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Quartalszahlen können langweilig, trocken und manchmal auch sehr enttäuschend sein. Bei Amazon waren sie es definitiv diesmal nicht. Der Konzern hat die Wall Street regelrecht überrumpelt, mit einem Gewinn, der fast doppelt so hoch ausfiel wie erwartet, mit einem Cloud-Wachstum so stark wie seit Jahren nicht mehr, und mit einer Prognose, die Analysten verblüfft zurückließ. Aber hinter den glänzenden Zahlen steckt noch eine größere Geschichte: Amazon baut sich gerade zur zentralen Infrastruktur der KI-Welt auf, und das mit einer Konsequenz, die wohl alle beeindruckt. Wer die Aktie auf dem Radar hat, sollte jetzt noch genauer hinschauen.
Zahlen, die überraschen
Amazon hat im ersten Quartal 2026 geliefert, und zwar deutlich mehr und besser als erwartet. Der Gewinn je Aktie kletterte von 1,59 auf 2,78 US-Dollar. Analysten hatten gerade mal 1,63 US-Dollar auf dem Zettel. Der Umsatz wuchs auf knapp 182 Milliarden US-Dollar, auch das über den Schätzungen. Besonders das Cloud-Geschäft AWS machte auf sich aufmerksam: 28 Prozent Wachstum im Jahresvergleich, auf rund 37,6 Milliarden US-Dollar. Das ist die stärkste Rate seit mehr als drei Jahren. Beim operativen Gewinn sieht es ähnlich stark aus, ein Plus von 30 Prozent auf knapp 24 Milliarden US-Dollar. Auch das Werbegeschäft läuft rund: 17,2 Milliarden US-Dollar, ein Zuwachs von 24 Prozent. Und für das zweite Quartal erwartet Amazon zwischen 194 und 199 Milliarden US-Dollar Umsatz, auch das lag über dem, was die Märkte vorher kalkuliert hatten. Der einzige Haken dabei: Der freie Cashflow ist um 95 Prozent eingebrochen, auf nur noch 1,2 Milliarden US-Dollar. Der Grund ist aber logisch nachvollziehbar und damit ganz klar, denn Amazon investiert massiv in KI-Infrastruktur. Allein im ersten Quartal flossen 43 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren und Hardware. Der CEO sagt dazu offen: In starken Wachstumsphasen sei ein niedriger Cashflow normal. Das klingt plausibel, vor allem wenn man sieht, was Amazon damit aufbaut.
Charttechnik
Die Amazon-Aktie hat eine rasante Aufholjagd hingelegt. Im Februar fiel der Kurs noch knapp unter 200 US-Dollar. Seitdem ging es nach oben. Anfang Mai erreichte das Papier mit etwas über 275 US-Dollar ein neues Allzeithoch, aktuell liegt die Aktie etwas darunter um die 265 US-Dollar. Das ist Ausdruck eines wiedergewonnenen Anlegervertrauens. Wer die Kursentwicklung der letzten Wochen betrachtet, sieht einen klaren Aufwärtstrend, der technisch ebenfalls gut abgesichert wirkt. Klar ist, dass es zu Gewinnmitnahmen immer kommen kann, aber der Kurs liegt immer noch deutlich über seinen wichtigen gleitenden Durchschnitten (50er und 200er SMA), und das Volumen bei den Aufwärtsbewegungen war zuletzt stark. Rücksetzer wurden ebenfalls schnell akkumuliert. Das deutet auf eine gesunde Nachfrage hin. Kurzfristig könnte der RSI mit einem Wert von 75 etwas dämpfend wirken. Das wäre aber normal und kein Signal für eine Trendwende. Der Markt bewertet Amazon derzeit mit dem 34-fachen des erwarteten Gewinns, über dem historischen Durchschnitt von etwa 29x, aber die Argumentation dafür ist dennoch nachvollziehbar.

Was tun?
Die Quartalszahlen liefern ein klares Bild: Amazon wächst profitabel, das Cloud-Geschäft beschleunigt sich, und die KI-Partnerschaften mit OpenAI und Anthropic bringen handfeste Auftragsvolumen mit. AWS hat allein 364 Milliarden US-Dollar an bereits vereinbartem, noch nicht realisiertem Umsatz in der Pipeline, ohne den Anthropic-Deal über 100 Milliarden US-Dollar einzurechnen. Das sind Dimensionen, die einfach schwer vorstellbar sind. Gleichzeitig gibt es aber auch Risiken, wie überall. Der schwache Cashflow ist real, aber nachvollziehbar. Die hohen Kapitalausgaben müssen sich irgendwann in Renditen auszahlen und regulatorische Risiken bestehen ebenfalls. Wer also neu einsteigen will, sollte das wissen, dennoch wer bereits investiert ist, hat eher wenig Grund zur Nervosität. Die Analysten sehen das ähnlich: UBS, Goldman Sachs, RBC und Barclays empfehlen die Aktie derzeit allesamt zum Kauf. Amazon bleibt die Aktie mit einer der überzeugendsten Wachstumsstorys am Markt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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