
© Foto: Gerd Altmann auf Pixabay (Symbolbild)
Rheinmetall meldet Rekordaufträge, die Bundeswehr kauft Drohnen in Hülle und Fülle, Analysten jubeln, und trotzdem fällt die Aktie. Immer weiter. Wer jetzt denkt, das sei eine günstige Einstiegsgelegenheit, sollte sich das besser zweimal überlegen. Denn der Chart erzählt eine ganz andere Geschichte als die Pressemitteilungen aus Düsseldorf. Eine klassische SKS-Formation hat sich vollendet, und die charttechnischen Signale zeigen klar nach unten. Kursziel: 1.000 Euro. Im schlimmsten Fall sogar noch deutlich tiefer. Wer jetzt einsteigt, riskiert viel. Wer hält, braucht starke Nerven. Und wer verkauft, liegt vielleicht genau richtig.
Großaufträge lösen das Problem nicht
Die Nachrichten klingen gut, das stimmt. Rheinmetall hat einen milliardenschweren Rahmenvertrag mit der Bundeswehr unter Dach und Fach. Geliefert werden sollen tausende Loitering-Munitions-Systeme vom Typ FV-014, sogenannte Kamikazedrohnen, die Ziele bis zu 100 Kilometer weit präzise treffen können. Der erste Abruf hat ein Volumen von rund 300 Millionen Euro. Die Serienauslieferung ist für das erste Halbjahr 2027 geplant. Produziert wird im Werk Neuss, vollständig in Europa. Zeitgleich läuft in Hamburg die Serienfertigung des autonomen Wasserfahrzeugs Kraken K3 Scout an. Alles klingt nach Aufbruch und Stärke. Aber der Markt? Der interessiert sich gerade herzlich wenig dafür. Die Aktie verliert, obwohl die Auftragsbücher prall gefüllt sind. Seit Jahresbeginn liegt das Papier mehr als 10 Prozent im Minus. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei knapp 2.000 Euro ist gewaltig. Und das ist kein Zufall.

Charttechnik
Im Chart hat sich über die vergangenen Monate eine klassische Schulter-Kopf-Schulter-Formation vollendet. Das ist kein gutes Zeichen. Diese Umkehrformation gilt als eines der verlässlichsten Warnsignale der technischen Analyse, und das projizierte Kursziel liegt bei rund 1.000 Euro. Das wäre nochmal ein Rückgang von gut 30 Prozent vom aktuellen Niveau. Wer das für übertrieben hält, sollte sich den Chart nüchtern anschauen: Die Aktie hat in den vergangenen Wochen eine deutliche Abwärtsbewegung eingeschlagen. Der RSI liegt unter der 50er Zone und hat aber noch Platz nach unten. Und der Bereich um 1.400 Euro, der eigentlich als Unterstützung dienen sollte, hält kaum noch stand. Im negativsten Szenario, wenn auch diese Zone aufgibt, wird es richtig ungemütlich. Ein offenes Gap aus früheren Handelswochen bei rund 800 Euro könnte dann als Magnet wirken. Gaps schließen sich, das ist an der Börse zwar keine Garantie, aber eine Tendenz, die Anleger kennen sollten. Erst wenn diese Kursbereiche abgearbeitet sind, dürfte eine wirklich tragfähige Basis entstehen.
Was tun?
Die Lage ist komplex, denn fundamental ist Rheinmetall kein schlechtes Unternehmen, ganz im Gegenteil. Die Auftragslage ist stark, die strategische Ausrichtung stimmt, und am 7. Mai kommen die Quartalszahlen, die zeigen werden, ob sich die vollen Bücher auch in den Margen niederschlagen. Analysten sehen das Kursziel im Schnitt bei über 2.000 Euro. Das klingt verlockend. Aber der Markt stört sich gerade an etwas anderem und zwar der Unsicherheit vor den Zahlen, geopolitische Risiken und eine Charttechnik, die klar nach unten zeigt. Das ist ein gefährlicher Mix. Wer die Aktie bereits im Depot hat, könnte sich ernsthaft fragen, ob das aktuelle Niveau zum Halten einlädt, oder ob vielleicht ein Teilverkauf Sinn ergibt, um das Risiko zu reduzieren. Wer neu einsteigen will, könnte Geduld mitbringen und eventuell besser auf eine Bodenbildung warten. Erst wenn die SKS-Formation vollständig abgearbeitet ist und sich im Bereich um 1.000 Euro stabile Kaufsignale zeigen, wird der Einstieg deutlich attraktiver. Vielleicht aber erst auch bei 800 Euro? Jetzt schon zuzugreifen, nur weil die Nachrichten gut klingen, wäre vielleicht verfrüht.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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