
© Foto: Commerzbank
Die Commerzbank kämpft gerade an mehreren Fronten gleichzeitig. Da ist die UniCredit, die hartnäckig an der Übernahme festhält und ihre Beteiligung mittlerweile auf über 32 Prozent hochgeschraubt hat. Da ist die BaFin, die dem italienischen Konzern gerade eine schallende Ohrfeige verpasst hat. Und da ist eine Bank, die mit einem Rekordergebnis glänzt und trotzdem unter Druck steht. Gleichzeitig zeigt der Chart etwas, das Investoren nervös machen könnte. Eine Formation hat sich da aufgebaut, die in der Vergangenheit auch schon öfter schief ging. Dreimal hat die Aktie versucht, die 39-Euro-Marke nach oben zu knacken. Dreimal ist sie gescheitert. Sollte das auch beim nächsten Anlauf so bleiben, könnte der Kurs deutlich tiefer fallen als viele erwarten. Was wirklich hinter diesem Übernahme-Krimi steckt, warum die BaFin eingriff und wie Anleger jetzt reagieren sollten, das lesen Sie hier.
Rekord und Widerstand
Das operative Ergebnis für 2025 kletterte um 18 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro, ein historischer Bestwert. Das Management gibt sich selbstbewusst. Vorstandsmitglied Thomas Schaufler bezifferte seine Überzeugung, dass die Bank eigenständig bleibt, mit zehn von zehn. Doch UniCredit-Chef Andrea Orcel lässt sich davon nicht beeindrucken. Er spricht von Underperformance und stellt für den Fall einer Übernahme einen Nettogewinn von 5,1 Milliarden Euro bis 2028 in Aussicht. Der Haken daran ist, dass wohl bis zu 7.500 Stellen wegfallen würden. Rückendeckung bekommt die Commerzbank aus Berlin. Die Bundesregierung hält rund 12 Prozent der Aktien und lehnt eine Übernahme klar ab. Bundeskanzler Friedrich Merz hat das öffentlich deutlich gemacht. Und trotzdem hat die UniCredit die Gesamtposition zuletzt auf über 32 Prozent ausgebaut und damit die symbolisch wichtige Schwelle von 30 Prozent geknackt. Der Kampf ist längst nicht vorbei. Im Mai wird es spannend: Am 8. Mai legt die Commerzbank Quartalszahlen vor und stellt neue Ziele bis 2030 vor. Am 20. Mai findet die Hauptversammlung statt, dort wird sich zeigen, wie geeint die Aktionäre wirklich hinter dem Kurs der Bank stehen.

Charttechnik
Wer sich den Chart der Commerzbank genauer ansieht, dem fällt die schon eingangs beschriebene und erwähnte Struktur auf, die Investoren nicht unbedingt gerne sehen wollen. Die Aktie hat dreimal versucht, die Zone um 39 Euro nachhaltig zu überwinden. Dreimal ist das misslungen. Charttechniker nennen das ein Dreifach-Top, und das ist könnte kein gutes Zeichen sein, denn solange die Marke von 39 Euro nicht klar überwunden wird, bleibt dieses Muster aktiv. Im schlimmsten Fall, wenn der Kurs stattdessen unter wichtige Unterstützungszonen abrutscht, wäre ein Rückfall unter 30 Euro durchaus realistisch. Das ist keine Prognose, aber ein Warnsignal, das ernst genommen werden sollte. Zuletzt lag die Aktie bei rund 34 Euro und damit knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt. Analysten von RBC und Barclays sehen das Potenzial bei 42 bis 43 Euro, aber das setzt eben voraus, dass die charttechnische Hürde auch wirklich fällt.
Was tun?
Fundamental betrachtet steht die Commerzbank solide da. Ein Rekordergebnis, eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie mit einer Rendite von über vier Prozent und ein vergleichsweise günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis sprechen für sich. Auf der anderen Seite herrscht weiterhin Unsicherheit rund um die Übernahme, die Hauptversammlung im Mai und eben jene charttechnische Warnsignale. Wer bereits investiert ist, sollte die Entwicklung rund um die 39-Euro-Marke eng verfolgen. Ein Ausbruch nach oben wäre ein Kaufsignal. Fällt der Kurs dagegen unter die Unterstützungszonen, die knapp unter dem aktuellen Niveau liegen, droht ein Rückfall sogar deutlich unter 30 Euro. Für Neueinsteiger gilt: Abwarten könnte keine schlechte Option sein, zumindest solange, bis der Nebel sich etwas lichtet, spätestens nach der Hauptversammlung im Mai dürfte vielleicht etwas klarer sein, wohin die Reise geht.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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