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GameStop, der Videospielhändler, den viele schon abgeschrieben hatten, sorgt wieder für Wirbel. CEO Ryan Cohen hat ein Übernahmeangebot für eBay auf den Tisch gelegt: 125 US-Dollar je Aktie, rund 56 Milliarden US-Dollar schwer. Ein Zug, der die Finanzwelt schon jetzt spaltet. Zu groß, zu riskant, zu teuer, sagen die einen. Genau das Richtige, sagen die anderen. Cohen selbst brachte es einmal auf den Punkt: "Es ist entweder genial oder totaler Schwachsinn." Klar ist: GameStop hat sich still und leise bereits eine fünfprozentige Beteiligung an eBay gesichert. Dieser Deal kommt also nicht aus dem Nichts. Ob er gelingt, hängt von Milliarden, Mut und der Reaktion von eBay und den Aktionären ab. Was steckt wirklich dahinter?
Der Deal und seine Risiken
GameStop will eBay zu je 125 US-Dollar je Aktie übernehmen, hälftig in bar, hälftig in eigenen Aktien. Das klingt entschlossen. Doch wer genauer hinschaut, sieht die Spannung dahinter. GameStop ist an der Börse rund 12 Milliarden US-Dollar wert. eBay bringt fast das Vierfache auf die Waage. Ein kleineres Unternehmen übernimmt ein deutlich größeres, das ist selten, und es ist teuer und kann noch teurer werden. Zwar sitzt GameStop auf knapp 9,4 Milliarden US-Dollar Liquidität. Doch für den Cashanteil des Deals braucht es mehr. Viel mehr. Ein Finanzierungsschreiben über bis zu 20 Milliarden US-Dollar Fremdkapital liegt vor. Schulden in dieser Größenordnung sind keine Kleinigkeit. Sie drücken auf die Marge, erhöhen den Zinsaufwand und lassen wenig Spielraum, wenn die Integration holpert. Hinzu kommt: Der angebotene Aufpreis von rund, je nachdem wie man es bewertet, 27 bis 36 Prozent über dem Marktdurchschnitt, setzt GameStop unter Druck, diese Prämie durch echte Synergien zu rechtfertigen. Gelingt das nicht, zahlen am Ende die eigenen Aktionäre die Zeche. Regulatorische Hürden kommen noch obendrauf.

Charttechnik
Der GME-Kurs hat seit Jahresbeginn über 20 Prozent zugelegt und zeigt damit klare Stärke. Nach der Bekanntgabe des eBay-Angebots sprang die Aktie im nachbörslichen Handel nochmals an. Charttechnisch hat GameStop zuletzt mehrere Widerstände überwunden. Der Aufwärtstrend ist intakt, das Momentum positiv. Allerdings ist das Kursniveau nach dem jüngsten Sprung erhöht, das birgt Risiken für Rücksetzer. Auch der RSI zeigt mit einem Wert von 64 schon bald eine überkaufte Lage an, denn bis zur 70 ist es nicht mehr weit. Die Frage ist, ob der Meme-Wahnsinn wie damals wieder beginnt und der Verstand bei den GameStop-Käufern erneut aussetzt. Damals ging es auch darum, den großen Hedgefonds, die auf fallende Kurse mit Shortpositionen gesetzt hatten, eins auszuwischen und als David dem Goliath einen "auf die Glocke" zu hauen.
Was tun?
GameStop bleibt ein Sonderfall und ist wirklich hochspekulativ. Das Unternehmen hat sich unter Cohen zwar spürbar neu erfunden: weniger Läden, mehr Fokus auf Sammelkarten und Nostalgie-Produkte, bislang eine prall gefüllte Kasse. Die eBay-Offerte zeigt, dass Cohen den nächsten großen Schritt wirklich gehen will. Gelingt der Deal, entsteht ein ernstzunehmender Rivale für Amazon, mit starker Marktplatz-Infrastruktur und einer treuen Sammler-Community. Die Aktie reagierte bereits positiv, aber fundamental bleibt das Bild zweischneidig: (noch) hohe Cashreserven auf der einen, drohende Schulden und Integrationsdruck auf der anderen Seite. Für hoch-risikofreudige Anleger mit langem Atem ist GME interessant. Wer Sicherheit sucht, wartet besser ab, bis mehr Klarheit über Finanzierung und eBays Reaktion herrscht.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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