren: Watchlist ja, Kauf noch nicht, aber die Aufmerksamkeit ist berechtigt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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