DJ Schweizer Regierung entschärft Kapitalanforderungen für die UBS
Von Margot Patrick
DOW JONES--Die Schweiz hat der UBS bei den Kapitalanforderungen Zugeständnisse gemacht, die die Großbank widerstandsfähiger machen sollen. Dennoch soll sie rund 20 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Puffern aufbauen, damit sich die Probleme, die zum Zusammenbruch des Wettbewerbers Credit Suisse geführt haben, nicht wiederholen können.
Die am Mittwoch angekündigten Änderungen bedeuten, dass die UBS nicht sofort einen Abzug von 11 Milliarden US-Dollar von ihrem Kapital in Höhe von 71 Milliarden US-Dollar für bestimmte immaterielle Vermögenswerte wie Software und latente Steueransprüche hinnehmen muss, wie einige Analysten befürchtet hatten. Kritiker sagen, dass diese Vermögenswerte nicht als Kapital angerechnet werden sollten, da sie in einer Krise nur wenig Wert hätten.
Der Schweizer Bundesrat erklärte, dass der Ausschluss der immateriellen Vermögenswerte die UBS international zu sehr zu einem Ausreißer machen würde. Software muss in der Berechnung teilweise abgezogen werden, jedoch im Einklang mit den bereits von Banken unter EU-Aufsicht befolgten Regeln.
Gleichzeitig erklärte der Bundesrat, der als Exekutive der Schweizer Regierung fungiert, dass er an dem Plan festhalten werde, von der UBS zu verlangen, rund 20 Milliarden US-Dollar zusätzliches Kapital innerhalb der Schweiz für potenzielle Verluste in ihren großen Einheiten in den USA und Großbritannien sowie für andere Auslandsaktivitäten vorzuhalten. Der Plan ist Teil eines Gesetzesentwurfs, der im nächsten Jahr debattiert werden soll.
Die Schweiz stellt sich damit gegen eine breitere Bewegung globaler Regulierungsbehörden, die Banken entlasten wollen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die UBS hatte die Credit Suisse 2023 in einer von der Regierung eingefädelten Rettungsaktion übernommen. Die Politiker haben sich anschließend geschworen, eine Wiederholung zu verhindern.
Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden untersuchten anschließend, was bei der Credit Suisse schiefgelaufen ist, und konzentrierten sich dabei auf regulatorische Schlupflöcher bei Auslandstöchtern, die deren schlechte Gesamtverfassung seinerzeit verschleierten. Daraufhin kam es zu einem neuen Versuch, die Bankenstandards zum zweiten Mal innerhalb einer Generation zu verschärfen.
Die Schweiz hatte ihre Vorschriften bereits nach der UBS-Rettung in der Finanzkrise 2008 überarbeitet.
Der Streit um die neuen Regeln hat die Schweizer Identität der UBS überschattet und den Aktienkurs der Bank belastet.
UBS-Führungskräfte haben sich öffentlich gegen die zusätzlichen Kapitalanforderungen ausgesprochen. Sie argumentieren, dass diese das Geschäftsmodell der Bank wettbewerbsunfähig machen und den Standort der Schweiz als globales Finanzzentrum untergraben würden. Das Hauptgeschäft der UBS ist die Vermögensverwaltung für reiche Kunden weltweit. Sie konkurriert zudem mit Wall-Street-Banken um Investmentbanking-Geschäfte und im Handel an den Finanzmärkten.
Einige UBS-Aktionäre haben geäußert, dass die Bank besser dran wäre, wenn sie ihren Sitz in die USA oder nach Großbritannien verlegen würde, um gegenüber großen US-Konkurrenten keinen Wettbewerbsnachteil zu haben. Doch die Schweiz und ihr Status als sicherer Hafen seien Teil des besonderen Reizes der UBS, sagen manche Analysten. Nach ihrer Einschätzung hätte sie möglicherweise nicht die gleiche Anziehungskraft auf Kunden, wenn sie eine US-Bank würde.
UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher sagte den Aktionären auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche, dass die UBS ihren Hauptsitz in der Schweiz behalten wolle. Sie müsse allerdings prüfen, wie sie die negativen Auswirkungen auf ihr Geschäft minimieren könne. "Wichtige Geschäftsentscheidungen könnten bald unausweichlich werden", sagte Kelleher.
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April 22, 2026 10:49 ET (14:49 GMT)
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