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Novo Nordisk hat im ersten Quartal 2026 recht ordentlich abgeliefert. Umsatz rauf, Gewinn rauf, mehr als eine Million Amerikaner schlucken die neue Wegovy-Pille. Klingt gut, oder? Und jetzt kommt gleich das große "Aber". Denn wer genauer hinschaut, merkt: Hinter der glänzenden Oberfläche steckt eine unbequeme Wahrheit. Der Konzern erwartet für das Gesamtjahr weiterhin einen deutlichen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis. Und der Chart erzählt eine Geschichte, die viele Anleger lieber nicht hören wollen. Denn solange der 200er SMA nicht geknackt ist, bleibt Novo Nordisk technisch gesehen ein Unternehmen im Abwärtstrend. Kursziele von 70 oder 80 Euro? Möglich, aber erst, wenn eine entscheidende Hürde fällt. Was genau dahintersteckt, und ob sich ein Einstieg jetzt lohnt, lesen Sie hier.
Zahlen und Ausblick: Stark auf den ersten Blick - ernüchternd beim zweiten
Das erste Quartal 2026 war für Novo Nordisk auf dem Papier ein voller Erfolg. Der Umsatz kletterte um 24 Prozent auf knapp 96,8 Milliarden Dänische Kronen. Das operative Ergebnis legte sogar um mehr als 53 Prozent auf rund 59,6 Milliarden Kronen zu. Die operative Marge lag bei starken 61,6 Prozent. Auf Anhieb beeindruckend. Wer allerdings weiterliest, stößt schnell auf den Haken. Diese Zahlen wurden maßgeblich durch die Auflösung von Rückstellungen für Rabatte im US-Geschäft sowie Wechselkurseffekte aufgebläht. Bereinigt um diese Sondereffekte sank der Erlös im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent. Und die Prognose für das Gesamtjahr 2026 bleibt negativ. Novo Nordisk rechnet mit einem bereinigten Umsatz- und Ergebnisrückgang von vier bis zwölf Prozent. Immerhin eine kleine Verbesserung gegenüber der Vorgabe von minus fünf bis minus 13 Prozent, aber wirklich positiv klingt das nicht. Treiber der Phantasie ist die orale Wegovy-Pille. Über eine Million Amerikaner nehmen sie bereits. Allein in der Woche bis zum 17. April wurden mehr als zwei Millionen Rezepte ausgestellt. Das ist ein beeindruckender Marktstart. Doch der gestiegene Absatz konnte den Preisverfall nicht auffangen. Dazu kommen die einbrechenden Umsätze mit Diabetesmedikamenten. Ozempic, einst der Blockbuster schlechthin, fiel auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren.

Charttechnik
Der Chart von Novo Nordisk zeigt eines klar: Die Aktie befindet sich seit über einem Jahr in einem Abwärtstrend. Vom Allzeithoch hat das Papier heftigst verloren. Das tut Aktionären, die dabei sind, weh. Doch es gibt erste Zeichen der Erholung. Nach einer Bodenbildung im Bereich von ca. 31 - 33 Euro startete eine, nennen wir es mal, beachtliche Rally. Seit dem Tief Ende März konnte die Aktie über 25 Prozent zugelegt. Der Sprung über den 50er SMA war ein erstes konstruktives Signal. Auch das Klettern des RSI über die 50er Marke und zuvor raus aus der Überverkauftzone, ein zweites Kaufsignal. Technisch sieht die kurzfristige Lage also etwas freundlicher aus. Aber und das ist entscheidend: Der 200-Tage-Durchschnitt liegt noch über dem aktuellen Kurs, im Bereich von 42,74 Euro. Solange diese Linie nicht nachhaltig überwunden wird, bleibt der übergeordnete Trend nach unten gerichtet. Von einer echten Trendwende kann man da noch nicht sprechen. Erst nachhaltig oberhalb von 43 oder 44 Euro wäre das technische Bild wieder bullisch. Gelingt der Durchbruch über den 200er-SMA, könnten mittelfristig Kursziele von 70 oder sogar 80 Euro in den Fokus rücken. Bis dahin ist es aber noch ein Weg, der hart werden könnte.
Was tun?
Novo Nordisk ist ein gespaltener Fall. Die Quartalszahlen haben positiv überrascht, zumindest auf den ersten Blick. Die Sondereffekte sollte man dabei aber nicht vergessen. Die bereinigte Entwicklung bleibt schwierig. Der Wettbewerb mit Eli Lilly ist brutal, der Preisdruck durch Generika in China, Indien und Brasilien dürfte 2026 weiter zunehmen. Gleichzeitig ist der Wegovy-Pillenstart vielversprechend und der FDA-Schutzwall gegen Semaglutid-Kopien gibt dem Kerngeschäft etwas Rückenwind. Fundamental ist die Aktie mit einem geschätzten KGV von rund 13 deutlich günstiger bewertet als der direkte Konkurrent Eli Lilly. Das spiegelt aber auch das höhere Risiko wider. Charttechnisch bleibt die Lage angespannt, solange der 200er-SMA nicht überwunden ist. Wer bereits investiert ist, kann die Position halten und auf eine Fortsetzung der Erholung setzen, sollte aber einen Stopp-Loss im Blick behalten. Für Neueinsteiger gilt: Ein voreiliger Einstieg bleibt riskant. Die Story ist noch nicht zu Ende geschrieben.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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