Der Börsengang von electrovac tritt in die entscheidende Phase. Das Unternehmen aus Salzweg plant den Handelsstart im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse für den 30. April 2026. Im Rahmen der Transaktion werden bis zu 4,76 Mio. Aktien angeboten, davon bis zu 3,84 Mio. aus einer Kapitalerhöhung. Die Preisspanne liegt bei 7,80 bis 10,20 Euro, was in der Mitte einer Bewertung von rund 144 Mio. Euro entspricht. Laut einem Bericht des Handelsblatts ist das Orderbuch inzwischen gut gefüllt, was auf eine solide Nachfrage sowohl von institutionellen als auch privaten Investoren hindeutet.
Fokus auf sicherheitskritische Anwendungen
Operativ ist electrovac auf hermetische Glas-Metall-Gehäuse spezialisiert, die empfindliche Elektronik in sicherheitskritischen Anwendungen schützen. Die Einsatzgebiete reichen von Airbags und Gurtstraffern über Raumfahrtanwendungen bis hin zu militärischen Systemen. Die Kombination aus technologischer Spezialisierung, hohen Qualifikationsanforderungen und sicherheitsrelevanten Einsatzfeldern sorgt für stabile Kundenbeziehungen und eine starke Marktposition in einer klar abgegrenzten Nische.
Zwei zentrale Wachstumstreiber
Das Wachstum speist sich im Wesentlichen aus zwei Bereichen. Im Segment Personal Safety profitiert electrovac von steigenden Sicherheitsanforderungen im Automobilbereich sowie von zusätzlichen Anwendungen im Zuge der Elektrifizierung. Im Bereich Aerospace & Defense wirken steigende Verteidigungsausgaben und der Ausbau von Satellitenkapazitäten als Impulsgeber. Gerade dieses Segment gilt als margenstark und gewinnt im Mix zunehmend an Gewicht.
Operative Entwicklung mit steigender Dynamik
Die Geschäftszahlen der letzten Jahre zeigen eine insgesamt positive Entwicklung. Der Umsatz erhöhte sich von 85,2 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2022/23 auf 98,2 Mio. Euro im Jahr 2024/25. Das EBIT entwickelte sich schwankend, erreichte zuletzt aber 9,1 Mio. Euro. In den ersten neun Monaten 2025/26 wurden bereits 85,9 Mio. Euro Umsatz und 10,5 Mio. Euro EBIT erzielt. Die Profitabilität hat sich damit spürbar verbessert, bei der Marge ist ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Nach rund 5 Prozent im Geschäftsjahr 2023/24 lag die EBIT-Marge zuletzt bei gut 9 Prozent und erreichte auf Neunmonatssicht bereits mehr als 12 Prozent. Das deckt sich mit der mittelfristigen Zielsetzung des Unternehmens, bei einem Umsatz von rund 150 Mio. Euro eine EBIT-Marge von über 12 Prozent zu erzielen. Unterstützt wird dies durch eine laut Management solide Auftragslage sowie eine Book-to-Bill-Ratio über 1. Die Bilanz wirkt ebenfalls stabil, mit einer Eigenkapitalquote von knapp 54 Prozent und positiven Free-Cashflows.
Kapazitätsausbau im Mittelpunkt
Die Mittel aus dem Börsengang sollen vor allem in den Ausbau der Produktionskapazitäten fließen. In den relevanten Wachstumsbereichen sind die bestehenden Kapazitäten nach Unternehmensangaben bereits ausgelastet. Geplant sind Investitionen in Thailand, der Aufbau zusätzlicher Fertigung in China sowie eine stärkere Präsenz in den USA. Für den Markteintritt in den USA wird auch eine kleinere Akquisition in Betracht gezogen.
Bewertung mit Blick nach vorn
Bei einer Bewertung von rund 144 Mio. Euro ergibt sich auf Basis des Geschäftsjahres 2024/25 ein KGV von knapp 28. Allerdings wurde der damalige Gewinn bereits in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres übertroffen. Für das Gesamtjahr erwarten die Analysten der emissionsbegleitenden Bank einen Gewinn von 8,9 Mio. Euro, was das Bewertungsniveau deutlich relativiert. Vor dem Hintergrund der hohen Nachfrage und der Wachstumspläne erscheint die Bewertung bei Zielerreichung entsprechend attraktiver.
IPO mit breitem Zugang für Privatanleger
Auffällig ist zudem die Struktur des Börsengangs. Privatanleger sollen diesmal stärker einbezogen werden als zuletzt üblich. So soll sich die Zuteilung an der Höhe der Zeichnung orientieren; die ärgerliche pauschale Zuteilung von Minipositionen, die bei den jüngsten Börsengängen bei Privatanlegern für hohe Kosten und viel Unmut sorgte, soll so der Vergangenheit angehören. Eine weitere Neuigkeit ist die zusätzliche Möglichkeit, Aktien direkt über ein Online-Zeichnungstool auf der Unternehmenswebsite (www.electrovac.de) zu erwerben, womit der Zugang zum IPO für alle Anleger, ungeachtet der depotführenden Bank, ermöglicht wird. Eine gute Beschreibung des Verfahrens gibt es beim Going Public Magazin (www.goingpublic.de/going-public/umdenken-bei-der-ipo-technik/).
Fazit
electrovac bringt eine Reihe von Eigenschaften mit, die im Nebenwertesegment gefragt sind: eine klar definierte Nische, hohe Eintrittsbarrieren und strukturelle Wachstumstreiber. Hinzu kommt eine inzwischen deutlich verbesserte Profitabilität. Die Rahmenbedingungen des IPO wirken insgesamt überzeugend. Auch wenn die Bewertung auf Basis der aktuellen Kennzahlen kein Schnäppchen darstellt, erscheint sie im Vergleich zu anderen Unternehmen mit signifikanter Defence-Exponierung attraktiv - insbesondere bei Umsetzung der geplanten Wachstumsstrategie. Und die ersten Nachrichten zum Stand der Zeichnung lassen auf einen erfolgreichen Börsengang schließen, an dem Privatanleger diesmal in deutlich größerem Ausmaß teilnehmen können als zuletzt.
(aktien-globlal.de, erstellt 24.04.26, 8:38 Uhr, veröffentlicht 24.04.26, 8:47 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/).
Originalmeldung: https://www.aktien-global.de/news-cov/newscov_electrovac/electrovac_ipo_geht_in_die_heie_phase__nachfrage_offenbar_solide-23694/

