
© Foto: Jonas Stolle auf Unsplash (Symbolbild)
Rund 15 Prozent unter dem Jahreshoch, ein technisch angeschlagenes Chartbild und gleich mehrere wichtige Termine in den nächsten Wochen, die Deutsche Telekom steht vor einer entscheidenden Zeit. Auf der einen Seite laufen ein milliardenschweres Rückkaufprogramm und handfeste Infrastrukturprojekte. Auf der anderen Seite drücken Lohnforderungen, neue Regulierung und ein ungemütliches US-Umfeld auf die Stimmung. Der April, bzw. der Mai dürfte Klarheit bringen, doch bis dahin bleibt die Lage angespannt. Wer jetzt einsteigt, braucht Nerven. Wer verkauft, riskiert, den Turnaround zu verpassen. Was also tun?
Rückkauf, Starlink und Frankfurter Flughafen
Die Telekom ist gerade auf mehreren Feldern gleichzeitig aktiv. Am Frankfurter Flughafen ist das neue Terminal 3 seit dem 19. April vollständig mit 5G versorgt. Moderne Antennensysteme sichern eine lückenlose Abdeckung, für Passagiere genauso wie für den Betrieb im Hintergrund. Das ist kein Kleinprojekt und es zeigt einmal mehr, dass die Telekom im lukrativen B2B-Geschäft ernst genommen wird. Stabile Margen, verlässliche Aufträge, genau das, was große Konzerne möchten. Parallel dazu treibt die Telekom den Glasfaserausbau in ländlichen Regionen weiter voran. Informationskampagnen und "Spatenstiche" sollen die Auslastung der neu verlegten Netze steigern. Und dann ist da noch Starlink. Unter dem Namen "Satellite Internet Access by Starlink" bietet die Telekom Großkunden einen vollständig gemanagten Satelliten-Breitbanddienst an, als Backup bei Leitungsausfällen, mit bis zu 400 Mbit/s im Download. Die Telekom ist damit der einzige deutsche Netzbetreiber, der diesen Service als fertig verwaltetes Paket schnürt. Ein cleverer Zug, gerade für Firmen in schlecht versorgten Regionen. Dazu läuft ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm. Bis Ende des Jahres sollen Papiere im Wert von bis zu zwei Milliarden Euro eingezogen werden.

Charttechnik
Die Aktie notiert aktuell bei rund 29,55 Euro, praktisch auf Augenhöhe des 200-Tage-Durchschnitts bei 29,73 Euro. Das klingt erst mal beruhigend, bedeutet aber auch, dass da kein Puffer ist. Vom 52-Wochen-Hoch bei 34,25 Euro trennen den Kurs noch immer rund 15 Prozent, beim Hoch aus dem März 2025 bei 35,91 Euro sind es entsprechend etwas mehr. Auf Monatssicht steht schon ein Minus von knapp 6 Prozent. Der RSI liegt aktuell bei 40, technisch noch nicht überverkauft, was aber historisch häufig schon etwas früher eine Gegenbewegung ankündigen könnte. Muss es aber nicht. Der Chart zeigt derzeit eine Abwärtsstruktur seit dem Frühjahr 2025, bis dann eine Gegenbewegung Anfang 2026 stattfand. Solange der Kurs aber die 200-Tage-Linie nicht nachhaltig überwindet, bleibt die technische Lage fragil. Nach unten gibt es eine erste Unterstützung bei rund 28,50 Euro, das 52-Wochen-Tief liegt um die 26,00 Euro. Darunter sieht es übel aus und könnte auf 20 Euro fallen. Nach oben wäre ein Ausbruch über 30,50 Euro das erste positive Signal. Dazwischen ist richtungsloses Niemandsland.
Was tun?
Wer die Fundamentaldaten anschaut, sieht ein solides Bild. Ein KGV von rund 15, eine Dividendenrendite von etwa 3,6 Prozent, ambitionierte aber greifbare Ziele für 2026: 47,4 Milliarden Euro bereinigtes EBITDA, knapp 20 Milliarden Euro Free Cashflow. Doch der Teufel steckt im Detail, denn die US-Tochter T-Mobile, an der die Telekom gut 53 Prozent hält, ist der mit Abstand wichtigste Gewinntreiber. Läuft es dort rund, und die Quartalszahlen am 28. April werden das zeigen, könnte das die Wende einleiten. Läuft es nicht, droht neuer Druck. Hinzu kommt die Tarifrunde mit ver.di am 27. April, wo Lohnforderungen von 6,6 Prozent auf dem Tisch liegen. Und die neuen Netzqualitätsregeln der Bundesnetzagentur könnten künftig Preisnachlässe erzwingen. Der Gesamteindruck: Die Telekom ist kein Zockerpapier, aber auch keine sichere Bank gerade. Wer bereits investiert ist, kann halten, das Rückkaufprogramm und die Bewertung bieten eine gewisse Absicherung. Neueinsteiger warten besser die Quartalszahlen ab, bevor sie handeln.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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